Bundesliga

Klaassens Werder-Lektion: "Das kann man bei Ajax nicht lernen"

Wechsel "nach Hause" als Karriereschub

Klaassens Werder-Lektion: "Kann man bei Ajax nicht lernen"

Zurück in der Heimat: Davy Klaassen im Trikot von Ajax Amsterdam.

Zurück in der Heimat: Davy Klaassen im Trikot von Ajax Amsterdam. imago images

Keine vier Monate lagen zwischen den beiden Spielen, die den Unterschied nicht besser verdeutlichen könnten. Anfang Juli noch stand Davy Klaassen gegen den deutschen Zweitligisten 1. FC Heidenheim auf dem Platz, im Oktober dann lief er gegen den englischen Meister FC Liverpool auf. Der Wechsel von Relegations-Teilnehmer Werder Bremen zum Champions-League-Klub Ajax Amsterdam bedeutete für den 27-Jährigen einen Wandel sportlicher Ambitionen, dem er schlicht nicht widerstehen konnte.

Anstatt sich auch in der aktuellen Saison gegen den Abstieg in der Bundesliga stemmen zu müssen, liegt er mit seinem neuen Verein auf Kurs Richtung vierter niederländischer Meisterschaft in Folge. Klaassen gefällt das. "Eigentlich ging es den Großteil meiner bisherigen Karriere nur darum", sagt er im kicker-Interview, "das Gefühl, am Ende der Saison etwas in der Hand halten zu können, hat mir gefehlt. Das merke ich jetzt wieder. Dafür spielt man Fußball." Beim SV Werder, der ihn 2018 für rund 13 Millionen Euro vom FC Everton verpflichtet hatte, sei das in den letzten zwei Jahren natürlich anders gewesen.

Spielersteckbrief Klaassen
Klaassen

Klaassen Davy

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Werder Bremen - Termine
Ajax Amsterdam - Termine

Ohne Werder in der Bundesliga wäre die Stadt eine andere gewesen.

Davy Klaassen zur Relegation gegen Heidenheim

In der Saison 2018/19 verpasste er mit den Bremern knapp die Qualifikation für die Europa League, in der vergangenen Saison rettete man sich erst in der Relegation. Der Druck vor den beiden Partien gegen Heidenheim, erinnert sich Klassen, war immens - und weitaus unangenehmer als etwa vor einem Champions-League-Spiel: "Es ging gefühlt um die Existenz des Vereins, die schwierige finanzielle Lage war ja bekannt. Man hat einfach gemerkt, dass man in diesen beiden Partien gegen Heidenheim für ganz Bremen gespielt hat. Ohne Werder in der Bundesliga wäre die Stadt eine andere gewesen."

Bei Ajax kommen Klaassens Qualitäten "viel besser zur Geltung"

Dass er Bremen in der darauffolgenden Wechselperiode Anfang Oktober in Richtung seines langjährigen Jugendklubs verließ, hätte er jedoch "nicht für irgendeinen Verein" getan, erklärt er: "Ich bin als Elfjähriger in die Ajax-Jugend gekommen. Es war wie nach Hause zu kommen. Zurück in die Nähe meiner Familie und meiner Freunde zu ziehen, war für mich der perfekte Schritt."

Auch sportlich hat der Mittelfeldspieler noch mal ein höheres individuelles Niveau erlangt; die beste Version des Fußballers Davy Klaassen scheint es lediglich bei Ajax Amsterdam zu geben, wie acht Ligatore in dieser Saison belegen. "Bis jetzt ist das so", räumt der Ex-Bremer selbst ein, "wir spielen hier viel offensiver, da kommen meine Qualitäten viel besser zur Geltung." Nach mehr als drei Jahren ohne Berufung wurde er im November auch erstmals wieder zur Nationalmannschaft eingeladen, mit der Elftal will er im Sommer zur Europameisterschaft.

Das letzte Jahr war krass, das wird uns noch lange verbinden.

Davy Klaassen zu seiner letzten Werder-Saison

Seinen Karriereschub führt Klaassen jedoch auch auf seine Zeit bei Werder zurück. "Ich habe dort ein paar Dinge gelernt, die mir jetzt zugutekommen", sagt er. Dass er in Bremen gelegentlich auf der Sechs zum Einsatz kam, war für ihn ebenso hilfreich wie der Umstand, dass er mit seinem Ex-Klub "nicht so oft den Ball hatte". Dadurch erlangte er seine zuvor eher rudimentär ausgeprägte Fähigkeit, defensiv zu denken. "Diese Dinge kann man bei Ajax nicht lernen, weil man im Spiel immer überlegen ist", so Klaassen.

Noch immer verfolge er eigentlich jedes Werder-Spiel am Fernseher ("Was die Mannschaft zeigt, sieht gut aus") und pflegt die Kontakte zu einigen seiner ehemaligen Mitspieler. "Ich telefoniere noch viel mit Milot Rashica, Davie Selke oder Stefanos Kapino. Das letzte Jahr war krass, das wird uns noch lange verbinden."

Im kompletten Interview in der Donnerstagsausgabe oder im e-Magazine spricht Davy Klaassen über die Reaktion Florian Kohfeldts auf seinen Wechselwunsch, er erklärt, warum er die Huntelaar-Rückkehr zum FC Schalke 04 als "einfach geil" empfindet und wieso es Wout Weghorst in der niederländischen Nationalmannschaft schwer hat.

Tim Lüddecke