Bundesliga

Kartellamtschef über 50+1: "Verfahren von hoher Sensibilität"

Behörde prüft seit 2018

Kartellamtschef über 50+1: "Verfahren von hoher Sensibilität"

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, berichtet über "breite Ermittlungen zum Thema 50+1".

Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, berichtet über "breite Ermittlungen zum Thema 50+1". imago images

"Es ist ein Verfahren, das mit hoher Sensibilität betrachtet wird, nicht nur bei uns, sondern auch bei denen, die es betrifft", sagte Mundt. Die Behörde habe "breite Ermittlungen vorgenommen zum Thema 50+1. Wir schauen, dass wir das Verfahren möglichst schnell zu Ende bringen. Wo wir stehen, dazu möchte ich mich ungern äußern". Das klingt nicht unbedingt danach, als würde das Prüfverfahren, das sich insbesondere mit der Anwendung von 50+1 im Lizensierungsverfahren und im Antragsverfahren für eine Ausnahme von 50+1 auseinandersetzt, in Bälde abgeschlossen.

Die 50+1-Regel besagt, dass die Mehrheit der stimmberechtigten Anteile einer ausgegliederten Kapitalgesellschaft in der Hand des Muttervereins bleiben muss. Ausnahmen sind möglich nach einer mindestens 20-jährigen, ununterbrochenen und erheblichen Förderung durch einen Investor oder Mäzen - eine solche Ausnahmegenehmigung etwa halten die Konzernklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg sowie die von Milliardär Dietmar Hopp geförderte TSG Hoffenheim. Auch Martin Kind wollte für Hannover 96 eine solche Genehmigung erhalten. Umstritten ist außerdem das Modell RB Leipzig, wo Hauptsponsor Red Bull 99 Prozent an der Rasenballsport Leipzig GmbH hält, der nur aus handverlesenen Mitgliedern bestehende e.V. aber die Stimmenmehrheit innehat.

Seit Juli 2018 prüft das Amt, ob die Regel gegen deutsches und europäisches Kartellrecht verstößt. "Wir sind gar nicht unbedingt von uns aus aktiv geworden, sondern auf eine Bitte der DFL hin", erklärte Mundt. Bereits 2017 wandte sich Hasan Ismaik, der umstrittene jordanische Investor des heutigen Drittligisten 1860 München, mit einer Beschwerde an die Behörde in Bonn. Dort hat amtsintern nach kicker-Informationen kürzlich der Beschlussabteilungsleiter gewechselt - das könnte ein Indiz dafür sein, dass das Kartellamt nun das Verfahren beschleunigen möchte.

Benni Hofmann