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Jürgen Klopp genervt: "Sie wollen meine Botschaft nicht hören"

Liverpool-Trainer kritisiert Medien

Klopp genervt: "Sie wollen meine Botschaft nicht hören"

Will das Tief überwinden - "durchs Spielen, nicht durchs Reden": Jürgen Klopp.

Will das Tief überwinden - "durchs Spielen, nicht durchs Reden": Jürgen Klopp. picture alliance

Jürgen Klopp weiß schon, wie es läuft im Fußball, es gefällt ihm trotzdem nicht. Dass er und der FC Liverpool schon nach vier sieg- und drei torlosen Premier-League-Spielen am Stück in der medialen Kritik stehen, lässt er sich jedenfalls nicht gefallen.

"Ich weiß, dass in diesem Geschäft nur Ergebnisse zählen, dafür bin ich lange genug dabei", sagte er am Mittwoch. "Aber für Ergebnisse braucht man Leistungen, und die letzte war wirklich gut."

Klopp: "Weil wir nicht gewonnen haben, war keiner daran interessiert"

Beim 0:0 gegen den (am Dienstag vorerst abgelösten) Tabellenführer Manchester United habe er "viele gute Signale gesehen, die auch alle anderen gesehen hätten, wenn wir gewonnen hätten. Aber weil wir nicht gewonnen haben, war keiner daran interessiert. Meine Sicht wird das aber nicht ändern."

Umgekehrt "kannst du ein Spiel mit einem Glücksschuss gewinnen und die Leute, auch Journalisten, sind richtig glücklich und sagen: Unglaubliche Abwehrleistung!" Klopp stört dieser "sehr schnelle" Wahrnehmungswechsel. "Die Dinge ändern sich über Nacht."

Er soll die Mannschaft erneuern? Klopp: "Die Welt ist ein verrückter Ort"

Er habe sogar irgendwo gehört, "dass ich diese Mannschaft erneuern muss", sagte der FIFA-Welttrainer mit einem Kopfschütteln. "Die Welt ist ein verrückter Ort, nicht nur wegen der Pandemie, sondern weil niemand mehr Zeit hat. Im Fußball bekommt man nur Zeit, wenn man Schritte nach vorne macht. Gerade machen wir das nicht, das wissen wir, wirklich. Das wollen wir ändern - durchs Spielen, nicht durchs Reden."

In der lange nahezu perfekten Meistersaison hatte Liverpool nach 18 Spielen schon 52 Punkte, jetzt sind es 34. "Wir wissen schon, dass wir nicht genau da sind, wo wir sein wollen", sagt Klopp. Gerade im letzten Drittel gebe es "Situationen, in denen wir in der letzten Saison eine andere Entscheidung getroffen hätten".

Diogo Jota fehlt noch "einige Wochen" - aber Klopp vermisst ihn nicht

Aber die momentane Offensivschwäche liege weder allein an der Dreierreihe Salah/Firmino/Mané noch an mangelnder Physis. "Keiner ist müde, wir sind so frisch wie möglich." Gegen Burnley am Donnerstag (21 Uhr, LIVE! bei kicker) könnte Innenverteidiger Joel Matip sein Comeback feiern und Jordan Henderson oder Fabinho wieder fürs Mittelfeld "freigeben".

Diogo Jota dagegen, der in Liverpool so stark losgelegt hatte, wird mit seiner Knieverletzung noch "einige Wochen" fehlen. "Die Verletzung braucht Zeit", so Klopp. Aber "wie sehr ich einen Spieler vermisse, ist nicht wichtig. Wenn einer nicht da ist, ist es nicht erlaubt, ihn zu vermissen."

Klopp: "Unsere Situation ist keine Katastrophe, sie ist nicht perfekt"

Klopp ist sich sicher, dass das Glück bald nach Liverpool heimkehrt. "Unsere Situation ist keine Katastrophe, sie ist nicht perfekt", betont er. Und was ist seine Botschaft an die Spieler vor dem Burnley-Spiel, nachdem er vor der Saison ja noch angekündigt hatte, den Titel nicht verteidigen, sondern "attackieren" zu wollen? "Sie wollen meine Botschaft an die Mannschaft nicht hören, denn das wird Sie in keinem guten Licht erscheinen lassen", antwortete Klopp genervt. "Aber glauben Sie es oder nicht: Wir jagen (den Titel, d.Red.) immer noch."

jpe