Bundesliga

Kronenberg-Schüler Atubolu: "Es ist schwieriger als gedacht"

Freiburgs Nummer drei zwischen Profi-Training, Drittligaspielen und U-21-Schnupperkurs

Kronenberg-Schüler Atubolu: "Es ist schwieriger als gedacht"

Pendelt zwischen zwei Welten: SC-Torwarttalent Noah Atubolu.

Pendelt zwischen zwei Welten: SC-Torwarttalent Noah Atubolu. imago imaes

An Selbstvertrauen mangelt es Atubolu schon mal nicht. "In der U 20 war ich die Nummer eins und kam dort auf recht viele Spielminuten und auch durch meine relativ guten Leistungen als 19-jähriger Torhüter in der 3. Liga ist die U 21 zum Glück auf mich aufmerksam geworden", kommentierte er seine erste Berufung für die deutsche U-21-Auswahl im November, nachdem er im September und Oktober jeweils einmal 90 Minuten für die DFB-U-20 zwischen den Pfosten gestanden hatte und ohne Gegentor geblieben war (2:0 in Tschechien, 0:0 in Polen).

Bei der U 21 wurde er als dritter Herausforderer der dreimal in Serie nominierten Luca Philipp und Nico Mantl getestet, verfolgte die unerwartete 0:4-Klatsche gegen Polen von der Tribüne und saß beim 4:0-Abschluss des Länderspieljahres gegen San Marino auf der Bank. Der Lehrgang mit dem renommierten U-21-Torwarttrainer Klaus Thomforde hielt weitere wertvolle Erfahrungen für den Mann bereit, der ein ganz großes Ziel im Hinterkopf hat: "Für jeden Torhüter, der in Deutschland spielt, ist es irgendwann ein Ziel, Nationaltorwart zu werden. Ich will Schritt für Schritt darauf hinarbeiten und besser werden."

Fast täglich unter Kronenberg

Auf diesem Weg hat Atubolu schon einiges mit Manuel Neuer, Marc-André ter Stegen, Bernd Leno und Kevin Trapp gemeinsam: Er trainiert mit Bundestorwarttrainer Andreas Kronenberg. Und zwar nicht nur ein paar Mal im Jahr für einige Tage, sondern fast täglich. Noch bis zum Sommer führt Kronenberg seinen 2011 angetretenen, über die Jahre sehr erfolgreich ausgeübten Job als Torwartcoach beim Sport-Club weiter, ehe er komplett zum DFB wechselt.

"So lange ich noch mit Krone arbeiten darf, werde ich alles aus ihm rausholen, was er mir beibringen kann und ich hoffe, dass er auch alles aus mir rausholt", sagt Atubolu, der sich im März 2020 einen Namen als Kunstschütze machte. Im U-19-Spiel gegen Hoffenheim erzielte der Freiburger Junge, der bis zum Alter von 13 Jahren für den Freiburger FC und zuvor für Eintracht Freiburg gespielt hatte, ein Sensationstor aus rund 60 Metern.

Flekken ein Vorbild in Sachen Passspiel 

Auch wenn es nicht in erster Linie um Torabschlüsse geht - das Spiel mit dem Fuß müssen Keeper beim SC traditionell gut beherrschen, erst recht seit Kronenberg das Kommando führt. Stammkeeper Mark Flekken glänzt in dieser bisher so erfolgreichen Bundesligasaison unter anderem mit seiner starken Ballbehandlung und dem ausgezeichnetem Passspiel. "Nicht nur für mich gehört er da zu den Besten", sagt Atubolu: "Flekki spielt eine super Saison und hat es sich verdient, er hat einen langen harten Weg hinter sich, hatte viel Verletzungspech. Ich als junger Torhüter bin sehr dankbar, dass ich mit ihm und Benjamin Uphoff arbeiten darf, weil sie reif und seit langer Zeit konstant gut sind. Da kann ich mir einiges abschauen."

Atubolu bezeichnet sich selbst auch als guten Fußballer. "Darüber komme ich immer ganz gut ins Spiel und ich denke, dass ich die Mannschaft einerseits mit meiner Ruhe stärke, aber auch eine gute Mentalität und Emotionen auf den Platz bringe." Verbesserungsbedarf sieht der athletische 1,90-Meter-Mann grundsätzlich in vielen Bereichen und nennt beispielhaft den linken Fuß.

"Nicht so einfach für den Kopf"

Neben der umfassenden Arbeit an seinem Torwartspiel muss Atubolu aktuell eine spezielle Herausforderung meistern. In der Regel trainiert er bis einschließlich donnerstags mit dem Profiteam, nimmt dann freitags am Abschlusstraining der U 23 teil, um mit ihr am Wochenende in der 3. Liga aufzulaufen und dann meistens wieder die Regenerationseinheit der Bundesligamannschaft wahrzunehmen. "Es ist etwas schwieriger als vorher gedacht. Es ist gar nicht so einfach für den Kopf, wenn du bei den Profis bist, dort aber nicht im Kader. Dann gehst du runter zur U 23, willst da natürlich performen, wenn das dann mal nicht so klappt, bleibt es ein bisschen im Kopf hängen." Gute Leistungen erleichtern natürlich diesen wöchentlichen Umstellungsprozess, der Atubolu nach inzwischen 14 Drittliga-Einsätzen besser gelingt als zu Saisonbeginn: "Irgendwann ist man voll drin in diesem Rhythmus."

Die 3. Liga soll aber natürlich nicht die Karriere-Endstation sein. Atubolu, der als im Jahr 2002 geborener Spieler sogar noch an der U-21-EM 2025 teilnehmen darf, bringt jedenfalls einiges mit, um eine spannende und erfolgreiche Laufbahn hinzulegen. Dafür wird positionsbedingt jedoch höchstwahrscheinlich auch viel Geduld nötig sein. Die aufzubringen, dürfte nicht ganz so leicht sein für einen, der mit 19 Jahren schon so vielfältige Erfahrungen auf hohem Niveau sammeln darf.

Carsten Schröter-Lorenz

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