Bundesliga

Klopp über Wolfgang Frank: "Ein Visionär, der uns allen die Augen öffnete"

Liverpools Trainer spricht über seine Zeit als Spieler in Mainz

Klopp über Wolfgang Frank: "Ein Visionär, der uns allen die Augen öffnete"

Inspirierender Trainer: Wolfgang Frank (li.) und Jürgen Klopp.

Inspirierender Trainer: Wolfgang Frank (li.) und Jürgen Klopp. imago images

Frank kam im September 1995 zum Zweitligisten Mainz und fand eine Mannschaft vor, die scheinbar unverrückbar am Tabellenende festgenagelt war. Das konnte auch Frank zunächst nicht ändern, doch in der langen Winterpause krempelte er vor allem die taktische Formation um. Der Libero wurde entrümpelt, stattdessen setzte er auf Viererkette und Raumdeckung. Im deutschen Fußball Mitte der 1990er Jahre eine Revolution, die Jürgen Klopp als Spieler hautnah miterlebte. Und die seine Entwicklung als Trainer maßgeblich beeinflusste.

Frank, der am 7. September 2013 wegen eines Hirntumors verstarb, wäre an diesem Sonntag 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass bat der kicker Jürgen Klopp, seine Erlebnisse und Erfahrungen mit Frank Revue passieren zu lassen.

Jürgen Klopp über die Person Wolfgang Frank:

"Wolfgang Frank hat mich persönlich und fußballerisch geprägt. Persönlich, weil er einfach ein netter Mensch war. Es war der einzige Trainer, mit dem ich mich gestritten habe. Vielleicht kann man aber auch sagen: Ich habe mit ihm laut diskutiert, um dann nicht sicher zu sein, ob ich am nächsten Tag überhaupt noch angestellt bin. Aber er hat mich weiter ganz normal einbezogen, mir gezeigt, dass man unterschiedlicher Meinung und sich trotzdem einig sein kann. Ein großartiger Trainer, ein großartiger Mensch und ein ganz, ganz großer Verlust für die Fußballwelt. Er hätte noch viel zu sagen gehabt."

... über die tägliche Arbeit mit Frank:

"Was seine Arbeitseinstellung anging, hat er mich mit Sicherheit geprägt. Er war der erste, der morgens um neun aufs Trainingsgelände kam, und er ging abends um 22 Uhr. Ich habe zunächst gar nicht verstanden, was er alles gemacht hat, außer, dass er sich viele, viele Videos angeschaut hat. Er hat mir einfach gezeigt, wie man mit einer Mannschaft umgehen kann, wie man der Mannschaft eine klare Linie vorgeben und eben trotzdem ein familiäres Gefühl vermitteln kann."

... über Franks Wirken in Mainz:

"Er hat uns Selbstvertrauen gegeben. Mainz 05 war ein Verein, der wusste, dass es in der 2. Liga vom Geld und der Infrastruktur her sehr schwer werden würde. Aber Wolfgang Frank hatte früh die Idee, vor allem diese zu ändern: Man muss ins Stadion investieren, man muss ins Trainingsgelände investieren. Er hat dazu verholfen, den Verein auch in der Zukunft zu sehen und nicht nur im Jetzt. Er hatte Ideen - und schenkte uns das Gefühl, gemeinsam diese Zukunft positiver gestalten zu können. Man kann es wohl nicht anders sagen: Er war ein Visionär."

... über das, was Frank taktisch verändert hat:

"In einer kurzen Antwort: alles. Die längere Antwort: den Zugang für uns als Spieler zum Spiel. Wolfgang ist mit der klaren Idee nach Mainz gekommen, eigentlich alles zu verändern. Zu dem damaligen Zeitpunkt bedeutete das: weg von der Manndeckung hin zur ballorientierten Raumdeckung. Das klingt heute so normal und war damals ein riesiger Schritt. Im Normalfall hätte er eine große Überzeugungsarbeit leisten müssen bei einer Fußballmannschaft. Da wir aber keine Punkte hatten, waren wir relativ froh, dass es offensichtlich einen Ansatz gab, der die Sache etwas weniger abhängig machte von unserer jeweiligen individuellen Qualität. Also haben wir auf 4-4-2 umgestellt und eine Position neu besetzt. Er hat mich zum Außenverteidiger in diesem 4-4-2 umfunktioniert und hat das komplette Training damit auch verändert."

... über das Training von Frank:

"Wir sind komplett weggegangen von irgendwelchen Spielsituationen, also davon, mit Ball zu trainieren. In der Anfangszeit sind wir ausschließlich taktisch gelaufen. Wir haben ausschließlich verschiedene Situationen gegen den Ball durchgespielt, haben ausschließlich Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen überprüft. Und trainiert, dass die richtige Distanz da war zwischen den einzelnen Gruppen. Was uns allen die Augen dafür geöffnet hat, wie sehr wir mit einer Formation die Größe des Spielfelds beeinflussen können. Bei allem, was wir gemacht haben, ging es darum, dem Gegner einen Raum anzubieten, in den er spielen sollte, um uns dadurch die Möglichkeit zu geben, den Ball dort zu erobern. Es war eine unglaublich spannende Zeit, die uns allen die Augen geöffnet hat."

Zusammengefasst von Jörg Jakob

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