Bundesliga

Keine Ergebnisse, keine Entwicklung - Luft für Hütter wird dünn

Gladbach strauchelt weiter - eine Analyse der Situation

Keine Ergebnisse, keine Entwicklung: Die Luft für Hütter wird dünn

Muss seine Spieler zuletzt häufig trösten: Adi Hütter.

Muss seine Spieler zuletzt häufig trösten: Adi Hütter. imago images/Team 2

Adi Hütter versuchte zu erklären, was nicht zu erklären ist. Diese 0:3-Packung beim Tabellen-Zwölften der 2. Liga. Eine Blamage, deren Zustandekommen den ganzen Klub in höchste Alarmstimmung versetzen muss. "Es ist eine sehr große Enttäuschung, wie wir aufgetreten sind", sagte Gladbachs Trainer nach der Pokal-Abfuhr bei Hannover 96. "Uns ist wenig eingefallen. Wir haben falsche Entscheidungen getroffen, die wichtigen Zweikämpfe verloren und in Umschaltsituationen, in denen wir in Überzahl waren, zu langsam gespielt. Ich bin sauer, dass wir ausgeschieden sind."

Die riesige Chance im Pokalwettbewerb weggeworfen, Abstiegskampf in der Liga - für Hütter wird es jetzt ganz eng. In der ersten Saison unter dem Österreicher droht der Total-Crash. Schonungslos offenbarte sich am Mittwochabend, wie ernst es um diese Borussen-Mannschaft bestellt ist. Der Abstieg ist längst kein unrealistisches Szenario mehr, da kann noch so oft auf die grundsätzlich vorhandene Qualität des Kaders verwiesen werden.

Seit dem Zwischenhoch im Herbst mit 14 Punkten aus sieben Spielen und dem spektakulären 5:0-Triumph im Pokal gegen den FC Bayern geht's im freien Fall nach unten. Von den vergangenen acht Pflichtspielen wurden sechs verloren. Nur zum Auftakt der Rückrunde fuhren die Fohlen einen Sieg ein, 2:1 in München. Ein Strohfeuer, wie die anschließenden Niederlagen zuhause gegen Leverkusen (1:2) und in Hannover zeigen.

Es ist eine Riesenaufgabe, da müssen alle gemeinsam versuchen rauszukommen.

Adi Hütter

Der Sturzflug wirft zwangsläufig Fragen um die Zukunft des Trainers auf. Trauen die Verantwortlichen Hütter die Wende zu? Findet der 51-Jährige noch die richtigen Mittel gegen die Krise? Der indiskutable Auftritt seiner Elf in Hannover lässt da erhebliche Zweifel zu. Auf der Pressekonferenz wurde der Coach gefragt, ob er Angst um seinen Job habe. "Nein", lautete Hütters Antwort. "Ich mache mir heute mehr Gedanken, wie wir gespielt haben." Und er gab sich kämpferisch: "Die Situation, in der wir stecken, ist nicht zufriedenstellend. Das muss man klar sagen. Ich werde mein Bestmögliches geben, um die Mannschaft wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Es ist eine Riesenaufgabe, da müssen alle gemeinsam versuchen rauszukommen. Wir müssen uns an die eigene Nase fassen und Klartext reden."

Gladbacher Wackel-Abwehr - Nur auf Sommer ist Verlass

Keine Ergebnisse. Keine Entwicklung. Das ist aus Borussen-Sicht der alarmierende Stand im Januar 2022. Und immer noch finden Trainer und Mannschaft keine Lösungen für die vielen Probleme, die sich seit langem auf dem Platz zeigen. Zum Beispiel in der Defensive. Das Fundament, das Hütter legen wollte, die Stabilität im hinteren Bereich, lässt sich nicht erkennen. Es bleibt, egal in welcher Besetzung, eine Wackel-Abwehr, die an die Gegner Einladungen in Hülle und Fülle verteilt. Die Mannschaft schafft es, sich durch unerklärliche individuelle Fehler selbst in die größten Schwierigkeiten zu bringen. Sogar Zweitligist Hannover hätte Gladbach vier, fünf Tore einschenken können. Allein dem beständig starken Yann Sommer verdankt das Team, dass es nicht noch häufiger im eigenen Kasten klingelt.

Keine Power in der Offensive - Wo sind Pleas und Thurams Gedanken?

Und was ist eigentlich mit der Offensive los? Wohin hat sich die über Jahre so eindrucksvolle fußballerische Klasse und Spielstärke verabschiedet? Ideenlos, ohne Intensität und Tempo trat die Fohlenelf in Hannover auf. Man sieht keine Power mehr, keine Wucht, kein Durchsetzungsvermögen. Breel Embolo und Lars Stindl sind bemüht, fleißig, keine Frage. Aber die Torgefährlichkeit ist weg, der Output fehlt. Und dann Marcus Thuram und Alassane Plea, von denen leistungsmäßig gar nichts mehr kommt. Beide wirken weiterhin so, als seien sie gedanklich schon ganz woanders. Flattert für die Stürmer ein ordentliches Angebot ins Haus, dürfte die Wechsel-Freigabe nur Formsache sein. Laut der französischen L‘Équipe zeigt Newcastle United Interesse an Plea. Auch Zenit St. Petersburg soll den Angreifer auf dem Zettel haben.

Unklare Lage bei wechselwilligen Profis sorgt für Unruhe

Die unklare Lage bei einigen wechselwilligen Profis sorgt für zusätzliche Unruhe in der prekären Lage, genau wie das Theater um Matthias Ginter. Und wer sieht, wie sich die Mannschaft präsentiert, muss Zweifel bekommen, dass innerhalb des Kaders wirklich alles in Ordnung ist, wie es die Profis selbst behaupten.

Alles in allem ist da eine ganz gefährliche Gemengelage entstanden in Gladbach. Hütter steht vor einer Herkulesaufgabe. Und vor allem muss er blitzschnell Ergebnisse liefern. Schon am Samstag gegen Union Berlin (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker).

Wie geht Eberl mit dem Trainerthema um?

Der Umgang von Max Eberl mit dem Trainerthema wird spannend. Auch an der Arbeit des Sportdirektors entzündet sich mehr und mehr Kritik: Das Festhalten an Hütter-Vorgänger Marco Rose in der vergangenen Saison. Die missglückte Kaderpolitik. Die Entscheidung für Hütter. Dazu die für den Coach gezahlte Ablösesumme von 7,5 Millionen Euro als zusätzliche Hypothek.

Der Druck, der im Moment auf allen Beteiligten im Borussia-Park lastet, ist riesengroß.

Jan Lustig

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