Bundesliga

Klare Tendenz aus der Politik: Bundesliga-Start ohne Fans

Bundesgesundheitsminister Spahn will keine vermeidbaren Risiken eingehen

Klare Tendenz aus der Politik: Bundesliga-Beginn ohne Fans

In der Bundesliga sieht es danach aus, als würden weiterhin Geisterspiele stattfinden.

Ein ausverkauftes Stadion wie hier in Berlin - oder zumindest eine teilweise gefüllte Heimstätte? Aktuell laut Politik kaum realisierbar. imago images

Mit den Maßnahmen, keine Gästefans zuzulassen, keine Stehplätze zu erlauben, keinen Alkohol auszuschenken und personalisierte Tickets herauszugeben, legte die DFL vergangene Woche den Grundstein Richtung einer zumindest in Teilen erlaubten Rückkehr der Fans - im besten Fall schon zum Bundesliga-Start Mitte September.

Das nun aus der Politik kommende Echo verheißt allerdings nichts Gutes, vielmehr sieht es nach vielen weiteren Geisterspielen aus. Im Klartext: Bis zum 31. Oktober sei eine Öffnung der Stadien zurzeit nicht zu befürworten, heißt es von den Gesundheitsministern. Die aktuell in vielen Ländern und Bereichen wieder steigenden Corona-Zahlen würden dies quasi verbieten.

Spahn positioniert sich gegen die Öffnung der Stadien

"Tausende Zuschauer in den Stadien - das passt nicht zum aktuellen Infektionsgeschehen", teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn deutlich am Montag auf Twitter mit. "Jetzt heißt es, keine vermeidbaren Risiken einzugehen. Das Konzept der DFL ist in der Theorie gut. Entscheidend ist in der Pandemie aber die Praxis im Alltag."

Und auch von der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) wartete die Liga beim Sommer-Reizthema vergeblich auf positive Signale, zum Auftakt der Spielzeit 2020/21 wieder vor Publikum zu spielen. Das habe aus Sicht der Gesundheitsminister der Länder keine Priorität. Darin bestehe Einigkeit, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Bis zum 31. Oktober sei zurzeit eine Öffnung der Stadien nicht zu befürworten.

Markus Söder spricht sich gegen die Zulassung von Fans in den Bundesliga-Stadien aus.

Befürworter der Bundesliga - aber nicht im Sinne von gefüllten Stadien: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. picture alliance

Angesichts der vielerorts wieder gestiegenen Corona-Fallzahlen herrscht Skepsis in der Politik, wie es Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ausdrückte. "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadion zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen", sagte der CSU-Chef in Nürnberg und betonte: "Es hätte auch eine verheerende Signalwirkung an die Öffentlichkeit. Sowohl was Kapazitäten im Medizinischen betrifft als auch gegenüber kulturellen Veranstaltungen."

Darin herrschte auch Konsens bei der Gesundheitsministerkonferenz. "Wir sehen das Konzept der DFL als guten Willen und auch als gute Grundlage, sehen aber zwei Probleme", sagte die GMK-Vorsitzende und Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD). Die Ausgestaltung der Hygienekonzepte werde den Gesundheitsämtern überlassen, die jetzt schon sehr belastet seien. Das zweite Manko sei die An- und Abreise der Fans, die das Konzept nicht beinhalte. Das immer wieder betonte Nein mindestens bis zum 31. Oktober sei sogar die einstimmige Meinung der Ressortchefs gewesen, wie es aus weiteren Teilnehmerkreisen hieß.

Söder über gefüllte Stadien: "Nicht klug"

Zuvor hatte sich Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer noch positiv über das Zuschauerkonzept der DFL geäußert. "Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erproben", sagte der CDU-Politiker am Montag im ARD-Mittagsmagazin mit Blick auf das DFL-Konzept. Es sei wichtig, "dass wir jetzt auch an diesem Punkt einen Schritt nach vorn gehen".

Von Massentests vor dem Stadionbesuch hält Kretschmer allerdings nichts, weil es nicht praktikabel sei. Man könne nicht so viele Menschen vorher testen. "Das Prinzip muss sein: So wie am Arbeitsplatz, so wie beim Einkaufen muss eine Sportveranstaltung so organisiert sein, dass man sich nicht anstecken kann."

Söder hat derweil große Bedenken, nachdem die Zahlen zum Ende der vergangenen Woche erstmals seit Anfang Mai wieder über der Schwelle von 1000 Fällen pro Tag gelegen hatten. Für den 53-Jährigen wäre es daher das falsche Signal und "auch nicht klug, wenn wir Schulstart haben, wenn wir beginnenden Herbst haben, zu überlegen, dass wir dann zusätzlich 20.000, 25.000 oder mehr Leute in den Stadien haben". Söder würde das Thema daher gerne in der letzten August-Woche in Abstimmung mit dem Bund auf einer Ministerpräsidentenkonferenz erörtern. "Ich kann mir vielleicht im Laufe der Saison, aber nicht zum Bundesliga-Start volle Stadien vorstellen."

Zum Thema: DFL-Maßnahmenpaket für Zuschauerrückkehr: keine Gästefans, keine Stehplätze, kein Alkohol

mag/dpa

Ein Drittligist ist Elfter: Die ewige Bundesliga-Tabelle