3. Liga

Bayern München II - Timo Kern: "In jungen Jahren Chance verplempert"

Bayerns Führungsspieler blickt kritisch zurück

Kern: "Ich habe in jungen Jahren meine Chance verplempert"

Timo Kern trifft zum Auftakt

Gleich wieder erfolgreich: Timo Kern traf zum Drittligaauftakt gegen Türkgücü München. imago images

Im letzten Jahr feierte Kern mit der Meisterschaft bei Bayern II seinen wohl größten Erfolg, den es fast nicht gegeben hätte, weil seine Karriere als Fußballer schon vor dem Aus stand. Nach seinem Wechsel vom Karlsruher SC zum FC-Astoria Walldorf (2014 bis 2018) hat Kern ein BWL-Studium begonnen und nach dem Bachelor bei SAP gearbeitet. Selbst als er 2018/19 in der Regionalliga Südwest für Waldhof Mannheim spielte, war er noch zweimal die Woche "ganz normal" arbeiten.

"Zuvor bei Astoria lag mein klarer Fokus auf dem Studium", erzählt Kern im Interview auf der Website der Bayern. "Das waren rückblickend die härtesten drei Jahre, die ich bisher erlebt habe. Meine Konzentration lag nicht mehr zu 100 Prozent auf Fußball. Ich dachte schon, ich höre auf." Dadurch sei nicht nur seine Leistungskurve nach unten gegangen, sondern er habe auch keinen Spaß mehr gehabt.

Junge Spieler sollten sich bewusst sein, dass man aus all den Möglichkeiten, die man hier bei Bayern hat, das Beste für sich rausholen muss. Das habe ich früher verpasst.

Timo Kern

Der Sinneswandel kam nach einem Jahr im Job. Die Leistungskurve ging schnell wieder steil nach oben. Mit Waldhof feierte er nicht nur den Aufstieg, sondern war mit 17 Toren und zehn Vorlagen auch absoluter Leistungsträger. Schwere Herzens ließen ihn die Kurpfälzer 2019 zu den Bayern ziehen, wo bekanntlich direkt die Meisterschaft am Ende der Saison stand.

Doch warum die späte Leistungsexplosion beim mittlerweile 30-Jährigen? "Ich habe in jungen Jahren meine Chance verplempert und zu wenig gemacht für meine körperliche Verfassung", blickt er selbstkritisch zurück. "Junge Spieler sollten sich bewusst sein, dass man aus all den Möglichkeiten, die man hier bei Bayern hat, das Beste für sich rausholen muss. Das habe ich früher verpasst. Ich hatte nicht verstanden, was ich für eine große Chance habe."

So liegt der Wert Kerns für den FCB nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Ansprache an die vielen Talente im Team von Trainer Holger Seitz. "Ich will auf jeden Fall ein Führungsspieler sein und führe öfter Gespräche mit den Jungs. Ich versuche, ihnen klarzumachen, wie sehr sie das ganze Umfeld schätzen müssen." Doch auch in sportlicher Hinsicht bleibt Kern derzeit unverzichtbar, erzielte er zum Auftakt im Derby gegen Türkgücü (2:2) doch gleich seinen ersten Treffer.

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