Bundesliga

Unions Keita Endo: Mit "weniger Reis und mehr Brot" über alle Hürden

Union-Neuzugang stellt sich vor

Keita Endo: Mit "weniger Reis und mehr Brot" über alle Hürden

Keita Endo

Sah "glückliche Menschen" in Berlin: Union-Neuzugang Keita Endo. imago images

Knapp zwei Wochen ist Endo nun im Lande. Gekommen war er mit einer Zerrung, weshalb der schnelle und dribbelstarke Flügelspieler in den ersten Tagen beim 1. FC Union nur ein reduziertes Programm absolvieren konnte. Am Mittwoch debütierte Endo dann aber beim Test gegen Zweitligist Würzburger Kickers (2:0). Trainer Urs Fischer lobte anschließend: "Keita hat angedeutet, dass er was drauf hat." Endo selber merkte an, und es klang entschuldigend: "Ich hatte noch ein bisschen Rückstand."

Nicht nur bei dieser Aussage gab sich der Japaner - wie man es vielen seiner Landsleute gerne nachsagt - höflich und zurückhaltend. Zugleich zeigte sich Endo aber durchaus sympathisch und keineswegs verschlossen. Vorsichtshalber ließ er aber noch übermitteln, dass er möglicherweise "nicht so kommunikativ" wirke, weil der Schritt ins Ausland mit all dem Neuen, Ungewohnten und den hohen Erwartungen schon für "ein bisschen Druck" sorge.

Kleinere Rolle in Japan als "Herr Kagawa"

Den will man dem Neuzugang beim 1. FC Union nehmen, weshalb Trainer Fischer und Manager Oliver Ruhnert bereits um Geduld mit Endo warben. Ruhnert erinnerte in dem Zusammenhang kürzlich an Kagawa, der bei seinem Wechsel zum BVB vor zehn Jahren ähnlich wie Endo jetzt in Deutschland ein No-Name gewesen war. "Da hat jeder am Anfang gesagt: Welch ein Fehleinkauf, der bringt gar nix. Auf einmal war er dann ein Weltstar", sagte Ruhnert vor knapp zwei Wochen. Angesprochen auf diese Aussage reagierte Endo am Donnerstag erst mit einem Schmunzeln, dann ließ er übersetzen: "Ich würde sagen, dass ich in Japan eine viel kleinere Rolle gespielt habe als Herr Kagawa damals."

Ob Herr Endo einmal eine ähnliche Entwicklung nehmen wird wie Herr Kagawa? Abwarten. In jedem Fall wirkt der Neuzugang von den Yokohama F. Marinos, als habe er sich gut auf den Schritt ins Ausland vorbereitet und eine sehr bewusste Entscheidung getroffen. Eine Einschätzung, die sein Dolmetscher bestätigt. "Keita passt sich an, ohne sich zu verbiegen. Er ist ruhig, aber er beobachtet viele Dinge", sagte Jumpei Yamamori und erklärte: "Man sieht ihm an, dass er sich mental auf die Hürden vorbereitet hat."

Neue Sprache und neue Essgewohnheiten

Die Hürden - da wäre zum einen natürlich die Sprache zu nennen; deshalb soll für Endo nach dem Trainingslager in Bad Wörishofen (17. bis 25. August) auch der Deutschunterricht beginnen. Zum anderen sind es auch die Essgewohnheiten, wie Endo sagte. Die unterscheiden sich zwischen Japan und Deutschland merklich. Genauer: "weniger Reis, mehr Brot". Sagte Endo. Schließlich geht es auch um die sportliche Integration, die Anpassung an die Bundesliga und Unions Fußball. "Ich habe mir bewusst gemacht, dass ich auf viele Hürden stoßen werde, die ich überwinden möchte", fasste Endo zusammen, der mehrmals auf unterschiedliche Weise die Botschaft übersetzen ließ: "Es ist wichtig, dass ich mich integriere."

Was die Integration und das Einleben in seiner neuen Umgebung angeht, da konnte er wohl bereits erste Fortschritte erzielen. Auch dank der Hilfe von Teamkollege Christopher Lenz habe er beispielsweise eine Wohnung gefunden. Zudem sei bei ihm bei den ersten Kurztrips in die Berliner Innenstadt und angesichts der vielen Menschen, die sich bei den hochsommerlichen Temperaturen an der Spree sonnen, der Eindruck entstanden, "dass die Menschen hier sehr glücklich leben", berichtete Endo.

Möglicherweise wird sich das Urteil noch etwas ändern, sobald der Japaner den Berliner Stadtverkehr näher kennengelernt hat. Da kann es mit der - mitunter eingeschränkten - Freundlichkeit vieler Berliner schnell vorbei sein. Aber nicht nur deshalb könnte das Autofahren zu Beginn zu einer weiteren Hürde werden. In Japan herrscht Linksverkehr. Die Umstellung auf deutsche Verhältnisse "könnte vielleicht am Anfang Probleme bereiten", glaubt Endo.

Union kann nach einem Jahr die Kaufoption ziehen

Ein Jahr hat er nun Zeit für die Bewältigung dieser und anderer Herausforderungen, die der Schritt ins Ausland mit sich bringt. Bis Juni 2021 läuft der Leihdeal, zu dem auch eine Kaufoption gehört, die sich Union sicherte. Geht es nach Endo, soll das Auslandsabenteuer im Sommer 2021 aber für ihn noch nicht beendet sein. Denn, das stellte er am Donnerstag klar: "Ich spiele aktuell nicht mit dem Gedanken, zu den Marinos zurückzugehen."

Jan Reinold

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