2. Bundesliga

"Keine Spielchen!" FC St. Paulis Kampf um Schalke

Nur acht Profis beim Training, aber trotz Corona-Ausbruch will St. Pauli spielen

"Keine Spielchen!" Der Kampf um Schalke

St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann will unbedingt auf Schalke spielen.

St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann will unbedingt auf Schalke spielen. IMAGO/Nordphoto

Klar indes ist auch: Es geht dann nicht mehr in erster Linie um das Wahren einer Minimalchance im Aufstiegskampf, sondern vor allem darum, eine halbwegs konkurrenzfähige Mannschaft aufstellen zu können. Zehn Profis sind in Isolation, außer dem bereits Freitag positiv getesteten Philipp Ziereis wird kein Name veröffentlicht.

Das Durchzählen auf dem Trainingsplatz zum Wochenstart war schnell getan. Mit Daniel-Kofi Kyereh, Leart Paqarada, Jakov Medic, Jackson Irvine, Afeez Aremu, Igor Matanovic, Marcel Beifus sowie die Torhüter Dennis Smarsch und Sören Ahlers waren neun Profis auf dem Platz, aufgefüllt wurde die Gruppe durch U-23- und U-19-Spieler.

Bornemann: "Wir verfallen auch nicht in Selbstmitleid"

Da zudem sechs weitere Profis fehlen, ist die Zahl der zu erwartenden Ausfälle exorbitant, dennoch stellt Bornemann unmissverständlich klar: "Wir versuchen jetzt nicht, noch Spieler zu finden, die wir nicht spielfähig melden könnten, um eine Verlegung beantragen zu können, sondern wir tun alles, um eine konkurrenzfähige Gruppe zusammenzukriegen. Wir wollen keine Spielchen spielen, um nicht antreten zu müssen. Wir verfallen auch nicht in Selbstmitleid."

Avevor gilt für die DFL als spielfähig

Die Rechnung ist diese: "Wir brauchen 15 spielberechtigte Spieler, darunter müssen neun Lizenzspieler und ein Torwart sein. Die haben wir Stand jetzt." Über die Qualität des zur Verfügung stehenden Kaders indes sagt dies rein gar nichts aus. Denn: Die verletzten und nicht infizierten Profis gelten offiziell als einsatzberechtigt, Bornemann zeigt dies am Beispiel von Christopher Avevor auf, der seit knapp zwei Jahren wegen Sprunggelenks-Operationen kein Spiel mehr bestritten hat und immer noch im Krankenstand ist. "Für die DFL", sagt der 50-Jährige, "zählt er als spielfähig."

Kein neuer positiver Befund

Da die Spielberechtigungsliste nachgefüllt werden kann, geht Bornemann davon aus, gemäß den Statuten, einen spielfähigen Kader zusammenzubekommen, baut aber bewusst den Hinweis "Stand jetzt" ein. Denn: Weitere Fälle dürften nicht hinzukommen, seit Sonntag aber ergaben die Testungen keinen neuen positiven Befund.

Für den aktuellen Alltag hat St. Pauli in den Modus zurückgeschaltet, der nach dem Re-Start vor knapp zwei Jahren vorgegeben war: "Unsere Spieler treffen nur im Freien aufeinander. Sie kommen umgezogen zum Trainingsplatz, duschen zu Hause." Antworten auf die Frage, wie es zum Massenausbruch kommen konnte, haben die Verantwortlichen nicht: "Wir sind zuvor sehr gut durch die Pandemie gekommen, haben an unserem Konzept die ganze Zeit festgehalten."

"Wir werden keinen einem gesundheitlichen Risiko aussetzen"

Das Konzept bis zum Samstag sieht vor, alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Und zwar auf allen Ebenen. In Hamburg gilt unverändert eine Isolationsanordnung von zehn Tagen, inklusive der Möglichkeit, sich nach sieben Tagen freitesten zu können. Ob das Bundesland der RKI-Empfehlung, Freitestungen nach fünf Tagen zu erlauben, folgt, ist noch offen. Für St. Pauli wäre es relevant: Da die Symptome beim Gros der Gruppe am vergangenen Samstag aufgetreten sind, wäre bei Einzelnen theoretisch ab Freitag eine Freitestung möglich. Und damit auch eine Nominierung für den Schalke-Kader? "Maßgeblich", sagt Bornemann, "ist für uns der Zustand des jeweiligen Spielers. Nur bei hundertprozentiger Symptomfreiheit und dem Okay nach der kardiologischen Untersuchung würden wir jemanden mitnehmen. Wir werden keinen einem gesundheitlichen Risiko aussetzen."

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Die Zielsetzung nach dem 1:1 gegen Nürnberg war, auf Schalke die letzte Möglichkeit zu ergreifen, nochmal eine Hand an den Aufstiegszug zu bekommen. Die Tage danach haben die Ausgangslage ganz und gar verändert und die ernüchternde Erkenntnis gebracht, dass er spätestens jetzt abgefahren ist. Ohne den Herbstmeister, für den die aktuelle Lage so etwas wie das i-Tüpfelchen auf einer sportlich missratenen Rückserie ist. "Für alle", beschwört Bornemann, "ist der Samstag jetzt die Chance, als Gruppe nochmal ein ganz großes Zeichen zu setzen und zu versuchen zu verhindern, dass nach dem Spiel in der Arena der Freibier-Hahn aufgeht."

"Wir wissen, dass die Konkurrenz auf dieses Spiel schaut"

Der besonderen Verantwortung ist er sich bewusst: "Ich habe das Gefühl, dass diejenigen, die noch da sind, unbedingt wollen.  Wir wissen, dass die Konkurrenz auf dieses Spiel schaut." Die Blicke auf St. Pauli gehen derweil vor allem in die eigenen Reihen. Es ist eine Suche nach gesunden Spielern und Genesenen.

Sebastian Wolff

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