2. Bundesliga

St. Pauli gewinnt in Hannover - Kocak verärgert, DFB rechtfertigt sich

Knifflige Entscheidungen bei rasantem Nordduell in Hannover

"Klarer geht es nicht": Kocak verärgert, DFB rechtfertigt sich

Szene mit Zündstoff: St. Paulis Keeper Dejan Stojanovic trifft Hendrick Weydandt.

Szene mit Zündstoff: St. Paulis Keeper Dejan Stojanovic trifft Hendrick Weydandt. imago images

Sportlich hatte das Nordduell in Hannover viel zu bieten - 96 und St. Pauli lieferten sich einen tollen Schlagabtausch mit zwei unterschiedlichen Hälften, die das Fußball-Fanherz erwärmten. Die Hamburger waren in Durchgang eins klar besser, spielten fahrige Niedersachsen beinahe schon in Grund und Boden und hätten "vielleicht sogar 3:0 führen können", wie Guido Burgstaller nach Abpfiff bei "Sky" sagte: "Wir kamen auch in der zweiten Halbzeit gut raus und hatten gute Möglichkeiten. Dann haben wir durch das Tor komplett den Faden verloren, haben sehr wild, sehr ungeduldig gespielt - und Hannover ist immer stärker und stärker geworden."

Burgstaller weiß ums eigene Glück

In der Tat war das Spiel gekippt, auch weil Hannovers Genki Haraguchi famos aufdrehte und aus einem 0:2 ein 2:2 machte. Die Niedersachsen waren dann auch dem dritten Treffer näher als die Kiezkicker, die sich dann aber dennoch durchsetzten - und am Ende den ersten Auswärtssieg der laufenden Saison einfuhren. "Im Endeffekt kann man sagen, dass wir einen glücklichen Dreier geholt haben", gab auch Burgstaller später zu, "aufgrund der ersten Halbzeit haben wir uns den aber auch ein bisschen erarbeitet."

Die schwache erste Hälfte war auch Hannovers Dominik Kaiser nicht entgangen. "Leider, und das muss man auch sagen, sind wir sehr schlecht ins Spiel gekommen, haben die Anfangsphase komplett verschlafen und daher müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen", sagte der 96-Kapitän, wohlwissend, dass die Roten auch ganz schön viel Pech hatten. "Die Elfmetersituation hat der Schiedsrichter so entschieden, genauso, wie die Gelb-Rote-Karte. Das müssen wir so akzeptieren."

Wir waren drauf und dran, das Ding zu gewinnen.

Hendrick Weydandt

Etwas klarer drückte sich Hendrick Weydandt aus. "Wir waren drauf und dran, das Ding zu gewinnen, dann passieren uns Fehler, die wir eigentlich abgestellt haben. So einen späten Treffer zu kassieren, ist bitter - sicherlich war das auch dem geschuldet, dass wir in Unterzahl waren", sagte der 25-Jährige bei "Sky" und beklagte den Platzverweis in der 88. Minute für Jaka Bijol. Die Gelb-Rote-Karte sei eine "sehr heikle Geschichte", die er anders bewertet: "Das habe ich anders gesehen und ich habe es ganz gut gesehen. Das ist auch eine Schlüsselszene. St. Pauli kam in Ballbesitz und in eine Druckphase." Diese mündete schließlich auch im späten 3:2-Siegtreffer durch Igor Matanovic (90.+2).

Diskussionen über nicht gegebenen Elfmeter

Frustiger Nachmittag: Marcel Franke, Michael Esser und Josip Elez (v.l.) sind bedient.

Frustiger Nachmittag: Marcel Franke, Michael Esser und Josip Elez (v.l.) sind bedient. picture alliance

Während der Platzverweis für Bijol in die Kategorie "hart, aber vertretbar" fiel, so sorgte eine andere Szene für noch mehr Wirbel. In der 85. Minute holte Dejan Stojanovic Weydandt im eigenen Strafraum von den Beinen. Der Unparteiische Sören Storks gab den geforderten Elfmeter nicht. "Klarer und deutlicher geht es nicht", haderte 96-Coach Kenan Kocak und führte aus: "Ich frag mich dann schon, warum wir den Videobeweis haben. Das war die 86. Minute, das darf man nicht vergessen. So eine Entscheidung ist dann ein Schlag ins Gesicht. Der Trainer berichtete, dass ihm Starks gesagt habe, dass Stojanovic den Ball gespielt habe.

DFB bezieht Stellung

Dieser Auffassung war auch der DFB, der sich via Twitter zu der Szene äußerte. "Die Kameraeinstellung 'Hintertor hoch (l.)' belegt, dass der Keeper Stojanovic erst den von Weydandt vorgelegten Ball mit dem Fuß spielt (Impuls auf den Ball und leichte Richtungsänderung), ehe er den -Spieler trifft. Dementsprechend konnte der VA die Wahrnehmung des SR bestätigen."

Es sieht schon sehr deutlich nach Elfmeter aus.

Hendrick Weydandt

Eine andere Meinung vertrat wiederum Weydandt. "Es ging sehr schnell, ich hatte zunächst gedacht, wir sind beide am Ball, aber ich lege den Ball an ihm vorbei und er erwischt mich definitiv. Inzwischen habe ich die Szene mehrfach im Video gesehen. Es sieht schon sehr deutlich nach Elfmeter aus", wird der Angreifer auf auf der Vereinswebsite zitiert: "Vielleicht wäre es gut gewesen, sich die Szene im VAR noch einmal anzuschauen. Man kann sich auf jeden Fall nicht beschweren, wenn er gegeben wird."

Weydandt störte sich aber nicht nur an dieser Szene, der Stürmer beklagte sich allgemein über die schlechte Kommunikation. "Dass ein Schiedsrichter Fehler macht, ist ganz normal und dass die Spieler zu emotional sind, weiß ich auch. Aber die Kommunikation zwischen Spielern und Schiedsrichter hat heute gar nicht stattgefunden, beziehungsweise auf eine sehr schlechte Art und Weise. Darüber bin ich sehr enttäuscht."

drm