2. Bundesliga

Hamburger SV: Kittels Versetzung für alle hilfreich

HSV: Historisch siegreich - aber auch über den Berg?

Kittels Versetzung für alle hilfreich: Walters Schachzug geht auf

Finger auf die Lippen: Sonny Kittel traf zum 2:0.

Finger auf die Lippen: Sonny Kittel traf zum 2:0. IMAGO/Michael Schwarz

In Hamburg sind dennoch alle gut beraten, den zwar klaren und doch nicht glanzvollen Dreier gegen den überforderten Vorletzten als das abzuhaken was er war: Ein Pflichtsieg, der mit Nieselregen und 21.890 Zuschauern, dem Tiefswert seit 1998, den passenden Rahmen hatte.

Tim Walter hatte seine taktische Ausrichtung unverändert gelassen, aber Details modifiziert: Josha Vagnoman verteidigte auf der ungewohnten linken Außenbahn anstelle von Miro Muheim und belebte diese zuletzt verwaiste Seite sichtbar. Auch sein zweiter "linker" Schachzug ging auf: Sonny Kittel hatte unter dem Coach im Zentrum in dieser Spielzeit entscheidende Fortschritte gemacht, zuletzt aber unter enger Obhut der Gegner keinerlei Akzente mehr gesetzt. Seine Rückversetzung nach außen verlieh ihm und dem HSV Flügel: Kittel war schwerer zu greifen, oder, wie es Walter formuliert "einfach überall." Und nach vier Partien ohne Torbeteiligung endlich wieder entscheidend. Seine Vorlage zum ersten Treffer stellte die Weichen, sein Freistoß zum 2:0 kurz vor der Pause war bereits vorentscheidend.

Ob aus dieser Weichenstellung heraus auch ein Aufspringen auf den Aufstiegszug wieder möglich ist, bleibt vage. Ein Grund: Aue stellte keinen wirklichen Gradmesser da. Ein anderer: Bevor die Sachsen müde gelaufen waren, hatten sie im ersten Durchgang sehr wohl ansatzweise offenlegen können, wie verwundbar der HSV im Frühjahr 2022 ist. Wirklich überzeugend geriet der Vortrag erst in der Schlussphase, die diese Analyse Walters rechtfertigt: "Wir haben Spielfreude versprüht, waren konsequenter als gegen Paderborn."

Ist der HSV jetzt über den Berg?

Aber sind die Seinen mit dem langersehnten Erfolg nach zuvor fünf sieglosen Partien auch tatsächlich über den Berg? Und gar in der Lage, doch noch in den Aufstiegskampf einzugreifen? Jonas Meffert gibt den Realisten und sagt: "Wir müssen schon ehrlich sein, die Aufstiegs-Chance für uns ist sehr gering. Wir wollen Sonntag in Kiel wieder 100 Prozent abliefern." Eine Politik der kleinen Schritte, die auch Walter vorgibt. Für den 46-Jährigen war diese Erkenntnis die entscheidende: "Die Identifikation mit unserem Weg ist spürbar. Bei den Spielern, im gesamten Verein. Wir sind uns einig und bleiben bei uns, wir achten nicht darauf, was andere schreiben oder urteilen."

Gegen Aue ist die Umsetzung dieses Plans gelungen. Und Sonntag? "Wenn wir es schaffen, in Kiel genauso zu spielen, haben wir eine Chance auf drei Punkte", sagt Meffert, "erst dann können wir noch mal schauen, wie es in der Tabelle aussieht." Immerhin, die Reise an die Förde bietet nach dem ersten Dreier im April die nächste Chance, Geschichte zu schreiben: Gegen Holstein ist der HSV in der 2. Liga noch sieglos… 

Sebastian Wolff

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