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Klage gegen FIFA-Vermittlerreform - "Wir vermissen schon ein wenig den Respekt"

DFVV-Geschäftsführer kritisiert Herangehensweise

Klage gegen FIFA-Vermittlerreform - "Wir vermissen schon ein wenig den Respekt"

Hat sich in der Berater-Branche einen Namen gemacht: Mino Raiola.

Hat sich in der Berater-Branche einen Namen gemacht: Mino Raiola. imago images

Dieser möchte die 33-seitige Neufassung eines reformierten Vermittlerreglements ab Januar zu weiteren Konsultationen an Klubs, Ligen und Agenten geben, um im nächsten Schritt die Statuten verbindlich einzuführen. Aus Sicht der Vereinigung der deutschen Spielervermittler DFVV kommt dieser Austausch zu spät. Im April 2018 hatte die FIFA zwar diverse Berater nach Zürich geladen, darunter Mino Raiola, Giovanni Branchini oder Jonathan Barnett (Stellar Group). Doch, so kritisiert etwa DFVV-Geschäftsführer Dr. Gregor Reiter, habe keine echte Konsultation stattgefunden: "Die vermeintliche Konsultation sah so aus, dass die FIFA ihre Ausarbeitungen uns einfach hingeworfen und gesagt hat: 'Wir machen es so.' Da vermissen wir schon ein wenig den Respekt." Der Jurist unterstreicht, dass der Konsultation der wichtigsten Marktteilnehmer im Bereich Kartellrecht eine übergeordnete Bedeutung zukommt.

Der Entwurf der FIFA sieht Beschneidungen im Bereich der Mehrfachparteienvertretung bei einem Transfer vor und Honorardeckelungen (bis 3 Prozent Gehalt der Spieler oder 10 Prozent der Ablösesumme), zudem die Wiedereinführung einer Lizenz und streng gehaltene Integritätschecks. Für die DFVV enthält die Reform "grundsätzlich wünschenswerte Punkte", sagt Reiter. "Die DFVV unterstützt eine Reform sogar ausdrücklich, erwartet aber eine ernsthafte Beteiligung von Beginn an." Was in ihren Augen nicht geschehen sei, daher "wird die DFVV klagen, dies wurde auf unserer Jahreshauptversammlung 2019 beschlossen". Klagegegner wären dann DFB und FIFA.

"Wir müssen den Fußball vor Missbrauch und spekulativen Praktiken schützen"

Angesichts immer undurchsichtiger werdender Geschäftsmodelle und Verbindungen zwischen Klubs und Agenten will die FIFA den völlig deregulierten Markt nun wieder stärker kontrollieren. "Am einfachsten wäre es für uns, nichts zu tun, aber wir möchten in diesem Bereich ein bisschen mutig sein", sagte Emilio García Silvero, Leiter der Rechtsabteilung des Weltverbandes, bei einer virtuellen Pressekonferenz vor anderthalb Wochen: "Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass es einige Gruppen gibt, die mit einem Teil der Entwürfe nicht zufrieden sind, aber wir müssen den Fußball vor Missbrauch und spekulativen Praktiken schützen."

Teils absurde Millionenhonorare, augenscheinliche Interessenkonflikte und Steuer- sowie Geldwäscherazzien gegen auch in der Bundesliga bestens vertretene Agenten haben den ohnehin zwielichtigen Ruf der Branche nicht gerade aufpoliert. Diverse Klubvertreter haben gerade nach dem Ausbruch der Pandemie die horrenden Beraterkosten gegeißelt - zur Wahrheit gehört aber auch, dass viele Manager diese Praktiken bislang ungeniert mittragen. Umsonst sind die Kommissionen für internationale Transfers anno 2019 nicht um 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 554 Millionen Euro gestiegen. Die weltweit gesamten Zahlungen Spielervermittler dürften weitaus höher liegen, da diese Statistik nur internationale Wechsel erfasst, also nicht die Transfers innerhalb eines Nationalverbandes. Auch die Bundesligisten hielten sich bei den Beraterhonoraren schadlos: Von 127 Millionen Euro (2015/16) wuchsen die Ausgaben über den Wert 198,7 Millionen Euro (2017/18) auf satte 215,1 Millionen Euro (2018/19) - allerdings für nationale wie internationale Transfers und auch Vertragsverlängerungen.

Benni Hofmann