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Kein neuer Brady, kein neuer Manning: Wo ist der Glanz hin, Patriots und Colts?

New England hat den Glanz alter Tage verloren

Kein neuer Brady, kein neuer Manning: Wo ist der Glanz hin, Patriots und Colts?

Zwei ewige NFL-Legenden unter sich: Colts-Quarterback Peyton Manning (li.) und Patriots-Ass Tom Brady.

Zwei ewige NFL-Legenden unter sich: Colts-Quarterback Peyton Manning (li.) und Patriots-Ass Tom Brady. Getty Images

Ab 2000 und seit dem Einstieg von Trainerlegende Bill Belichick und Quarterback-Ikone Tom Brady waren die New England Patriots das Maß der Dinge in der NFL. Siege ohne Ende, AFC-East-Titel am laufenden Band und stolze sechs Super-Bowl-Siege. Mehr hat in der Geschichte der Liga kein anderes Franchise gesammelt - lediglich die Pittsburgh Steelers halten durch ihre glorreichen 70er Jahre und den zwei Titeln in den 2000ern mit Quarterback-Aushängeschild "Big Ben" Roethlisberger mit ebenfalls sechs Titeln Schritt.

Doch die Betonung im Falle der Patriots liegt inzwischen auf "waren". Denn seit Bradys Abschied 2019 ist das Team aus Foxborough/Massachusetts kein Aushängeschild mehr, läuft der Musik vielmehr immer mehr hinterher, sodass auch Belichick mit seinen 71 Jahren selbst angezählt wird. Mit dem aktuellen Abschneiden von nur zwei Siegen aus neun Spielen stehen die stolzen Patriots so schlecht wie seit Ewigkeiten nicht mehr da - genauer gesagt seit 2000, Belichicks Amtsübernahme und Bradys Anfang einer großartigen Karriere.

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Und so hat natürlich auch das bevorstehende Deutschland-Gastspiel der NFL zwischen Patriots und Colts über die Jahre an Glanz verloren, weil vor allem auch Indianapolis nur mäßige Erfolge vorweisen kann seit dem Karriereende von Spielmacher Andrew Luck 2019. Indy um den verletzten Rookie-Quarterback Anthony Richardson und Backup Gardner Minshew steht mit einer 4:5-Bilanz nur unwesentlich besser da, hat in der eigenen AFC South aber immerhin noch bessere Karten als New England als Letzter in der AFC East.

Brady gewinnt das Privatduell mit 11:6

Also jene AFC East, die die Patriots über Jahrzehnte (!) komplett dominiert hatten mit Cheftrainer Belichick und dem am 3. August 1977 in San Mateo/Kalifornien geborenen Brady, der im NFL-Draft 2000 in der sechsten Runde an 199. Stelle als wie sich zeigen sollte hochgradig unterschätzter Rookie gezogen wurde.

Die gesamte NFL sollte sich über viele, viele Jahre fürchten, denn New England ist mit Brady am Abzug und Belichick am Mikrofon sowie am Taktikbrett ein beeindruckendes Team. Phänomenale Erfolge inklusive: In 20 Spielzeiten gewann das Duo 17-mal den AFC-East-Titel sowie die großen sechs Super Bowls. Neunmal wurde das Finale erreicht (Rekord). Allein dem Top-Quarterback glückten in 108 internen Divisionsduellen 86 Siege.

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Ein Klassiker auf dem steten Weg zum Super Bowl: Matches zwischen Patriots und Colts, glorreiche Duelle zwischen Brady und Peyton Manning. Dieser trat bekanntlich nach seinem zweiten Super-Bowl-Sieg Anfang 2016 mit den Denver Broncos zurück und beendete mit 40 Jahren seine Karriere. Bis dahin standen sich er und "TB12", die sich schätzen und respektieren, in etlichen Vergleichen gegenüber. Diese freundschaftliche Rivalität wurde zu einem Dauerbrenner - und in diesem Klassiker behielt Brady neben seinen Titeln mit 11:6 die Oberhand. 2007 gingen allerdings die Colts mit Peyton Manning einmal den ganzen Weg bis zum Ring (29:17 gegen die Chicago Bears).

Kurzer Einschub: Gegen Peytons Bruder Eli sah es insgesamt schlechter aus Bradys Sicht aus - gleich zwei Super-Bowl-Niederlagen gab es gegen ihn und seine damaligen New York Giants (2008, 2012).

Tom Brady - Der mit sieben Ringen erfolgreichste Quarterback der NFL-Geschichte

Brady: "Peyton war immer jemand, zu dem ich bewundernd aufgeblickt habe"

Zwar dominierte der im NFL-Draft 2000 erst spät gezogene Brady den direkten Vergleich mit Peyton Manning (First Overall Pick der Indianapolis Colts im Jahr 1998) mit einer Siegbilanz von 11:6 und war auch in Sachen Super Bowls eine Spur größer mit sechs Titeln mit den Pats und später noch einem mit den Tampa Bay Buccaneers.

Peyton Manning und Tom Brady

Zwei NFL-Ikonen: Peyton Manning und Tom Brady. Icon Sportswire via Getty Images

Allerdings war dieses Duell mehr als nur ein Duell, es war die Ära zweier Genies auf der Quarterback-Position. Denn sowohl Brady als auch Manning verstanden das Spiel nicht nur, sie atmeten es, sie sahen die Pläne der gegnerischen Defense in Sekundenbruchteilen, kamen mit perfekten Antworten daher und stellten in ihren Laufbahnen deshalb reihenweise Franchise- und NFL-Rekorde auf.

Was das stetige Wiedersehen auch den beiden bedeutet hatte, verdeutlichte Brady einmal im Jahr 2021: "Peyton war immer jemand, zu dem ich bewundernd aufgeblickt habe. Er war ja auch etwas älter als ich und hat einfach immer das Richtige gemacht. Wenn du auf ein Team mit ihm getroffen bist, dann bist du immer auf die beste Mannschaft der NFL getroffen." Der inzwischen siebenmalige Champion sagte zudem: "Gegen jemanden 17-mal zu spielen, ist ziemlich cool - vor allem, wenn dieser jemand so großartig ist wie Peyton."

Zwei Brüder, vier Ringe: Die Ära Manning in Bildern

Ein Super Bowl war nie möglich

Und Manning, der mit 40 Jahren nach dem Super-Bowl-Sieg mit den Broncos den Schlussstrich gezogen hatte, wurde mal über den nimmermüden und bis 2022 aktiven "TB12" mal los: "Brady spielt definitiv Football, bis er 70 ist. Das schaffe ich nicht."

"Zwei Elite-Quarterbacks, eine unvergessliche Rivalität", schrieb zudem "NFL.com" 2016 beim letzten der 17 Duelle zwischen den beiden Football-Granden. Die "USA Today" griff sogar nach einem Superlativ. Manning gegen Brady, das sei die "wohl größte Rivalität zweier Einzelpersonen im amerikanischen Mannschaftssport". Auch abseits des Feldes begegneten sie sich immer wieder - bei Interviews, in Werbeclips, bei gemeinsamen Events. So schaltete sich Brady etwa auch bei Mannings Hall-of-Fame-Aufnahme 2021 mit ein und schrieb auf Twitter: "Ich wollte nur sichergehen, dass er wirklich fertig ist. Ich kann es nicht riskieren, dass der Typ wieder in die NFL zurückkehrt."

Was aber eben nie möglich war: ein direktes Super-Bowl-Duell der beiden Legenden. Was schlichtweg darin begründet war, dass beide während ihrer parallen NFL-Zeit nur für AFC-Teams spielten - und eben nur ein AFC-Team in den Super Bowl gegen eine Mannschaft aus der NFC einziehen kann. Dennoch sorgten die vielen direkten Vergleich, die es nur in den Jahren 2008, 2011 und 2015 nicht gegeben hatte, für einen jeweils großen Aufschlag. Kurioses inklusive: Fünfmal sahen sich Brady und Manning in den Play-offs (darunter vier AFC Championship Games) - und hier gewann Peyton gegen Tom drei Partien (einmal mit Indy 2006/07, zweimal mit Denver 2013/14, 2015/16).

Patriots und Colts müssen sich neu erfinden

Sicherlich beobachten beide Granden des American Footballs genau, was ihre ehemaligen Teams derzeit so unternehmen - und dürften sich jeweils wieder mehr Erfolg wünschen. Denn der bleibt wie bereits zu Beginn erwähnt fast komplett aus: Seit Bradys Abschied 2019 haben die Patriots nicht mehr die AFC East gewonnen und nur 2021 einmal die Play-offs erreicht. Die Colts warten schon seit 2014 auf die erneute Thronbesteigung in der AFC South (neun Titel insgesamt, sieben mit Peyton Manning, zwei mit Nachfolger Luck), in der Endrunde ist das Franchise aus dem US-Bundesstaat Indiana immerhin noch nach den Regular Seasons 2018 und 2020 gewesen.

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Ganz klar: In der Zukunft muss bei beiden Teams viel gearbeitet werden, um auch nur annähernd an alte Erfolge anknüpfen zu können. Vielleicht bietet ja das bevorstehende Duell in Frankfurt für die siegreiche Mannschaft den Auftakt dazu - auch wenn spätestens nach dieser aus Patriots-Sicht schon fast komplett verkorksten Spielzeit die zweitgrößte Veränderung nach dem Abschied von Brady erst noch bevorsteht. Denn Head-Coach-Ikone Belichick steht dem Vernehmen nach vor dem baldigen Aus. Ein Neuanfang auf vielen Ebenen soll her.

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