Bundesliga

Werder-Coach Kohfeldt: "Laufe nicht weg" - Manager Baumann stellt Team an den Pranger

Baumann stellt die Mannschaft an den Pranger

Kohfeldt: "Ich laufe nicht weg"

Für Florian Kohfeldt wird es als Coach von Werder Bremen weitergehen - in Köln und darüber hinaus.

Für Florian Kohfeldt wird es als Coach von Werder Bremen weitergehen - in Köln und darüber hinaus. picture alliance

"Einfach so weitermachen", sagte Florian Kohfeldt am späten Dienstagabend, "werden wir ganz sicher nicht. Das ist nicht möglich." Welche Maßnahmen der Werder-Coach nach dem Offenbarungseid seiner Mannschaft gegen Mainz im Hinblick aufs nächste Kellerduell am Samstag in Köln ergreifen wird, blieb zunächst noch offen. Als sicher darf dagegen gelten: Es geht in Bremen mit Kohfeldt weiter, am Wochenende und auch darüber hinaus. Sein Vertrauen in den Fußballlehrer sei weiterhin grenzenlos, betont Geschäftsführer Frank Baumann. Zugleich wies Kohfeldt etwaige Rücktrittsgedanken energisch von sich: "Ich laufe nicht weg."

Nach so einer Leistung können wir uns definitiv nicht vor die Mannschaft stellen.

Werder-Manager Frank Baumann

Sondern, so der 37-Jährige, der erst im vergangenen Sommer seinen Vertrag vorzeitig bis 2023 verlängert hat: "Ich werde mit allem, was ich habe, kämpfen, um das hier wieder in die richtige Richtung zu bringen." Auf die Frage, ob man ihn das auch machen lasse, antwortete Kohfeldt wie aus der Pistole geschossen: "Ja." Dies wurde ihm intern vermittelt, und auch die öffentlichen Aussagen von Baumann und Aufsichtsratschef Marco Bode lassen keinerlei Interpretationsspielraum. In der Pflicht, das machte Baumann klar, stehen nun die Spieler: "Auch wenn es pathetisch klingt - die Mannschaft ist gefordert, auch etwas an den Trainer zurückzugeben, der extremst viel investiert. Nach so einer Leistung können wir uns definitiv nicht vor die Mannschaft stellen."

Baumann kritisiert "Alibi-Gekicke"

Auch Kohfeldt selbst ging erstmals auf Distanz zu seinen Schützlingen: "Natürlich denke ich auch über mich nach. Aber ganz ehrlich: Diesmal sollten wir über die reden, die auf dem Platz gestanden haben. Für so ein Spiel brauchst du eigentlich auch gar keinen Trainer." Deutlich wie nie zuvor machte derweil Baumann, wie sehr es teamintern aktuell an der nötigen Mentalität fehlt: "Vor dem Spiel, in der Halbzeit, schreien sich die Jungs gegenseitig an und pushen sich, dass die Wände wackeln. Aber draußen ist es dann ein Alibi-Gekicke und man lässt alles über sich ergehen. Alle Gegentore sind ohne Gegenwehr gefallen. Dann hat jeder den Kopf runtergenommen und ist vor sich hingetrabt." Dass Werder auf den Abstiegskampf schlecht vorbereitet ist, liegt objektiv auf der Hand. Zum einen, weil die Köpfe ursprünglich auf das Rennen um Europa gepolt waren. Zum anderen, weil ausgerechnet genau die Profis des Kaders ausfallen, die explizit für die nun besonders gefragten Tugenden wie Wucht, Aggressivität und Zweikampfstärke stehen: Ömer Toprak, Niklas Füllkrug, Philipp Bargfrede und Kevin Möhwald.

Kohfeldt: "Darf uns so nicht noch einmal passieren"

Dennoch hält Baumann fest: "Ich kann es nicht mehr hören, dass wir eine Mannschaft haben, die nicht kämpfen oder keinen Abstiegskampf kann. Wir haben es gezeigt bei Union Berlin, in Wolfsburg und in etlichen anderen Spielen. Aber wir müssen das konstant auf den Platz bringen." Oder am Samstag in Köln zumindest mal wieder punktuell. Eine Leistungsverweigerung wie gegen Mainz "darf uns so nicht noch einmal passieren, auf gar keinen Fall", weiß Kohfeldt. Auf Dauer nämlich lässt sich die Beurteilung eines Trainers von den Auftritten seiner Mannschaft nun mal nicht trennen.

Thiemo Müller

Bilder zur Partie Werder Bremen - 1. FSV Mainz 05