Bundesliga

Gladbach | Kramer spricht Klartext und Farkes Erklärung

Friedrich: "Beim letzten Eckball schlafen wir"

Kramers Klartext und Farkes Erklärung

Am Ende gab's lange Gesichter: Julian Weigl und Christoph Kramer (re.).

Am Ende gab's lange Gesichter: Julian Weigl und Christoph Kramer (re.). IMAGO/Matthias Koch

"Das ist hart für die Jungs", sagte Borussen-Trainer Daniel Farke nach der Last-Minute-Niederlage in Berlin bei DAZN und meinte, dass sein Team "wesentlich mehr verdient" gehabt hätte. "Natürlich ist es ein enttäuschendes Ergebnis für uns. Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt und verdient geführt", blickte der 46-Jährige auf den Spielverlauf zurück, gab aber auch zu, dass man es verpasst habe, ein zweites Tor zu machen. "Wir hätten es klarer machen können."

So aber stehen die Fohlen am Geburtstag ihres Trainers mit leeren Händen da - und das trotz "guter 70 oder 80 Minuten", wie Farke selbst sagte. Der Coach weiß aber auch, dass seine Elf "in der zweiten Halbzeit mehr für Entlastung hätte sorgen und stabiler in den offensiven Zweikämpfen hätte sein können".

Kramers Klartext

Deutlicher drückte sich Mittelfeldmann Christoph Kramer aus. "Wir haben in der letzten halben Stunde extrem darum gebettelt", sagte der 31-Jährige und war darauf bedacht, nicht explizit die defensive Spielweise, die die Borussia über weite Teile des Spiels an den Tag gelegt hatte, zu kritisieren. "Es ist kein Problem, wenn man sich gegen Union Berlin tiefer fallen lässt", meinte Kramer, "aber dann muss man in der Flankenverteidigung richtig gut sein."

Genau das waren die Fohlen aber nicht - sowohl das 1:1 durch Kevin Behrens (79.) als auch der späte 2:1-Siegtreffer durch Danilho Doekhi (90.+7) entsprangen aus einer Flanke. "In den zwei Situationen sehen wir nicht gut aus", ergänzte Abwehrmann Marvin Friedrich und kritisierte dann vor allem das Defensivverhalten vor dem 1:2. "Beim letzten Eckball schlafen wir, keiner rückt raus", klagte der Ex-Unioner: "Natürlich ist es bitter, dass es in der 97. Minute passiert ist, aber wir haben um Gegentore gebettelt. Irgendwann haben wir die Bälle nur noch lang geschlagen und das ist das Spiel, was Union am besten kann."

Auch Kramer konnte sich den Leistungseinbruch nach dem Seitenwechsel nicht erklären. "Wir haben es in der ersten Hälfte gut gemacht, hatten Kontrolle. Ich weiß nicht, warum wir nicht mehr gespielt haben." Farke wiederum hatte eine Erklärung - und verwies speziell auf die verletzungsbedingte Auswechslung von Ramy Bensebaini. Der Algerier war in der 89. Minute umgeknickt und musste kurz darauf für Tony Jantschke ausgewechselt werden (90.+1). "Mit Bensebaini hat mein bester Kopfballspieler gefehlt", sagte Farke und erklärte, dass er keinen anderen Spieler im Kader habe, der über eine vergleichbare Statur wie Bensebaini verfügt.

Wenn wir im DFB-Pokal weitergekommen wären und wenn wir gegen Frankfurt gewonnen hätten, dann hätten wir mit Sicherheit dieses Eckentor nicht bekommen.

Christoph Kramer

Dann sei der Ball auch "genau dort" hingekommen, wo Bensebaini normalerweise steht. Das 1:2 allein am Fehlen des algerischen Nationalverteidigers festzumachen, wollte der Trainer dann aber doch nicht. So sei auch das Abwehrverhalten "nicht gut gewesen. Wir haben eine Zuteilung, wie wir die kurze Ecke verteidigen", betonte Farke und verwies darauf, dass man "sich nicht drangehalten" habe. "Und wenn unser bester Kopfballspieler fehlt, dann ist das bitter für uns. Die Jungs müssen manchmal Lehrgeld zahlen."

Was für eine Verletzung Bensebaini erlitten hat, war unmittelbar nach Abpfiff nicht klar, sein Ausfall würde die Sorgenfalten bei Farke aber auf jeden Fall vergrößern. "Wir spielen schon ohne sieben Fast-Stammspieler", klagte der Trainer und stellt dann fast schon schulterzuckend fest: "Im Fußball kommt in so einer Phase alles zusammen."

Für Gladbach war es das vierte sieglose Spiel in Folge und die dritte Niederlage nacheinander. "Wenn wir im DFB-Pokal weitergekommen wären und wenn wir gegen Frankfurt gewonnen hätten, dann hätten wir mit Sicherheit dieses Eckentor nicht bekommen", war sich Kramer sicher, aber er betonte auch: "Es ist keine neue Weisheit, dass man bis zur letzten Sekunde wach sein muss. Und man muss ehrlich sein: Wir waren das nicht bei der Ecke, aber auch nicht in der letzten halben Stunde."

drm

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