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Kimmich im "Spagat" zwischen Riesen-Kindheitstraum und Binden-Ärger

"Riesige Motivation" beim 27-Jährigen

Kimmich im "Spagat" zwischen Riesen-Kindheitstraum und Binden-Ärger

"Wir sollten irgendwann den Fokus nach vorn richten": Joshua Kimmich.

"Wir sollten irgendwann den Fokus nach vorn richten": Joshua Kimmich. Getty Images

Aus Katar berichtet Oliver Hartmann

Natürlich, möchte man sagen, richtete sich die erste Frage an Joshua Kimmich (27) zu Beginn der Pressekonferenz im FIFA-Medienzentrum nach seiner Meinung zum skandalösen Binden-Verbot durch den Weltverband. Der Mittelfeldspieler antwortete in sachlichem Ton, drückte seine Verwunderung ob der Eskalation des Vorgangs aus und unterstrich: "Ich glaube, dass wir Spieler recht reflektiert sind. Wir haben die Missstände immer wieder angesprochen." Dann aber versuchte Kimmich, den Blick auf das zu richten, weshalb er und seine Mannschaftskollegen eigentlich nach Katar gereist sind. "Wir sollten irgendwann den Fokus nach vorn richten", forderte Kimmich am Dienstag Nachmittag, als es keine 24 Stunden mehr bis zum Turnierauftakt gegen Japan waren: "Wir haben unser erstes WM-Spiel seit viereinhalb Jahren, darauf freue ich mich."

Kimmichs besonnener Auftritt in Doha verdeutlichte, in welchem Zwiespalt sich viele Akteure gerade zwischen gesellschaftlicher Erwartungshaltung und sportlichen Ambitionen bei dieser umstrittenen WM befinden. "Es wird eingeredet, dass man sich nicht darauf freuen kann. Ich will mich aber auf eine WM freuen dürfen, auch wenn sie hier stattfindet", sagte Kimmich und fuhrt fort: "Als die WM vergeben wurde, war ich 15. Jetzt muss ich mich immer wieder dazu äußern. Ich weiß nicht, ob das gerechtfertigt ist."

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"Wir wissen alle, dass das nix war von uns bei der letzten WM"

Auch im Mannschaftskreis werde die Situation intensiv diskutiert, die einhellige Meinung formulierte Kimmich mit den Worten: "Wir alle brennen und können nichts dafür, wo das Turnier stattfindet. Wir müssen den Spagat schaffen, uns auch aufs Sportliche zu konzentrieren." Schließlich sei es für ihn "ein Riesen-Kindheitstraum, morgen zu spielen."

Der Münchner ist neben seinem Klubkollegen Manuel Neuer der Einzige, dem Bundestrainer Hansi Flick am Dienstag eine Garantie für die Anfangsformation aussprach: "Ich gehe mal davon aus, dass er in die Startelf findet", sagte der Bundestrainer. Anders als vor viereinhalb Jahren in Russland, als Kimmich unter Joachim Löw als Rechtsverteidiger auflaufen musste, darf er sich in Katar auf seiner Wunschposition im zentralen Mittelfeld entfalten.

Ein besonderer Ansporn für den ehrgeizigen Schwaben, der wie auch seine Kollegen die desaströse Vorstellung bei der WM 2018 mit dem Aus nach den Gruppenspielen vergessen machen will: "Wir wissen alle, dass das nix war von uns bei der letzten WM. Die Motivation ist riesig", sagte Kimmich und schloss seinen Vortrag mit einem Versprechen: "Ich bin davon überzeugt, dass wir morgen gewinnen werden."

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