Bundesliga

Max Kruse: Dieses Missverständnis hat nur einen Gewinner

VfL Wolfsburg: Kovac demonstrierte Kompromisslosigkeit

Kruse: Dieses Missverständnis hat nur einen Gewinner

Nach dem Aus von Max Kruse beim VfL Wolfsburg gibt es nur einen Gewinner - Trainer Niko Kovac (re.). IMAGO/Christian Schroedter

An diesem Donnerstag bittet Niko Kovac seine Spieler wieder zum Training. Seit diesem Montag ist klar, dass einer definitiv nicht mehr dabei sein wird: Der VfL beendete das Kapitel Max Kruse mit der Vertragsauflösung und setzte einen zwingend notwendigen Schlusspunkt hinter dieses kostspielige Missverständnis.

Die Verwunderung im vergangenen Januar war groß gewesen, als sich der VfL die Dienste Kruses gesichert und ihn für satte fünf Millionen Euro von Union Berlin losgeeist hatte. Zugleich war dieser Deal ein Ausdruck der Wolfsburger Not im Abstiegskampf und ein erfüllter Wunsch von Trainer Florian Kohfeldt, der diesen eigenwilligen und speziellen Profi zu nehmen und gewinnbringend zu integrieren wusste. Mit der Entlassung des Trainers im Mai war auch das Ende Kruses in Wolfsburg vorgezeichnet, eine Trennung im Sommer wäre für alle Beteiligten die beste Lösung gewesen.

Stattdessen aber begaben sich die Verantwortlichen und der Spieler auf einen Ritt auf der Rasierklinge, an der sich alle schnitten. Obwohl schnell zu erahnen war, dass Kruse den körperlichen Anforderungen von Kohfeldt-Nachfolger Kovac nicht wird standhalten können, versuchten es Trainer und Offensivkraft miteinander. Der Kroate baute viele Brücken für Kruse, der diese nicht mehr beschreiten wollte oder konnte. Mit der Ausbootung des 34-Jährigen im September setzte Kovac ein (zu) spätes, aber alternativloses Zeichen. Und ist damit aus heutiger Sicht der einzige Gewinner dieser Nummer: Kovac demonstrierte Kompromisslosigkeit, stärkte nach seinem Fehlstart die eigene Position und bekam ohne Kruse die Kurve.

Am Ende wurde es ein ziemlich trauriges Kapitel

Der Spieler wiederum begab sich nach der Degradierung auf einen digitalen Irrweg mit zunehmend peinlichen Social-Media-Auftritten und Giftpfeilen in die Kabine, zuletzt nahm er Kapitän Maximilian Arnold ("Der, der weniger Talent hat, muss mehr trainieren") ins Visier. Der VfL tat sich andererseits keinen Gefallen damit, Kruse für jeden sichtbar auf dem Übungsplatz zum "Torwarttrainer" zu machen. Das hätte ab Donnerstag wieder gedroht, verhindert wird dieses Szenario nun mit einer satten Abfindung, wenngleich Kruse nicht sein komplettes Restgehalt bis zum Sommer ausgezahlt bekommt.

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Das Ende des großen Missverständnisses ist besiegelt. Ob Wolfsburg im vergangenen Jahr ohne Kruse abgestiegen wäre, ist ebenso hypothetisch wie die Annahme, dass in diesem Jahr auch mit ihm der Aufschwung der vergangenen Wochen erfolgt wäre. Deswegen bleiben nur die Fakten: In 14 Spielen in der Rückrunde gelangen Kruse sieben Treffer und zwei Vorlagen, in fünf Partien dieser Saison blieb er ohne jeden Scorerpunkt. Bis zu Kruses Aus im September sammelte der VfL in fünf Spielen zwei Punkte, in den zehn Partien ohne den Routinier wurden es 21 Zähler. Wolfsburg befindet sich seit dem großen Knall auf einem guten Weg - acht Spiele ohne Niederlage.

Ohne Kruse, der ein zweites Mal zum VfL gekommen war, weil er seine Geschichte dort zu Ende schreiben wollte. Am Ende wurde es ein ziemlich trauriges Kapitel seiner Karriere, die er fortsetzen möchte. Potenzielle Interessenten hat der 14-malige Nationalspieler in der vergangenen Zeit mit seinen Auftritten abseits des Rasens abgeschreckt. Ob tatsächlich nochmals ein Bundesligist dieses Risiko mit ihm eingeht, ist äußerst zweifelhaft. Dabei hatte es durchaus Charme, wie sich dieser etwas andere Profi in der Welt der Topathleten und Asketen immer noch behaupten konnte. Das dürfte ihm in Zukunft kaum noch gelingen. Im März wird Kruse 35 - und vielleicht ja ein bisschen reifer.

Kruse: "Fingerspitzengefühl hatte er nicht"

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