Nationalelf

Kimmich: "Das lockt den Weltmeistern mehr heraus"

Rechtsverteidiger glaubt nicht an den Umbruch nach der WM

Kimmich: "Das lockt den Weltmeistern mehr heraus"

Will ein Leistungsträger im DFB-Team sein: Joshua Kimmich.

Will ein Leistungsträger im DFB-Team sein: Joshua Kimmich. imago

Einen kurzen Blick wirft Kimmich in Eppan (Südtirol) nochmal zurück auf sein Jahr mit den Münchnern und bezeichnet das Abschneiden schlichtweg als "enttäuschend". Klare Worte des Rechtsverteidigers, der nun alles daran setzen will, diese Spielzeit mit nur einem statt der erhofften drei Titel noch versöhnlich zu gestalten. "Ich sehe die WM als Chance, aus dieser bisher für mich enttäuschenden Saison eine absolute Highlight-Saison zu machen."

Kimmichs schwieriger Start beim DFB - Wende gegen Nordirland

Kimmichs Stern in der Nationalmannschaft ging 2016 auf, sein Debüt feierte er im Testspiel gegen die Slowakei, das die Löw-Elf 1:3 verlor. Der damals 21-Jährige zog zwei Wochen vor dem EM-Auftakt die kicker-Note 5,5 - als rechter Mann einer Dreierkette. Kein Wunder, dass er bei den ersten beiden Spielen in Frankreich gegen die Ukraine (2:0) und Polen (0:0) zunächst nur zusehen durfte.

Spielersteckbrief Kimmich
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Trainersteckbrief Löw
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Dann kam die Partie gegen Nordirland, Kimmich durfte sich als Rechtsverteidiger (jetzt in einer Viererkette) probieren und überzeugte voll. Seit jenem 21. Juni 2016 ist Kimmich bei Bundestrainer Joachim Löw gesetzt. Zwei Jahre zuvor, als neun seiner jetzigen Kollegen den WM-Triumph feierten, war Kimmich gerade mit RB Leipzig von der 3. in die 2. Liga aufgestiegen und verfolgte das Turnier in Brasilien "als Fan, aber nicht mit dem Hintergedanken, dass du bald dabei sein könntest." Jetzt sieht sich der im baden-württembergischen Rottweil geborene Kimmich als "Stammspieler" und geht mit dem "Anspruch in die WM, Leistungsträger zu sein".

Dabei gehört Kimmich einer Misch-Gruppe an. Er war schon dabei, als die letzten WM-Helden Schweinsteiger und Podolski ihr letztes Turnier spielten und viele der Confed-Cup-Gewinner des Jahres 2017 noch nicht im DFB-Kreis angekommen waren. Zählt er damit schon zu den Führungsspielern? "Wenn man sieht, welche Spieler mit welchen Titeln wir im Kader haben, da ist es nach gerade mal zwei Länderspieljahren schwer, sich als Führungsspieler zu bezeichnen", so Kimmich, der aber anfügt: "Wenn ich auf dem Platz etwas zu sagen habe oder mir etwas auffällt, dann sage ich das auch."

Bei der anstehenden WM in Russland geht es für Löw darum, die Titel-Helden von 2014 und die Confed-Cup-Sieger 2017 zu vereinen. Für Kimmich ist es "wichtig, dass hier nicht alle schon Weltmeister sind. Zum einen haben wir die Qualität, aber auch den absoluten Hunger und die Gier." Kimmich glaubt, dass die Kader-Konstellation den Weltmeistern "wieder ein paar Prozent mehr herauslockt", er hält die Mischung im Kader für "sehr gut, auch weil wir gerade in der Breite brutal an Qualität dazugewonnen haben".

Kein Umbruch nach der WM -"Höchstens, wir werden Weltmeister"

Für viele aus der Weltmeister-Mannschaft dürfte in Russland auch die letzte Chance gekommen sein, eine WM-Endrunde zu spielen, Löw hatte mehrfach davon gesprochen, dass es danach zu einem Umbruch kommen könnte. Kimmich hält allerdings eine Abschiedstour der Etablierten für verfrüht. "Ich glaube nicht, dass viele Spieler aufhören werden", wie es nach den Rücktritten von Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker nach der WM 2014 sowie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski nach der EM 2016 der Fall war. "Wir haben viele Spieler im Alter zwischen 28 und 30 dabei, die müssen rein altersbedingt nicht aufhören. Höchstens, wir werden Weltmeister. Dann sagt sich vielleicht der eine oder andere: Mehr geht nicht."

Lesen Sie im großen Interview mit dem Bayern-Profi in der aktuellen kicker-Ausgabe vom Donnerstag auch über Kimmichs Verhältnis zu Joachim Löw, über seine Gefühle als Kurzzeit-Kapitän der DFB-Elf und wo er seine Limits sieht.

Oliver Hartmann/bst

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