Bundesliga

Prozess um mögliche falsche Behandlung: Nierenkranker Ex-Profi (Werder Bremen, FC St. Pauli) Ivan Klasnic bekommt Schmerzensgeld und Schadensersatz

Ex-Profi gewinnt Prozess um falsche Behandlung

Klasnic bekommt Schmerzensgeld und Schadensersatz

Ivan Klasnic im Februar 2017.

Ivan Klasnic im Februar 2017. picture alliance

Wegen einer angeblichen falschen Behandlung seiner Nierenerkrankung hat Klasnic gegen den ehemaligen Werder-Mannschaftsarzt Götz Dimanski, die damals für die Routineuntersuchungen zuständige Internistin Manju Guha, das Therapiezentrum Sporthep Werder GmbH sowie die Reha-Zentrum Bremen GmbH im Jahr 2008 Klage eingereicht. Klasnic machte geltend, dass die Mediziner bei den regelmäßigen Untersuchungen seine schlechten Nierenwerte nicht erkannt und er deshalb keine adäquate Behandlung erhalten hatte. Infolge der Erkrankung benötigte Klasnic bereits im Alter von 26 Jahren eine Spenderniere.

Auch das Landgericht Bremen stellte nun grobe Behandlungsfehler fest. "Dimanski ist für den Nierenverlust und die daraus resultierenden Folgen verantwortlich", sagte der Vorsitzende Richter Clemens Bolay in seiner Urteilsbegründung. Auch Guha seien "grobe Behandlungsfehler" unterlaufen. Bolay unterstrich, dass Klasnic ein Verdienstausfall für das Jahr 2007 von rund einer Million Euro zustehe.

Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, gegen die Entscheidung kann noch Berufung eingelegt werden. Auch Klasnics Anwalt Matthias Teichner rechnet mit diesem Schritt. Von den Beklagten und deren Anwälten war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. "Ich bin extrem überrascht", zitierte die "Kreiszeitung Syke" (Online-Ausgabe) Dimanski aber nach der Urteilsverkündung. "Ich gehe davon aus, dass ich der Einzige bin, der die Fakten richtig kennt. Aber das ist immer eine Frage der Interpretation."

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Schmerzensgeld und Schadensersatz: Klasnic siegt vor Gericht

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Selbst wenn das Urteil rechtskräftig werden sollte, ist die juristische Auseinandersetzung noch nicht beendet. Denn in Folgeverhandlungen muss dann die Höhe des Schadensersatzes festgelegt werden. Klasnic bekam bereits zwei Nieren transplantiert, da sein Körper das erste Spenderorgan seiner Mutter abgestoßen hatte. Ein Vierteljahr später wurde ihm schließlich eine Niere seines Vaters eingesetzt, doch auch diese schafft es mittlerweile nicht mehr, sein Blut ausreichend zu reinigen. Seit September 2016 wartet Klasnic deshalb auf eine dritte Spenderniere.

Klasnic zeigte sich erfreut über das Urteil. "Endlich sehen die Menschen, dass ich keine Märchen erzählt und nicht umsonst geklagt habe. Sondern dass die Ärzte verantwortlich sind", sagte er gegenüber "Radio Bremen".

jer