Frauen

Kraus will "Fußball kann mehr" institutionalisieren

Diversitätsthemen anschieben und Frauen im Fußball fördern

Kraus will "Fußball kann mehr" institutionalisieren

Setzt sich für Frauen im Fußball ein: Katja Kraus.

Setzt sich für Frauen im Fußball ein: Katja Kraus. imago images/Martin Hoffmann

So richtig zum Zug gekommen ist die Frauen-Initiative "Fußball kann mehr" im Machtkampf im deutschen Fußball nicht. Eher ernüchtert klang zuletzt das Fazit von Nationaltorhüterin Almuth Schult, mit der Festlegung zahlreicher Landes- und Regionalverbände auf Kandidat Bernd Neuendorf als DFB-Präsident sei das Rennen quasi gelaufen.

Katja Kraus, gemeinsam mit Schult und der früheren Spitzenschiedsrichterin Bibiana Steinhaus-Webb Initiatorin der Bewegung, möchte nun eine gemeinnützige GmbH gründen und damit die Bewegung "Fußball kann mehr" quasi institutionalisieren, wie sie im Gespräch mit dem kicker erklärt.

"Wir haben in den letzten Wochen sehr viel Unterstützung bekommen, mit dieser Kraft im Rücken wollen wir Ziele umsetzen, Diversitätsthemen anschieben und Frauen im Fußball in Führungspositionen bringen", sagt die einstige Fußball-Nationaltorhüterin. Noch im Januar steht der Notartermin an, über der Fußball-gGmbH soll "eine gemeinnützige Dach-AG , die Veränderungs-Initiativen (die als Töchter-gGmbH institutionalisiert werden) Beratung anbietet", stehen, schrieb Kraus jüngst im Branchennetzwerk Linked-In.

Man kann das nun als ein Scheitern der Frauen-Initiative im Ringen um mehr Einfluss beim DFB betrachten, schließlich hat es die Interessengruppe trotz namhafter Unterstützer, zu denen auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius zählt, nicht wirklich geschafft, eine ernsthafte Gegenkandidatin zu Neuendorf und dessen Kontrahent Peter Peters zu finden. Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Anträge der Bewegung auf eine Doppelspitze, auf eine Veränderung des Delegiertensystems und eine Quotierung waren nicht zugelassen worden - daher und wegen der formalen Vorfestlegung der Regional- und Landesverbände auf Neuendorf sei kein Personalvorschlag gekommen, heißt es.

Was bleibt als Fazit?

Und: Gerade die Frauen und im Speziellen die Posse um Steinhaus-Webb sorgten für allerhand Betriebsamkeit im ohnehin schon stetig um sich selbst kreisenden Verband. Zur Erinnerung: Interimspräsident Dr. Rainer Koch schaltete die Ex-Schiedsrichterin ohne Vorwarnung in ein Telefonat mit einem Journalisten.

Die - in der Zwischenzeit gesprengte und neu zusammengestellte DFB-Ethikkommission - stellte das Verfahren gegen Koch zwar ein. Dem hatte die Ethikkammer des Sportgerichts, die derartige Verfahren begleitet, jedoch nur unter der Maßgabe zugestimmt, man müsse Koch darauf hinweisen, dass sein Verhalten unethisch gewesen sei. Davon wiederum war in der Pressemitteilung des Verbandes nicht die Rede gewesen.

Was also bleibt als - vorübergehendes - Fazit der Initiative "Fußball kann mehr"? Mindestens haben Kraus und ihre Mitstreiterinnen den Blick für das Thema Parität weiter geschärft. Sowohl bei Neuendorf als auch bei Peters, der mit Silke Sinning eine weibliche Vize-Präsidentin für den Fall seiner Wahl ins Rennen schicken wird. Wenngleich am Ende keine Vertreterin der Initiative eine Rolle im Verband spielen dürfte.

Benni Hofmann

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