Bundesliga

Koch und Lienhart: Bald getrennte Nationalspieler

Freiburgs Innenverteidiger mit unterschiedlichen Perspektiven

Koch und Lienhart: Bald getrennte Nationalspieler

Steht vor seinem dritten Einsatz in der Nationalelf: Robin Koch.

Steht vor seinem dritten Einsatz in der Nationalelf: Robin Koch. imago images

Aus dem Freiburger Trainingslager in Schruns berichtet Carsten Schröter-Lorenz

Wie schon am Dienstagnachmittag nahmen Keven Schlotterbeck (muskuläre Probleme) und Mohamed Dräger (Belastungssteuerung) auch am Mittwochvormittag nicht am Mannschaftstraining teil. Um eine Überbelastung zu vermeiden, absolvierten die vier mitgereisten Kräfte aus dem eigenen Nachwuchs, Boukhalfa, Weißhaupt, Schade und Sildillia, abseits der großen Gruppe ein leichtes Lauf- und Mobilitätsprogramm.

Lukas Kübler, der auch am Dienstagnachmittag mal pausiert hatte, glänzte hingegen als Schütze des goldenen Tores im intensiven Elf-gegen-Elf. Der Rechtsverteidiger hämmerte, von der gegnerischen Abwehr völlig unbehelligt, eine Flanke von Sommerzugang Ermedin Demirovic per Dropkick kompromisslos unter die Latte. Vor diesem entscheidenden 1:0 hatte das in Rot gekleidete Team von Kübler und Demirovic schon die klareren Chancen, die Flügelspieler Brandon Borrello und Roland Sallai trafen jeweils die Latte.

Zäher Transferprozess bei Koch

Die Innenverteidigung der roten Auswahl bildeten Lienhart und Koch. Ein Duo, das sich gut als Stammformation machen würde, schließlich bekamen beide dieser Tage ihren Status als A-Nationalspieler bestätigt. Koch erfuhr die freudige Nachricht erst nach der Einheit am Dienstagnachmittag per Glückwunsch-Klapps von SC-Sportdirektor Klemens Hartenbach. Nur vor seiner überraschenden Nominierungspremiere im Herbst 2019 gab es ein Telefonat mit Bundestrainer Joachim Löw. "Es ist eine ungewohnte Situation, mitten in der Vorbereitung zur Nationalmannschaft zu reisen, aber ich freue mich sehr über die Nominierung und die Jungs im Nationalteam seit Langem wieder zu sehen, auch wenn wir zwischendurch mal in der Gruppe im Kontakt waren", sagte Koch, der vor seinem dritten Einsatz steht und für den es zum zeitigen Wiedersehen mit dem ehemaligen Freiburger Kollegen Luca Waldschmidt kommt, der erst vor eineinhalb Wochen zu Benfica Lissabon gewechselt ist.

Und wann und wohin wechselt Koch? Das ist die große Frage, die über dem Freiburger Trainingslager schwebt. "Ich bin noch hier und bin auch so der Typ, dass ich das alles auf mich zukommen lasse und mir nicht so viele Gedanken darüber mache. Von daher passt das alles", so Kochs nüchterner Kommentar zum Thema. Im Hintergrund wird aber weiter am inzwischen etwas zähen Transferprozess gearbeitet. Der SC plant angesichts des 2021 auslaufenden Vertrags längst ohne Koch, würde aber gerne bald eine Millionen-Ablöse für den seit 2017 exzellent weitergebildeten Defensivmann verbuchen und das Thema mit einem Haken versehen. Ob das Geld aus England (Newcastle, Leeds oder Verein x) oder Italien (Lazio Rom, Milan oder Klub y) kommt, muss sich noch zeigen.

Lienhart: Vorsichtig selbstbewusst

Philipp Lienhart

Will sich in Freiburg für weitere Nationalmannschaftseinsätze empfehlen: Philipp Lienhart. imago images

Lienhart würde wohl auch einige Millionen einbringen, die will der SC aber gar nicht haben. Stattdessen soll der Österreicher, der seinen Vertrag zuletzt im Juli 2019 verlängert hat, eine konstante Größe im Streich-Team sein. Besonders ab Ende Februar und auch nach dem Re-Start machte der 24-Jährige mit guten Leistungen auf sich aufmerksam und verdiente sich unter anderem die erneute Nominierung des deutschen ÖFB-Coaches Franco Foda. "Schöne Sache, da freut man sich immer drauf", sagt Lienhart, der anders als Koch zuvor schriftlich informiert worden war.

Sein bisher einziger A-Einsatz, damals noch unter Trainer Marcel Koller, datiert allerdings bereits vom 9. Oktober 2017. Seitdem war er entweder bei der U 21, verletzt, nicht nominiert oder blieb wie bei den letzten drei Berufungen ohne Einsatz. Lienhart erklärt: "Natürlich hofft man immer, dass man spielt, aber ich weiß auch, dass es starke Konkurrenz gibt." Die spielt in Person von Martin Hinteregger (Frankfurt), Alexsandar Dragovic (Leverkusen) und Stefan Posch (Hoffenheim) auch in der Bundesliga. Diese sieht Lienhart als wichtigste Bühne: "Ich will in Freiburg gute Leistungen bringen, um mich so fürs Nationalteam zu empfehlen."

2019/20 kam Lienhart, auch wegen einer zwischenzeitlichen Verletzungspause im Dezember (Muskelblessur am Hüftbeuger) nur auf 22 Einsätze. Kommende Saison dürfen es ruhig ein bisschen mehr sein, "im Idealfall um die 30", sagt Lienhart, dem es egal ist, ob er in der Dreier- oder Viererkette aufgestellt wird. Vorsichtig selbstbewusst formuliert der zurückhaltende 1,89-Meter-Mann dann noch diesen Satz: "Ich glaube schon, dass ich wichtig sein kann für die Mannschaft." Das glauben die Verantwortlichen auch. Nach dem Testspiel am Samstag in St. Gallen wird Lienhart aber erst einmal zu seiner Landesauswahl reisen, die in der Nations League in Norwegen und gegen Rumänien antreten wird. Auch da hat die Nummer 3 des SC einen bescheidenen Wunsch: "Es wäre schön, wenn ich nach langer Zeit vielleicht wieder mal einen Einsatz bekomme."

Die Bundesliga-Trikots für die Saison 2020/21