Bundesliga

Keine Debatte um Stevens - aber Gespräche mit Martin Jol

Hamburg: Wieder ein Niederländer im Visier

Keine Debatte um Stevens - aber Gespräche mit Martin Jol

Martin Jol

Kontaktaufnahme: Der HSV hat auch Martin Jol im Blickfeld. imago

Nur die Büroräume der Vorstandsetage waren besetzt am gestrigen Sonntag. Hamburgs Profis besuchten verschiedene Fanklubs, Huub Stevens weilte am Krankenbett seiner Gattin Toos in Eindhoven. Fakten aber schufen die Bosse am Sonntag nicht. Dass der scheidende Trainer den Negativtrend nicht stoppen kann, sehen auch die Verantwortlichen. Als Ursache für die Krise indes sehen sie ihn nicht.

Die Zahlen sind alarmierend vor der Partie am kommenden Samstag in Rostock. Zur Erinnerung: Das Hinspiel gegen Hansa war die erste Partie nach der Bekanntgabe von Stevens Abschied zum Saisonende und wurde 2:0 gewonnen - es war einer von seither nur noch vier Siegen in 17 Partien, der Punkteschnitt des Niederländers sank von 2,02 pro Spiel vor der Bekanntgabe auf 1,31. Hinzu kommen die spielerische Armut und die dramatische Torflaute. Jämmerliche drei Törchen gelangen dem HSV in den letzten acht Partien. "Wir sollten mal wieder versuchen, ein Tor zu erzielen und nicht mehr über die Champions League reden", rät Frank Rost. Über den amtierenden Trainer reden sie nicht.

Noch nicht? Bis jetzt bestimmte die Suche nach Stevens Nachfolger die Gedankengänge. Gerard Houllier (60) hat dem HSV noch nicht offiziell abgesagt. Dennoch wurde mit dem Ex-Coach von Tottenham, dem Niederländer Martin Jol (52), Kontakt aufgenommen. Hamburgs Bosse benötigen eine echte Alternative, falls Hochkaräter Houllier abspringt.

Derweil muss Stevens schnell die Kurve kriegen. "Ich mache mir Sorgen", gesteht der 54-Jährige und betont gleichzeitig: "Aber nicht nur um Fußball. Es gibt im Leben auch wichtigere Dinge!" In der Kabine, beteuern Hamburgs Profis, könne Stevens trennen zwischen sportlichen Problemen und den Sorgen um seine Frau. "Er ist zu 100 Prozent bei der Mannschaft", sagt Rafael van der Vaart. Aber mit wie viel Prozent ist die Mannschaft noch beim Trainer, jetzt da nach dem Aus im Titelrennen, im DFB-Pokal und im UEFA-Cup auch der Traum von der Champions League geplatzt ist? "Wir müssen jetzt alles für den UEFA-Cup tun", fordert Joris Mathijsen, und Klubboss Bernd Hoffmann fand gar, das 0:1 gegen Schalke hätte "keinen Anlass für eine Generalkritik" gegeben. Die Krise hat bescheiden gemacht.

Sebastian Wolff