2. Bundesliga

Klauß: "Wir wollen gewinnen, müssen es aber nicht"

FCN-Trainer setzt beim HSV auf die eigene Stärke im Umschaltspiel - Schleimer erneut im Kader

Klauß: "Wir wollen gewinnen, müssen es aber nicht"

Blickt dem HSV-Spiel gelassen entgegen: FCN-Trainer Robert Klauß.

Blickt dem HSV-Spiel gelassen entgegen: FCN-Trainer Robert Klauß. imago images/Bernd Müller

Wer wann wie oft in der Vergangenheit gegen einen Gegner verloren oder gewonnen hat, sind beliebte Statistiken. Vor allem, wenn sie einen klaren "Befund" aufweisen, wie beim Duell FCN mit dem HSV: Letzterer hat deutlich öfter gewonnen und folglich ist er den Franken ein Angstgegner. Nur, was sagen solchen Zahlen aus der Vergangenheit für den Sonntag aus, wenn der ungeschlagene Club beim Klub an der Alster antritt, der einen Punkt weniger auf dem Konto hat als der Gast? Richtig, gar nichts. Club-Trainer sieht es ebenso und blickt deswegen nur nach vorne auf den Sonntag - und macht für diesen eine gute Konstellation aus: "Wir wollen gewinnen, müssen es aber nicht." Anders ausgedrückt: Die Favoritenrolle sieht er beim HSV, was wiederum eine Ausgangslage ist, die seiner Mannschaft bestens liegt.

Dass im Mai der HSV in den vergangenen 17 Ligaspielen, saisonübergreifend gesehen, der Einzige war, der seiner Mannschaft eine Niederlage beifügen konnte, eine mit 2:5 happige noch dazu, misst er ebenfalls keinerlei Bedeutung bei. "Es war ein negativer Aussetzer, der unter ganz anderen Voraussetzungen als heute stattgefunden hatte", so Robert Klauß. Wie wahr, das beginnt mit der Aufstellung seiner Mannschaft wie mit der der Hanseaten, die zudem mit Tim Walter einen neuen Trainer und somit auch eine andere Spielweise haben. Der HSV im Mai 2021 ist also ein anderer als der, mit dem es der Club am Sonntag zu tun bekommt.

Klauß vor HSV: "Da haben wir richtig Bock drauf"

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Außerdem will sich der Club ja gar nicht so sehr am Gegner orientieren - zuletzt beim mühsamen wie glücklichen 1:0 über Hansa hat Klauß dies zumindest selbstkritisch als Fehler ausgemacht, ohne die aufgrund Rostocks mannorientierten Spielweise erfolgte Umstellung von einer Raute im Mittelfeld auf eine Doppelsechs explizit als solchen ausgemacht zu haben. Fürs Spiel beim HSV jedenfalls geht es laut ihm wie bei jeder anderen Partie auch vor allem darum, "seine Ideen und seine Stärken auf den Platz zu bringen." Das Ganze selbstredend unter Berücksichtigung des Gegners, seiner Stärken und Schwächen.

Verwirrende Abläufe beim HSV: "Wir haben der Mannschaft sehr viel zu zeigen"

Und da stellt der HSV für Klauß eine "anspruchsvolle Aufgabe dar", auf die er sich sehr freut. Sein Trainerkollege Walter ist bekannt für seine mutige, mitunter unorthodoxe Spielidee, bei der Klauß jedoch eine klare Grundordnung sieht. Überhaupt hat er beim HSV viele Abläufe ausgemacht, mitunter auch verwirrende. "Wir haben der Mannschaft sehr viel zu zeigen", fügt er lächelnd an.

Dass der HSV generell unter Walter sehr viel Risiko geht, hochsteht und laut Klauß "viele Leute nach vorne bringt", könnte dem Club in die Karten spielen, das Umschaltspiel ist schließlich einer der großen Stärken seiner Elf. Die Grundvoraussetzung dafür ist selbstredend der Ballgewinn, was wiederum für den Club den Auftrag ergibt, "mutig nach vorne zu verteidigen".

Lukas Schleimer

Erneut im Profikader: Lukas Schleimer. imago images/Zink

Apropos mutig: An seinen forschen Auftritt bei seinem Profidebüt gegen Rostock hat Lukas Schleimer in der Trainingswoche nahtlos anknüpfen können. "Man hat gemerkt, dass ihm das noch mal einen Push gegeben hat", so Klauß über den Angreifer aus der U 21, dem er unmittelbar nach dem 1:0 über Rostock ins Stammbuch schrieb, dass er mit Blick auf seine weitere Zukunft "alles selbst in der Hand hat". Heißt: Tragen seine Füße die Tempodribblings ins Zentrum der gegnerischen Abwehr weiter so unbekümmert vor, erspielen sie ihrem Besitzer einen Platz bei den Profis, weil sie deren Offensive um ein neues Element bereichern. Das Spiel beim HSV ist für den 21-Jährigen auf dem Weg dorthin der nächste Schritt: Er gehört erneut dem Spieltagskader an.

Chris Biechele