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"Krasse Stimmung": Galatasaray erwartet kritisiertes Basaksehir

Punktgleiche Klubs an der Spitze stehen sich gegenüber

"Krasse Stimmung": Galatasaray erwartet kritisiertes Basaksehir

Erfolgstrainer von Galatasaray und der Türkei: Fatih Terim.

Erfolgstrainer von Galatasaray und der Türkei: Fatih Terim. imago images

Im spannenden Titelrennen der Süper Lig, in der noch zwei Spieltage ausstehen, treffen am Sonntagabend (18 Uhr) die beiden größten Meisterschafts-Anwärter in einem brisanten Duell direkt aufeinander. Traditionsverein und Spitzenreiter Galatasaray (67:31 Tore), mit 21 Titeln Rekordmeister der Türkei, empfängt den ebenfalls bei 66 Zählern stehenden Retortenklub Basaksehir (47:19 Tore). Der Tabellenzweite ist anders als das seit dem 1. Oktober 1905 existente Galatasaray noch jung (Gründung 15. August 1990) und wegen seiner Nähe zu Recep Tayyip Erdogan umstritten.

Der Staatspräsident ist der erste Fan des Klubs der Istanbuler Stadtverwaltung. Bei der Eröffnung der neuen Arena im Jahre 2014 drehte das Staatsoberhaupt in einem Promi-Kick ein 0:3 - auch dank der "Ehrfurcht" der Gegner - per Dreierpack in ein 4:3. Seit dem Spiel wird Erdogans Rückennummer 12 bei Basaksehir nicht mehr vergeben. Im Eingangsbereich des Vereinsgeländes hängt sein Porträt.

Türkei - 33. Spieltag
Türkei - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Galatasaray SK Galatasaray SK
69
2
Basaksehir FK Basaksehir FK
66
3
Besiktas JK Besiktas JK
62
Galatasaray SK - Vereinsdaten
Galatasaray SK

Gründungsdatum

01.10.1905

Vereinsfarben

Gelb-Rot

Basaksehir FK - Vereinsdaten
Basaksehir FK

Gründungsdatum

15.08.1990

Die Personalie Fatih Terim

Pikant: Das Stadion des Meisterschaftsanwärters trägt den Namen Basaksehir-Fatih-Terim-Stadion und ist damit nach Fatih Terim, dem sicherlich auch über die Landesgrenzen hinaus bestens bekannten früheren Spieler und heutigen Trainer. Allein zwischen 1993 und 1996, 2005 und 2009 sowie 2013 und 2017 betreute der heute 65-Jährige die türkische A-Nationalmannschaft. Seine größten Erfolge dabei: die erste Endrundenteilnahme der Türkei an einer Europameisterschaft (1996 in England) oder auch der Einzug ins Halbfinale der EM 2008 in der Schweiz und Österreich.

In der Türkei verehren allen voran Galatasaray-Fans den erfahrenen Mann, schließlich führte Terim den traditionsreichen Klub bereits zum UEFA-Cup-Sieg 2000 (4:1 i.E. gegen den FC Arsenal) und darüber hinaus zu sieben Meisterschaften (1997, 1998, 1999, 2000, 2012, 2013, 2018). Doch er hat eben auch den Titel 2019 im Blick, ist nämlich aktueller Coach von Galatasaray - und muss nun ausgerechnet den Klub abhängen, der ihm ein Stadion widmet.

"Die Nähe zur Politik ist nicht von der Hand zu weisen"

"Es gibt durchaus Fans von Besiktas, Fenerbahce oder Trabzon, die jetzt Galatasaray die Daumen drücken", sagt Fatih Demireli, Chefredakteur des Magazins "Socrates" und Experte des türkischen Fußballs, dem SID. Das wäre in jeder anderen Konstellation undenkbar. Doch viele Fans täten sich "schwer, Basaksehir zu unterstützen", so Demireli. Das liegt auch an Erdogan. "Unser Präsident wäre sicher Nationalspieler geworden, wenn er eine Fußballer-Karriere eingeschlagen hätte", sagt Basaksehirs Trainer Abdullah Avci, der wie Erdogan im Arbeiterbezirk Kasimpasa aufwuchs. Vereinsboss Göksel Gümüsdag, Mitglied in der Regierungspartei AKP, ist mit einer Nichte von Erdogans Frau verheiratet. Und auch das Geld für den märchenhaften Aufstieg kommt aus Erdogans Umfeld. Hauptsponsor und Namensgeber "Medipol", eine Krankenhauskette, pflegt beste Beziehungen zum Klub. Andere Geldgeber sind der neue Istanbuler Flughafen, die Istanbuler Brotherstellung, die Wasserwerke. "Die Nähe zur Politik ist nicht von der Hand zu weisen", weiß Demireli.

Etliche bekannte Größen im Kader

Außerdem geht es für Galatasaray auch darum, ein mit etlichen bekannten Spielern ausgestattetes Team außer Gefecht zu setzen. Denn Basaksehir hat seine Beziehungen genutzt, um eine ordentliche Truppe aufzubauen: Kapitän Emre Belözoglu, Arda Turan, Robinho, Emmanuel Adebayor, Demba Ba, Gael Clichy, Gökhan Inler, Eljero Elia, Serdar Tasci, Junior Caicara und Milos Jojic tragen alle das orangefarbene Trikot. Boss Gümüsdag träumt zudem offen von einer Verpflichtung von Mesut Özil.

Zunächst aber steht der Showdown vor über 50.000 im Hexenkessel von Galatasaray, das sich zuletzt schon den türkischen Pokal gesichert hat, an. "Da wird eine sehr, sehr krasse Stimmung sein", prophezeit Demireli. Favorit ist "Cim Bom" um Kult-Trainer Terim, Basaksehir hat schließlich ähnlich zur Konstellation mit Dortmund in der Bundesliga bereits einen Acht-Punkte-Vorsprung verspielt.

sid/dpa/mag

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