Bundesliga

Kioyo traut den Augen nicht

Cottbus: Trainer Sander droht Shao

Kioyo traut den Augen nicht

Francis Kioyo (Cottbus) gegen Nürnbergs Glauber (li.)

Francis Kioyo (Cottbus) war von Nürnbergs Glauber (li.) nicht unter Kontrolle zu bringen. imago

Nach außen wollen Trainer Sander, Co-Trainer Thomas Hoßmang, Manager Steffen Heidrich als auch Lepsch kein Öl mehr ins Feuer gießen. In der Tat: Es wird in diesen Tagen nicht mehr schlecht übereinander geredet, sondern überhaupt nicht mehr. Wenigstens öffentlich. Doch intern geht es hoch her. Es geht um Macht, es geht um Einflussnahme und Eitelkeiten. Lepsch gegen Sander. Sander gegen Lepsch. Die Fehde spaltet allmählich das Fan-Lager, das aber noch zum allergrößten Teil hinter Sander steht. Doch stellt sich in den nächsten Spielen in Stuttgart, gegen Wolfsburg und bei Bayern München kein sportlicher Erfolg ein, könnten Sander endgültig die Argumente ausgehen.

Anspannung pur. Vielleicht prügelte Sander auch deshalb nach der Partie gegen Nürnberg verbal auf Jiayi Shao ein. Sander hatte den Chinesen in der 70. Minute für den bis dahin bärenstarken Francis Kioyo gebracht. Eine Maßnahme, die auch Kioyo nicht verstand, hatte die Nürnberger Abwehr doch allergrößte Probleme mit dem Kameruner. "Ich war sehr überrascht. Ich fühlte mich noch fit und traute meinen Augen nicht, als ich meine Nummer erblickte. Aber der Trainer ist der Chef und er wird schon das Richtige gedacht haben, als er mich auswechselte", so Kioyo am Sonntag zum kicker. Von einer Verletzung aber keine Rede. Doch genau das hatte Sander in der Pressekonferenz noch als Grund für die Auswechslung angeführt!

Der Fehlgriff musste erklärt werden. Wohl auch deshalb nagelte Sander Shao verbal an die Wand: "Das war unterste Schublade. Ich habe wirklich überlegt, ihn wieder runterzuholen. Er soll mal überlegen, ob er wirklich noch Teil des Ganzen sein will." Rumms! Das saß. Dabei hatte Shao so schlecht nicht agiert, hatte er doch immerhin die Riesenchance von Rost in der Nachspielzeit mustergültig vorbereitet. Ablenkungsmanöver oder Überreaktion? Nachvollziehbar war die Kritik an dem sonst stets einsatzfreudigen und auch in den bisherigen Spielen engagierten Chinesen jedenfalls nicht.

Für Kapitän Timo Rost ist nach Samstag klar: "Wir stehen mitten im Abstiegskampf. Schon jetzt." Der Frust saß tief. Vor allem bei Abwehrspieler Mariusz Kukielka. "Das 1:1 war wie im Kindergarten. Wenn wir weiter so spielen, gewinnen wir kein Spiel mehr. Nach dem vierten Spieltag nur zwei Punkte, das ist viel zu wenig", ärgerte sich der Pole. Was besser werden muss? "Die Konzentration hinten als auch vorne", fordert der 30-Jährige. Hinten schlief man bei einer Standardsituation und vorne war die Chancenverwertung wieder das Hauptmanko. Elf Torchancen und nur ein Tor, noch dazu per Elfmeter. Auf Sander wartet noch viel Arbeit - und das in allen Bereichen.