Bundesliga

Königsblau in der Kapitäns-Krise

Schalke: 16 Spielführer seit der Höwedes-Absetzung

Königsblau in der Kapitäns-Krise

Ist in den vergangenen Jahren oft an unterschiedlichste Arme gewandert: Die Schalker Kapitänsbinde.

Ist in den vergangenen Jahren oft an unterschiedlichste Arme gewandert: Die Schalker Kapitänsbinde. Sven Simon

Als der FC Schalke 04 Benedikt Höwedes am 10. August 2017 mitteilte, dass dieser nach sechs Jahren als Kapitän nicht länger die Binde am Arm tragen würde, traf den Weltmeister die Botschaft von Domenico Tedesco hart. Der damals neue S04-Trainer schreckte nicht zurück vor dieser umstrittenen Entscheidung - rückblickend lässt sich sagen: Mit der Absetzung des Eigengewächses als Mannschaftsführer begann eine königsblaue Kapitäns-Krise, die bis heute andauert. Allein der Blick auf die jüngere Vergangenheit sowie die aktuelle Situation macht die mangelnde Kapitäns-Konstanz deutlich.

Die Kapitänsbinde als Wanderstück

Seit seiner Ernennung zum Kapitän im Sommer 2021 führte Danny Latza die Elf in lediglich zehn Ligaspielen aufs Feld. Er war oft verletzt, und wenn er fit war, saß er oft nur auf der Bank. So kommt es, dass in all der Zeit sogar zwei Spieler häufiger die Binde trugen als der Chef-Kapitän. Vize Simon Terodde kommt auf 18 Einsätze mit der Binde am Arm, der mittlerweile in die USA abgewanderte Victor Palsson auf 16. Zudem wurde seit Sommer 2021 vier weiteren Schalkern die Ehre zuteil: Maya Yoshida zweimal, Ralf Fährmann, Dominick Drexler und Thomas Ouwejan je einmal.

Seit 2017 führten 16 (!) verschiedene Profis die Mannschaft zu Beginn einer Erst- oder Zweitligapartie aufs Feld. 2017/18 Fährmann, 2018/19 erst Fährmann in der Hinrunde, in der Rückserie dann Benjamin Stambouli und vereinzelt Naldo und Daniel Caligiuri. 2019/20 war bis zum 15. Spieltag Alexander Nübel der Kapitän, gefolgt von Omar Mascarell (bis 23. Spieltag), dann je einmal Bastian Oczipka und Guido Burgstaller, ehe Caligiuri bis zum Ende der Saison übernahm. 2020/21 begann mit Mascarell als Captain, ab dem 15. Spieltag war Sead Kolasinac in Amt und Würden, vereinzelt vertreten von Stambouli, Fährmann und Klaas-Jan Huntelaar.

S04 muss im Sommer einen neuen Mannschaftsführer finden

Die Kapitäns-Konstanz fehlt, ein Ende ist nicht in Sicht. Nach Lage der Dinge wird sich Schalke im Sommer einen neuen Mannschaftsführer suchen müssen. Sowohl bei Latza, der an diesem Mittwoch seinen 33. Geburtstag feiert, als auch bei seinen beiden 34 Jahre alten Stellvertretern Terodde und Yoshida laufen die Verträge nach der Saison aus.

Von allen Spielern im aktuellen Kader hat Fährmann die größte Erfahrung als S04-Kapitän - mit Abstand. Der 34-jährige Ersatztorhüter, der noch einen bis 2025 gültigen Vertrag besitzt, führte die Mannschaft einst 58-mal aufs Feld. Er ist derjenige, der im Sommer 2017 Höwedes beerbt hatte.

Wie der neue Trainer Thomas Reis die Kapitäns-Krise betrachtet und ob er gedenkt, an der Konstellation etwas zu verändern, lesen Sie in der Donnerstagsausgabe des kicker (ab Mittwochabend als eMagazine).

Toni Lieto

Wer wie oft Bundesliga-Tabellenführer war