Bundesliga

Keine personelle Veränderung: Terzic bleibt BVB-Trainer

Weiter so mit dem Trainer, aber kein Weiter so

Keine personelle Veränderung: Terzic bleibt BVB-Trainer

Leitet weiterhin die sportlichen Geschicke des BVB: Dortmunds Trainer Edin Terzic

Leitet weiterhin die sportlichen Geschicke des BVB: Dortmunds Trainer Edin Terzic IMAGO/osnapix

Ruhig, sachlich und analytisch wollten Klubboss Hans-Joachim Watzke und sein externer Berater Matthias Sammer mit Sportdirektor Sebastian Kehl und Trainer Edin Terzic in der Elefantenrunde am Donnerstag die erste Saisonhälfte aufarbeiten und daraus die richtigen Schlüsse ziehen.

Der Gruppensieg in der sogenannten Todesgruppe F und die damit verbundene Qualifikation für das Achtelfinale der Champions League standen dabei auf der Habenseite, das frühe und noch dazu hochverdiente DFB-Pokal-Aus in Stuttgart sowie sechs Punkte Rückstand in der Liga auf Rang vier auf der Negativseite.

Spiele von Borussia Dortmund

Zwei Extreme, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen, die jedoch genau jene zwei Gesichter abbilden, die die Dortmunder Mannschaft in den zurückliegenden Monaten immer wieder gezeigt hat. Zum Verdruss der Fans. Zum Leidwesen des Trainers und des Sportdirektors. Zum Frust des Bosses. Dass am Ende der Tagung der Entschluss stand, am Führungspersonal nichts zu ändern und eben nicht den oft zitierten branchenüblichen Gesetzen zu folgen, ist im Hinblick darauf nachvollziehbar.

Nicht allein, weil Watzke kein Freund von Entlassungen während einer Saison ist. Sondern auch, weil in der Vergangenheit schon allzu oft Trainer in Dortmund über die Mannschaft gestolpert sind. Den Profis diesmal kein Alibi zu geben, sondern sie stärker in die Pflicht zu nehmen, ist daher zweifellos richtig. Wie die Verantwortlichen das durchsetzen werden, wird in den nächsten Wochen spannend zu beobachten sein.

Reichen die Beschlüsse zur Wende?

Ob die am Donnerstag gefassten Beschlüsse reichen, um eine abermalige Wende einzuleiten - wie zu Terzic‘ Interimszeit 2021 und in der Vorsaison -, ist abzuwarten. Denn so groß die Verantwortung der Spieler an der aktuellen Situation ist, frei von Fehlern war auch Terzic nicht. Der 41-Jährige muss in der Rückrunde eine einheitliche Linie in Sachen Taktik vorgeben und darf nicht weiter zwischen einer aktiven und passiven Spielweise pendeln. Durch die Maßnahme, die gegen Leverkusen noch nachvollziehbar war, in Stuttgart aber zur absoluten Mutlosigkeit seiner Elf führte, hat er sich angreifbar gemacht und sich nicht nur den Ärger der Fans eingebracht, die die BVB-DNA vermissten. Manch einer seiner Spieler nutzte diese offene Flanke sofort, um aktiv Stimmung gegen ihn zu betreiben. Terzic indes hat bereits bewiesen, dass er Trendwenden herbeiführen, Spieler besser machen und auch sich und seine Arbeit weiterentwickeln kann. Ihm ein weiteres Mal die Chance zu geben, ist fair.

Auch Kehl steht nun in der Pflicht. Er muss möglichst zügig den aus unterschiedlichen Gründen nicht optimal zusammengestellten Kader verbessern, idealerweise bereits im Winter. Vor allem aber sollten der Sportdirektor und sein Trainer den zuletzt geübten Schulterschluss noch stärker mit Leben füllen und die Chance erkennen, die sich ihnen beim BVB bietet.

1. Bundesliga - Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05 am 19.12.2023 im Signal Iduna Park in Dortmund Torwart Gregor Kobel (Dortmund 1) und Trainer Edin Terzic (Dortmund) nach dem Abpfiff mit Shakehands *** 1 Bundesliga Borussia Dortmund 1 FSV Mainz 05 on 19 12 2023 at Signal Iduna Park in Dortmund Goalkeeper Gregor Kobel Dortmund 1 and coach Edin Terzic Dortmund after the final whistle with shakehands MH

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Kehl und Terzic: Viele Baustellen erfordern ein Miteinander

Klubboss Watzke, dessen Vertrag im Dezember 2025 endet, ist ein Freund von Kontinuität. Auch möchte er, wenn er eines nicht mehr ganz so entfernten Tages Platz für einen Nachfolger macht, ein bestelltes Feld übergeben. Sorgen Kehl und Terzic mit einem guten Miteinander, das von Respekt und Vertrauen geprägt ist, dafür, könnten sie eine Ära prägen wie manche ihrer Vorgänger. Dass das nur miteinander und nicht gegeneinander geht, versteht sich von selbst. Beide besitzen Verträge bis 2025. Ab jetzt geht es noch stärker als bislang darum, Argumente für eine Verlängerung zu sammeln.

Testspiele des BVB

Baustellen gibt es viele, auf denen sie mit vereinten Kräften aktiv werden müssen. Ganz akut, bei der Verbesserung der sportlichen Situation. Aber auch perspektivisch beim weiteren Umbau des Kaders, der nach den Erkenntnissen der vergangenen anderthalb Jahre entschiedener und mit anderen Nuancierungen vorgenommen werden muss als bislang. Der Weg, auf gestandene Profis zu setzen, ist nicht in allen Punkten gescheitert. So stellt sich die Mentalitätsdebatte in Dortmund inzwischen nicht mehr so oft wie in den Vorjahren.

Die Wankelmütigkeit aber konnte nicht ausgetrieben werden, das finale Spiel gegen Mainz (1:1) am Jahresende war mit seinen völlig verschiedenen Hälften das beste Beispiel dafür. Zu viele Spieler kamen zuletzt nicht an ihre Leistungsgrenze. Bei zu vielen lagen Anspruch und Wirklichkeit zu weit auseinander. Zu oft fehlte den Profis aber auch das nötige Rüstzeug, um auf veränderte Herausforderungen angemessen zu reagieren.

BVB-Trainer und ihre Punkteschnitte

Der Klub muss auch über Strukturveränderungen nachdenken

Schmerzlich wirkt der Verlust von Spielstärke nach den jüngsten Abgängen von Jude Bellingham und Raphael Guerreiro. Der BVB benötigt auf dem Feld wieder mehr spielerische Klasse, mehr Kreativität, mehr Sexyness. So ehrenwert der - in der Liga nicht funktionierende - Ansatz von Kehl und Terzic war, die Anzahl der Gegentore zu minimieren: In Dortmund gewinnen die Fans lieber 3:2 als 1:0.

Perspektivisch sollte der Klub zudem darüber nachdenken, sich künftig noch breiter aufzustellen und stärker externe Impulse zuzulassen. Auf die immer komplexer werdenden Prozesse im Fußballgeschäft angemessen zu reagieren, funktioniert auf Dauer nur, indem man die Aufgaben auf mehrere Schultern verteilt. Aber hier ist eines essenziell: Vertrauen.

Matthias Dersch

Bilder zur Partie Borussia Dortmund gegen Mainz 05