Bundesliga

Kanga und Kollegen: Herthas Suche nach der Belohnung

Geht in Augsburg der Knopf im Abschluss auf?

Kanga und Kollegen: Herthas Suche nach der Belohnung

Glückloser Berliner Arbeiter: Wilfried Kanga.

Glückloser Berliner Arbeiter: Wilfried Kanga. IMAGO/MIS

Der Trainingsschwerpunkt für den Freitag und den Samstag ist alles andere als zufällig gewählt. Aufs Offensivverhalten legt Sandro Schwarz in den 48 Stunden vorm Spiel beim FC Augsburg nochmal gesteigerten Wert. "Wir werden Abschlüsse trainieren", sagte Herthas Coach in der Spieltagspressekonferenz am Freitag. Die Eindrücke der bisherigen Woche stimmen ihn positiv: "Ich sehe die Jungs sehr fleißig trainieren und präzise in ihren Abschlüssen, auch unter Gegnerdruck. Das brauchen wir auch am Spieltag."

Eine bessere Entscheidungsfindung im Angriffsdrittel, eine stärkere Strafraumpräsenz und mehr Präzision in den Torabschlüssen - all das braucht Hertha in der Tat ziemlich zügig. Sowohl gegen Frankfurt (1:1) als auch in Mönchengladbach (0:1), bei der bisher besten Saisonleistung, vergeudeten die Berliner durch Schludrigkeiten vor dem Tor kostbare Punkte. Auch gegen Dortmund (0:1) lief offensiv vieles beim letzten und vorletzten Ball nicht gut, die drei gefährlichsten Abschlüsse kamen von außerhalb des Strafraums. "Wir müssen uns mal belohnen", sagte Fredi Bobic, der Geschäftsführer Sport, am Freitag. "Wir kriegen Blumen vom Gegner oder von außen, dass die Art, wie wir Fußball spielen, komplett anders ist und auch sehr ansehnlich." Jetzt soll Ertrag her.

Bobic: "Wir müssen einfach unseren Job machen"

Nach einem knackigen Auftaktprogramm bietet das anstehende Wochenende erstmals in dieser Bundesliga-Saison eine Aufgabe, in die Hertha nicht als Außenseiter geht - und dreifach punkten will, um sich nicht dauerhaft im Liga-Souterrain festzusetzen. "Ich weiß nicht, ob es ein wegweisendes Spiel ist", sagte Bobic. "Es ist ein wichtiges Spiel, wie jedes Bundesligaspiel, aber wir müssen das nicht runter- oder hochreden. Wir müssen einfach unseren Job machen. Wenn die Jungs ihren Job machen und diesen Einsatz bringen, den sie in den letzten Spielen gebracht haben, werden sie irgendwann auch belohnt."

Schwarz nennt den bislang torlosen Neuzugang Wilfried Kanga als Sinnbild für die engagierte, aber bislang nicht durchschlagskräftige Offensiv-Sparte: "Willy hat noch kein Tor geschossen. Aber es sind wichtige Kriterien für uns, wie er für die Mannschaft arbeitet: in der Ballbehauptung, im Durchsetzungsvermögen. Wenn du so fleißig bist, wird die Belohnung kommen. Ich habe ein hohes Vertrauen in meine Offensivabteilung, dass wir die Tore schießen werden."

Schwarz: "Wichtig ist, auf das Belohnungskonto einzahlen"

In Augsburg erwartet er ein "sehr kampfbetontes Spiel" und adressiert an sein Team den Auftrag, "unsere Inhalte, unsere Stimmungslage, unsere Haltung auf den Platz zu bekommen". Konkret: "Wir müssen giftig und aggressiv sein und sauber im Abschluss." Bei allem positiven Feedback, das von außen komme, sagt Schwarz: "Wichtig ist, auf das Belohnungskonto einzuzahlen und Spiele zu gewinnen." Nach fünf sieglosen Pflichtspielen wird es Zeit dafür. Der Kontrast der beiden Sonntags-Gegner ist deutlich: Augsburg machte bisher aus fünf Chancen drei Tore - so effizient ist kein anderer Klub. Hertha hat - mit zwei Toren aus 18 Chancen - aktuell die schwächste Verwertungsquote der Liga. Mut macht Schwarz‘ Elf die Statistik. Nur bei einem aktuellen Bundesligisten weist Hertha eine positive Auswärtsbilanz auf: Die Berliner holten in Augsburg vier Siege bei drei Niederlagen und drei Remis - und gewannen die jüngsten beiden Gastspiele: im April 2022 unter Felix Magath (1:0), im November 2020 unter Bruno Labbadia (3:0).

Steffen Rohr