Champions League

Kopfsache: Toni Kroos verspürt vor dem Finale keinen Druck

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Kopfsache: Rekordhalter Kroos verspürt keinen Druck

Die letzten Vorbereitungen laufen: Toni Kroos will mit Real Madrid seinen fünften Champions-League-Titel holen.

Die letzten Vorbereitungen laufen: Toni Kroos will mit Real Madrid seinen fünften Champions-League-Titel holen. IMAGO/Sportimage

Aus dem Stade de France berichtet Jörg Wolfrum

Er ist der deutsche Rekordhalter - und er kann seine Bestmarke heute noch ausbauen. Dann, wenn Toni Kroos mit Real Madrid heute ab 21 Uhr im Stade de France das Champions-League-Finale gegen den von Jürgen Klopp trainierten FC Liverpool gewinnt. Es wäre sein fünfter Sieg in der Königsklasse. "Im Finale zu stehen ist schon ein Erfolg, aber jetzt wollen wir es auch gewinnen", hatte er am Open-Media-Day der Königlichen zu Wochenbeginn gesagt.

Es sei eine "spezielle Saison" gewesen, in der man starke Gegner ausgeschaltet habe, sagte er mit Blick auf die Duelle im Achtelfinale gegen PSG, im Viertelfinale gegen Chelsea und im Halbfinale gegen Manchester City. Magische Nächte waren dies jeweils in den Rückspielen mit den drei Aufholjagden im Bernabeu. "So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Er habe jetzt "große Lust dieses Finale zu spielen", so Kroos. "Druck verspüre ich nicht. Ich habe das Glück, dass dies schon mein sechstes Finale ist. Man muss den Moment genießen, wenn man das schafft, spielt man besser."

2016 bis 2018: Hattrick unter Zidane

Schon jetzt sitzt der 32-Jährige, der im Sommer 2014 für vergleichsweise läppische 25 Millionen Euro von Bayern München ins Bernabeu wechselte, aus deutscher Sicht auf dem Thron dank seiner vier Titel: 2013 hatte er mit dem FC Bayern München und Trainer Jupp Heynckes in Wembley über Borussia Dortmund triumphiert, auch wenn er im Finale nicht zum Einsatz gekommen war.

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2016 bis 2018 glückte dem Weltmeister von 2014 dann unter Trainer Zinedine Zidane mit Real der Hattrick, 2018 bekanntlich über Liverpool - in Kiew, der Hauptstadt der heute vom russischen Krieg geplagten Ukraine. "Ich schätze Liverpool nochmal stärker ein als damals", sagte der Regisseur im ZDF-Talk im Gespräch mit seinem ehemaligen Nationalelf- und Weltmeister-Kollegen Per Mertesacker. Ergo: Er werde "alles reinhauen. Ich will das Ding holen".

Mit seinen vier Titeln hat Kroos all die Münchner aus den glorreichen 70ern um Franz Beckenbauer und Gerd Müller bereits hinter sich gelassen. Mit dem FC Bayern hatte der heutige Regisseur von Real 2012 aber auch das "Endspiel dahoam" gegen Chelsea im Elfmeterschießen verloren.

Und dann ist da noch das Publikum. Wahnsinn, wie eine Situation ein Spiel drehen kann.

Toni Kroos

Er weiß also wie es geht. Aber er weiß auch, dass ein Triumph am seidenen Faden hängt. Es sei eine Kopfsache, meint Kroos daher, "mehr noch als eine Frage der Physis. Und dann ist da noch das Publikum. Wahnsinn, wie eine Situation ein Spiel drehen kann." Dennoch: "Wir gehen mit viel Selbstbewusstsein ins Finale." Schmunzelnd fügte er an: "Wir kennen die Situation, standen in den vergangenen Jahren ja ein paarmal im Endspiel."

Im Gespräch mit seinem Ex-Kollegen Mertesacker unterstrich Kroos im ZDF jedoch: "Ancelotti wird oft auf Gefühl reduziert, vor allem mit Spielern umgehen zu können. Es heißt, Henyckes und Ancelotti gingen tendenziell den weniger komplizierteren Weg im Vergleich zu etwa Thomas Tuchel oder Pep Guardiola. Dennoch haben sie ganz klare Vorstellungen, wie sie angreifen und verteidigen lassen und das auch abgestimmt auf den Gegner".

4-2-2-2 - auch eine Option gegen Liverpool?

Im Halbfinal-Rückspiel gegen Manchester City war Ancelotti zuletzt vom üblichen 4-3-3 abgerückt und hatte ein 4-2-2-2 präsentiert mit Casemiro und Kroos als Doppelsechs. Die Folge: mehr defensive Stabilität. Dies könnte auch eine Option gegen Liverpool sein. Gegenüber DAZN hatte Kroos schon nach dem Rückspiel den Einsatz dieser Variante erklärt: "Um die Räume mehr zuzustellen. Das hat geholfen, City hatte nicht so viele Chancen. Wir haben es defensiv deutlich besser gemacht, weil wir es mit Ball besser gemacht haben. Das hängt zusammen. Wenn man sich mit Ball besser fühlt, öfter den Ball hat, dann ist oft die Konsequenz, dass man auch defensiv mehr Kraft hat, die Räume zuzulaufen."

Viel gelaufen wird auch am Abend im Stade de France. Wenn nötig über 120 Minuten, in den Verlängerungen gegen Chelsea und City haben sich die selbstbewussten Madrilenen zuletzt dank Psyche und Physis durchgesetzt. Das Wissen darum könnte ein Vorteil sein.

Er zieht den Karren und guckt und auch noch nach links und rechts zu den Kollegen.

Toni Kroos über Karim Benzema

Und dann ist da ja noch Karim Benzema. Mit 15 Treffern ist der Franzose schon jetzt Torschützenkönig dieser Königsklassen-Saison. In seinem Nationalstadion könnte er der große Titel-Held werden.

Nach dem Abgang von Cristiano Ronaldo 2018 habe der mittlerweile 34-Jährige die Aufgabe "angenommen, dass er absoluter Toptorschütze sein muss, wenn wir erfolgreich sein wollen. Er zieht den Karren und guckt und auch noch nach links und rechts zu den Kollegen". Zieht er sie in einer erneut magischen Nacht mit auf den Thron Europas? Nochmal: Es wäre der fünfte Titel für Kroos. Anpfiff ist um 21 Uhr.

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