Eishockey

Kölner Haie: "Die weiße Flagge zu hissen, ist keine Option"

Acht von 14 DEL-Klubs starten bei einem Freundschaftsturnier

Kölner Haie: "Die weiße Flagge zu hissen, ist keine Option"

Blickt mit den Kölner Haien in eine ungewisse Zukunft: Trainer Uwe Krupp.

Blickt mit den Kölner Haien in eine ungewisse Zukunft: Trainer Uwe Krupp. imago images

Durch den bereits zweimal verschobenen Saisonstart in der DEL klafft beim achtmaligen Meister eine finanzielle Lücke im siebenstelligen Bereich. Für den Fall eines Saisonbeginns herrscht große Ungewissheit in der Domstadt, die Krupp "sehr nahe geht", wie er dem Kölner Stadt-Anzeiger sagte.

Die Probleme der Haie stehen sinnbildlich für die finanziell prekäre Situation der Klubs, die anders als der Fußball viel geringere TV-Gelder erhalten. Ohne Fans aber fehlen 80 Prozent der Einnahmen. "Der bedeutendste Teil unserer wirtschaftlichen Grundlage wird entzogen", schrieben die Kölner. KEC-Geschäftsführer Philipp Walter sagte der Rundschau daher, dass "unser Geschäftsmodell im Grunde verboten ist".

Unser Geschäftsmodell ist im Grunde verboten.

KEC-Geschäftsführer Philipp Walter

So bleibt den Haien zunächst nichts anderes übrig, als bei seinen treuesten Anhängern "betteln" zu gehen. Sie hoffen inständig auf die Unterstützung ihrer Dauerkarteninhaber und der Kölner Bevölkerung und wollen 100.000 virtuelle Tickets verkaufen, um den "Fortbestand des Eishockeystandorts Köln" zu sichern.

Gehaltsverzicht von bis zu 60 Prozent

Laut Vereinsmitteilung vom Donnerstag tragen Spieler, Trainer und Mitarbeiter zudem mit einem Gehaltsverzicht von bis zu 60 Prozent in der Coronakrise zum Ausgleich der finanziellen Schieflage bei. Trotz der fatalen finanziellen Situation präsentieren sich die Haie "kämpferisch". Dies sei "Teil unserer DNA", sagte Walter und betonte: "Die weiße Flagge zu hissen, ist für uns keine Option. Das ist ein klares Bekenntnis, um den Eishockey-Standort Köln zu erhalten."

Nicht nur aufgrund der Notlage in der Domstadt scheint die Liga zerrissener denn je: Während acht der 14 Klubs ab dem 11. November beim von der Telekom initiierten MagentaSport Cup zumindest ansatzweise wieder im Wettkampfmodus gegeneinander antreten, kämpfen die anderen Teams ums blanke Überleben.

Die Haie sind dabei lediglich das prominenteste Beispiel. Auch die anderen fünf abwesenden Klubs aus Augsburg, Ingolstadt, Iserlohn, Nürnberg und Straubing geben die herrschende Ungewissheit als Hauptgrund für den Verzicht am Vorbereitungsturnier an. "Die Telekom unterstützt die Teilnehmer zwar finanziell, doch reicht das für uns leider bei Weitem nicht aus, die entstehenden Kosten zu decken", teilten beispielsweise die Augsburger Panther mit.

Die Telekom unterstützt die Teilnehmer zwar finanziell, doch reicht das für uns leider bei Weitem nicht aus, die entstehenden Kosten zu decken.

Mitteilung der Augsburger

"Für manchen Verein ist es eventuell schon nach 12, aber die Einschläge kommen näher", sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann am Freitag bei Sky Sport News: "Und wenn im Lauf der nächsten Wochen und Monate weiterhin mit deutlich eingeschränktem Plan umzusetzen ist und wenn es keine entsprechenden Hilfen von der staatlichen Seite gibt, dann werden die entsprechenden Insolvenzfälle zeitnah auf uns zukommen."

Zu allem Übel kommt das vom Bund zur Verfügung gestellte Hilfspaket über 200 Millionen Euro nicht richtig bei den Klubs der großen Profiligen sowie den Verbänden an. Bis zum 19. Oktober waren gerade erst gut ein Achtel beantragt worden.

Auf das Problem wies Andreas Michelmann als Sprecher der Interessensbündnisses "Teamsport Deutschland" hin.

sid