Tennis

"Kleine innere Party": Julia Görges mit sich voll im Reinen

Einen Schnaps mit den Eltern zum Abschied

"Kleine innere Party": Görges mit sich voll im Reinen

Mit 31 Jahren ist Schluss: Julia Görges.

Mit 31 Jahren ist Schluss: Julia Görges. imago images

Görges kam in ihrer Karriere immer sympathisch daher, hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Ausraster oder Wutausbrüche waren von der 31-Jährigen nicht zu sehen. Die ehemalige Nummer neun der Welt brauchte nicht die große Show. Diese gab es nun zum Abschied aufgrund der Corona-Pandemie auch nicht.

Quasi heimlich, still und leise hat sich Görges von der großen Tennisbühne verabschiedet. Teilte auf ihren sozialen Kanälen mit, dass sie sich im Alter von 31 Jahren dazu entschieden hat, mit dem Leistungssport aufzuhören. Statt großem Applaus in irgendeiner Arena dieser Tenniswelt gab es mit den Eltern "einen Haselnuss-Schnaps", wie Görges in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung verriet. "Den hatte ich noch zufällig zu Hause. In mir lief eine kleine innere Party ab. Ich habe absolut den Abschied gekriegt, den ich mir vorgestellt habe."

Ein Abschied, der eben zu Görges passt, ruhig, im kleinen Kreis, ohne die große Show. Die Entscheidung, ihre Karriere zu beenden, war indes nicht von langer Hand geplant, sondern fiel erst vor Kurzem. "Ich habe trainiert, und ich spürte einfach: Das ist nicht mehr das, was ich mir für mich vorstelle und was ich möchte", sagt Görges offen und ehrlich.

Auch unangenehme Dinge gehören zum Profidasein

Dabei führte die Tennisspielerin, die seit 2005 bei der WTA dabei ist und seitdem sieben Titel holte, weiter aus: "Die Umstände dieses Jahres haben sicher dieses Gefühl verstärkt. Aber nach 15 Jahren denkt man wohl auch etwas anders über seinen Beruf. Zum Profidasein gehören auch Dinge, die weniger angenehm sind und an einem zehren. Als ich nach der Corona-Pause das erste Mal im Hotel war, habe ich mich richtig unwohl gefühlt."

Wie geht es nun weiter?

Die große Frage ist immer, wenn eine langjährige Karriere im Leistungssport endet: Wie geht es nun weiter? Vor der Zukunft hat "Jule" Görges derweil keine Angst. "Mal gucken, was sich eröffnet. Es gibt immer Türen, die sich schließen, und Türen, die sich öffnen", sagt die sympathische Bad Oldesloerin. "Ich hab Spaß an Fitnesstraining entwickelt, an Yoga, diese Dinge möchte ich intensivieren und in diese Richtung gehen."

Viele nette Nachrichten

Nach ihrer Mitteilung, dass sie ihre Karriere beenden wird, bekam die 31-Jährige im Übrigen viele nette Nachrichten von Spielerinnen auf der Tour. "Es ist schön zu sehen, wie die Leute über mich denken. Respekt zu zeigen, war mir stets wichtig, und dass dieser Wert so anerkannt wird von so vielen, bedeutet mir viel", sagte Görges: "Ich denke jetzt auch, dass ich etwas Positives hinterlassen habe."

mst/sid