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Toni Kroos kritisiert scharf: WM-Vergabe nach Katar "war falsch"

Boykott werde "zu spät diskutiert"

Kroos kritisiert scharf: WM-Vergabe nach Katar "war falsch"

Hat eine klare Haltung hinsichtlich der WM-Vergabe nach Katar: Nationalspieler Toni Kroos.

Hat eine klare Haltung hinsichtlich der WM-Vergabe nach Katar: Nationalspieler Toni Kroos. picture-alliance

Der 31-jährige Weltmeister von 2014 kritisierte in seinem wöchentlichen Podcast ("Einfach mal Luppen") die Arbeitsbedingungen in dem arabischen Land.

In Bezug auf die Arbeiter auf den Baustellen schilderte er die Zustände in einem mehrere Minuten dauernden Monolog und sprach davon, dass viele Arbeiter "einfach so ein pausenloses Arbeiten haben bei teilweise 50 Grad Hitze". Sie würden "da einfach auch unter mangelnder Ernährung leiden, fehlendes Trinkwasser, was gerade bei den Temperaturen ein Wahnsinn ist". Zudem prangerte er eine "gewisse Gewalt" an, die "an den Arbeitenden ausgeführt wird".

Neben den Arbeitsbedingungen kritisierte Kroos die vorherrschende Homophobie im Gastgeberland der WM. "Das eine sind die Arbeitsbedingungen, aber es gibt ja auch den einen oder anderen Punkt, sage ich mal, es gibt ja nach wie vor beispielsweise, dass Homosexualität in Katar unter Strafe steht und auch verfolgt wird."

Prinzipiell hält Kroos die von Korruptionsvorwürfen massiv belastete WM-Vergabe durch das damalige FIFA-Exekutivkomitee um Ex-Präsident Joseph Blatter, Franz Beckenbauer und Michel Platini für einen schwerwiegenden Fehler. "Dass dieses Turnier dahin gegeben worden ist, das halte ich für falsch. Katar ist kein Fußball-Land in dem Sinne, wo es logisch ist, dass es eine WM gibt."

Katar ist kein Fußball-Land in dem Sinne, wo es logisch ist, dass es eine WM gibt.

Toni Kroos

WM-Boykott? "Diese Frage wird zu spät diskutiert"

Die nun immer zahlreicher auftretenden Boykott-Bekundungen sieht er als wichtig an, sagt aber, dass diese Frage "eigentlich auch viel zu spät diskutiert" werde. Einen Boykott der WM schätzt er als nicht zielführend ein, die Zeit zum Handeln hält er dennoch für gekommen. "Ich glaube, dass es wichtig ist, auf die Probleme noch mal extrem aufmerksam zu machen, ja vielleicht auch im Vorfeld oder auch während so einem Turnier, so dass sich vielleicht daraus was verbessern kann."

Die deutsche Nationalmannschaft folgte zuletzt dem Beispiel der Norweger mit Protestaktionen, die die Einhaltung von Menschenrechten einforderten. Auch Dänemark, die Niederländer und am Dienstagabend die Belgier hatten sich diesen Aktionen mittlerweile angeschlossen.

FIFA kommt immer mehr in die Bredouille

Die nicht mehr verstummende Kritik durch die Profis bringt die FIFA immer mehr in die Bredouille. Die nach ihren Regularien verbotenen politischen Äußerungen hat die FIFA bislang ohne Androhung von Sanktionen hingenommen, wohlwissend, dass Strafen das Thema noch weiter anheizen und das WM-Hochglanzprodukt derzeit nur noch mehr beschädigen würden. "Die FIFA glaubt an die Meinungsfreiheit und an die Kraft des Fußballs, den positiven Wandel voranzutreiben", hieß es aus Zürich.

Die Kraft des Fußballs hat auch Kroos im Sinn, um auf Missstände wie in Katar hinzuweisen. "Was man allgemein sagen kann, und das ist auch wichtig, dass der Fußball natürlich auf die Probleme aufmerksam machen muss, auch mit der Reichweite und auch immer wieder."

bst/dpa

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