Eishockey

Kanada unter sich: Maple Leafs, Canucks und Oilers in der Favoritenrolle

NHL-Vorschau, North Division

Kanada unter sich: Maple Leafs, Canucks und Oilers in der Favoritenrolle

Zwei Hoffnungsträger im Reifeprozess: Auston Matthews (l.) und Mitch Marner.

Zwei Hoffnungsträger im Reifeprozess: Auston Matthews (l.) und Mitch Marner. Getty Images

Toronto Maple Leafs

Knapp verpassten die Maple Leafs die Play-off-Teilnahme in heimischer Halle durch eine 2:3-Niederlage gegen die Columbus Blue Jackets und mussten trotz großer Ambitionen so abermals schon sehr früh in der K.-o.-Runde die Segel streichen. Und so kam es wenig überraschend, dass es zumindest beim spielenden Personal Veränderungen gab. Mit Tyson Barrie (Edmonton) ging der punktbeste Verteidiger, der aber defensiv auch altbekannte Anfälligkeit offenbarte. Kasperi Kapanen (Pittsburgh) und Andreas Johnsson (New Jersey) wurden nicht zuletzt aus finanziellen Gründen unter dem Salary Cap abgegeben.

Vor allem eines war an den Neuzugängen erkennbar: General Manager Kyle Dubas strebt insbesondere eine Änderung der Kultur in der Kabine an. Mit Joe Thornton wagen die Leafs ein interessantes Experiment. Denn der 41-Jährige spielte zwei Jahrzehnte in der NHL ausschließlich als Center, ist einer der besten Assist-Geber der NHL-Geschichte und voraussichtlich auch zukünftiges Mitglied der "Hall-of-Fame". Auf der Jagd nach seinem ersten Stanley Cup soll Thornton nun aber vorerst als Außenstürmer an der Seite der Jungstars Auston Matthews und Mitch Marner (beide 23) fungieren, beide unter seine Fittiche nehmen und so zu mehr Konstanz verhelfen. Ähnliches gilt für Wayne Simmonds (31) und den Verteidigern T.J. Brodie und Zach Bogosian (beide 30). Letzterer kam als frisch gebackener Cup-Sieger mit Tampa nach Toronto. Mit dem Finnen Mikko Lehtonen (26) entschied sich zudem auch ein heiß begehrter und schussgewaltiger Verteidiger für Toronto.

kicker-Tipp: Matthews, Marner, John Tavares, Willie Nylander oder Morgan Rielly in der Abwehr - die "Ahornblätter" verfügen über einen hochtalentierten und offensivstarken Kern und sind auch dank der etwas robuster und erfahrener gewordenen Abwehr Kandidat Nummer eins für den Divisions-Gewinn.

Winnipeg Jets - Vereinsdaten
Winnipeg Jets

Gründungsdatum

25.06.1997

Vereinsfarben

Blau-Weiß-Silber

Edmonton Oilers - Vereinsdaten
Edmonton Oilers

Gründungsdatum

01.11.1971

Vereinsfarben

Blau-Orange-Weiß

Montreal Canadiens - Vereinsdaten
Montreal Canadiens

Gründungsdatum

04.12.1909

Vereinsfarben

Rot-Weiß-Blau

Toronto Maple Leafs - Vereinsdaten
Toronto Maple Leafs

Gründungsdatum

01.01.1917

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Ottawa Senators - Vereinsdaten
Ottawa Senators

Gründungsdatum

16.12.1991

Vereinsfarben

Rot-Schwarz-Gold-Weiß

Vancouver Canucks - Vereinsdaten
Vancouver Canucks

Gründungsdatum

01.01.1945

Vereinsfarben

Blau-Grün-Silber-Weiß

Calgary Flames - Vereinsdaten
Calgary Flames

Gründungsdatum

01.11.1971

Vereinsfarben

Rot-Gold-Schwarz-Weiß

Braden Holtby

Gute Laune an neuer Wirkungsstätte: Canucks-Goalie Braden Holtby. Getty Images

Vancouver Canucks

Die Canucks befinden sich gewaltig im Aufwind. Erst nachdem Titelverteidiger St. Louis in Runde ausgeschaltet war, musste sich Vancouver im Sommer nach sieben Spielen den Vegas Golden Knights im Conference-Halbfinale geschlagen geben. Es war das beste Abschneiden eines der sieben Teams aus der neuen kanadischen North Division. In den letzten Monaten hatte Coach Travis Green aber ein paar schmerzhafte Abgänge zu verkraften, allen voran Starter Jacob Markström und Abwehrspieler Chris Tanev, die beide langfristig beim westkanadischen Lokalrivalen Calgary unterschrieben. Mit dem vielseitig einsetzbaren Angreifer Josh Leivo ging gleich noch ein dritter Akteur zu den Flames. Troy Stecher schloss sich Detroit an, auch Nachverpflichtung Tyler Toffoli war für eine Verlängerung zu teuer und unterschrieb in Montreal.

Bei der Suche nach Ersatz profitierte General Manager Jim Benning allerdings von der schwierigen Marktlage für die Spieler in der Pandemie. So unterschrieb Washingtons Meisterkeeper Braden Holtby (31) ebenso unter Marktwert wie Travis Hamonic (30), der erst einen Tag vor Saisonbeginn unterzeichnete. Nate Schmidt (29) wiederum erhielten die Canucks für lediglich ein Draftrecht der 3. Runde aus Vegas - weil dieses nach der Verpflichtung von Alex Pietrangelo dringend Geld unter dem Salary Cap freimachen musste. Im Angriff erkämpfte sich der erst 20-jährige Nils Höglander einen Platz im Kader für den Auftakt.

kicker-Tipp: Auf dem Papier hat sich Vancouver durch die Transferbewegungen womöglich sogar eher verbessert als verschlechtert. Gute Nachrichten für ein junges Team um angehende Topstars wie Elias Pettersson (22), Quinn Hughes (21) oder Brock Boeser (23), dem wohl einzig ein wenig Erfahrung zu einem Titelanwärter fehlt.

Leon Draisaitl

Auch hierzulande mittlerweile ein gefragter Interview-Gast: NHL-MVP und Deutschlands "Sportler des Jahres" Leon Draisaitl. Getty Images

Edmonton Oilers

Die Enttäuschung saß tief nach dem 1:3 in der Qualifikationsrunde gegen Chicago in eigener Halle im August, nachdem Edmonton bei Abbruch der Hauptrunde im März noch klar auf Play-off-Kurs gelegen hatte. Die Hoffnungen auf die neue Saison wurden im Herbst zunächst nicht größter, als klar wurde, dass mit Oscar Klefbom der Nummer-eins-Verteidiger mit anhaltenden Schulterproblemen die gesamte Saison ausfallen wird. Auch die erhoffte Verstärkung auf dem Torhütermarkt blieb aus, sodass sich General Manager Ken Holland letztlich dazu entschied, erneut mit dem im Liga-Vergleich eher geringgeschätzten Duo Mikko Koskinen (32) und Mike Smith (38) an den Start zu gehen.

Doch es gibt dennoch Hoffnung für ein auch jenseits von MVP Leon Draisaitl und Superstar Connor McDavid durchaus schlagkräftiges Oilers-Team und das ersehnte Ziel Play-offs: Mit dem erfahrenen Center Kyle Turris (31), Jesse Puljujärvi (22) und Dominik Kahun (25) kamen drei zusätzliche Stürmer für die ersten Sturmreihen. Kahun verzichtete auf Geld, um zu seinem Freund Draisaitl, mit dem er schon in Juniorentagen zusammenspielte, zu wechseln. Puljujärvi hatte Edmonton im Draft 2016 schon an vierter Stelle ausgewählt. Nachdem der Finne sich nicht sofort in der NHL zurecht fand, hatte er sich im Unfrieden aus Edmonton verabschiedet, verlangte einen Tausch und hatte bei seinem Heimatklub Oulu in den letzten beiden Jahren herausragende Leistungen gezeigt. Im zweiten Anlauf könnten die Oilers nun einen exzellenten Power Forward hinzugewonnen haben.

kicker-Tipp: Hinter Tor und Defensive stehen ein paar Fragezeichen, auch wenn die Entwicklung an eigenen Talenten (Bear, Jones, Bouchard, Broberg) in der Abwehr gerade erst Fahrt aufgenommen hat. Im Angriff jedoch gehörten die Oilers ohnehin schon zu den Topteams der Liga und sind nun womöglich sogar stärker geworden. Zumindest der Play-off-Einzug sollte daher drin sein.

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NIck Suzuki

Steht für die Zukunft der Canadiens: Jungstar Nick Suzuki. imago images

Montreal Canadiens

Mehr mit Glück, denn mit Leistung schafften es die Canadiens als 24. und letztes Team gerade so bis ins erweiterte Play-off-Feld im Sommer. Dann aber überraschte Montreal die Pittsburgh Penguins mit 3:1 in der Qualifikationsrunde, ehe im Conference-Viertelfinale das Aus gegen Philadelphia (2:4) kam. Dass die Stimmung vor dem Saisonstart im Traditionsstandort sehr erwartungsfroh ist, liegt indes nicht nur an den etwas unerwartet guten Leistungen in Edmonton, als die Toptalente Nick Suzuki (21) und Jesperi Kotkaniemi (20) berechtigte Hoffnungen weckten, dass das langjährigen Darben auf der Center-Positionen zu Ende sein könnte. Denn General Manager Marc Bergevin verpflichtete einige beachtenswerte Neuzugänge.

Im Tor soll Jake Allen (30) als Backup Superstar Carey Price (33) die nötigen Pausen verschaffen. In der Abwehr kam nicht nur ein Stanley-Cup-Sieg-erfahrener Akteur in Joel Edmundson (27), mit Alexander Romanov (21) steht zudem ein lange gesuchter spielstarker Linksschütze in der Abwehr vor dem Debüt. Dazu holte Bergevin in Power Forward Josh Anderson - allerdings etwas überteuert für 5,5 Millionen Dollar Jahresgehalt bis 2017 - sowie Toffoli (28; je 4,25 Millionen bis 2024) zwei schussstarke und auf dem Transfermarkt begehrte Akteure nach Montreal.

kicker-Tipp: Der Kader von Startrainer Claude Julien ist tiefer besetzt als im Vorjahr, die Toptalente ein Jahr erfahrener. Dazu besitzen die Canadiens in Price und Shea Weber noch immer herausragende defensive Schlüsselspieler. Montreal redet im Kampf um Platz vier in jedem Fall ein ernstes Wort mit. Mindestens.

Tristan Jarry

Geht in sein erstes volles Jahr als Flames-Cheftrainer: Geoff Ward. imago images

Calgary Flames

Das Play-off-Aus in der Heimatprovinz Alberta kam im August in Runde eins gegen den späteren Finalisten Dallas (2:4). Vieles wurde bei den Flames anschließend auf den Prüfstand gestellt, insbesondere die Leistungen der vermeintlichen Topspieler Sean Monahan (26) oder Johnny Gaudreau (27). Doch zumindest im Sturm wurden die Veränderungen eher kosmetisch. Mit Mark Jankowski (Pittsburgh), Tobias Rieder (Buffalo) oder Frolik gingen einzig Akteure aus den hinteren Linien. Stattdessen kamen mit Josh Leivo (Vancouver), Joakim Nordström (Boston) und Dominik Simon (Pittsburgh) Akteure auf ähnlichem Niveau.

Deutlich schwerer Wogen dagegen die Zu- und Abgänge in der Defensive: So warb man Vancouver neben Nummer-eins-Keeper Jacob Markström (30; 36 Millionen Dollar Gesamtsalär bis 2026) und Chris Tanev (31; 18 Millionen bis 2024) zwei Stützpfeiler in der Abwehr ab. Mit Brodie ging dagegen ein solcher nach Toronto. Travis Hamonic, der per Option auf die Play-offs verzichtet hatte, unterschrieb als Free Agent für kleines Geld in Vancouver. Dagegen gelang es, den 27-jährigen Offensivverteidiger Nikita Nesterov (27) nach drei Jahren bei ZSKA Moskau zurück in die NHL zu locken. Obendrein ist Prospect Juuso Välimäki (22) nach langer Verletzungspause 2019/20 nun fit und kommt mit der Empfehlung von 19 Scorerpunkten aus 19 Spielen aus Tampere in seiner Heimat - als Verteidiger.

kicker-Tipp: Der ehemalige Mannheimer Coach Geoff Ward (2014/15) geht in sein erstes volles Jahr als NHL-Cheftrainer. Will er mit einem zwar weitgehend eingespielten, aber inkonstanten Kader Erfolg haben, müssen sich Gaudreau & Co. steigern - vor allem aber die Neuzugänge um Markström die Hoffnungen bestätigen.

Patrik Laine

Bevorzugt offenbar einen Wechsel in wärmere Gefilde: Jets-Torjäger Patrik Laine. Getty Images

Winnipeg Jets

Für die Jets endete die Saison 2019/20 in der "Bubble" von Edmonton sehr frühzeitig nach einem 1:3 in der Qualifikationsrunde gegen den neuen Divisionsrivalen Calgary. In den Wochen danach wurde einmal mehr klar, wie wenig Wertschätzung Winnipeg als abgelegener, kleinster und noch dazu kältester NHL-Standort bei den Spielern genießt. Stürmer und "Restriced Free Agent" Jack Roslovic (23) gab sich erst gar nicht Mühe, über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln und fordert weiterhin einen Transfer. Schon vorher bekannt waren die Abwanderungsgedanken von Torjäger Patrik Laine (22), der nur noch bis zum Saisonende unter Vertrag steht und zuletzt schon einmal durchblicken ließ, am liebsten zu einem südkalifornischen Klub - also Los Angeles oder Anaheim - transferiert zu werden.

Zumindest mit Verteidiger Dylan DeMelo (27) gelang indes eine Vertragsverlängerung. Obendrein kehrte mit Paul Stastny (35) ein dringend benötigter Nummer-zwei-Center in die Provinz Manitoba zurück, da Bryan Littles weitere NHL-Karriere (trotz Vertrag bis 2024) verletzungsbedingt in Frage steht. Immerhin: Mit Derek Forbort (28) und den Stürmern Trevor Lewis (34) und Nate Thompson (36) gelang die Verpflichtung von weiteren erfahrenen Kräften. Der Berliner Leon Gawanke (21) wurde Mitte Januar von den Eisbären aus der DEL zurückbeordert und dürfte vorerst weiter im AHL-Farmteam Manitoba Moose auflaufen.

kicker-Tipp: Scheifele, Ehlers, Wheeler, Connor, Morrissey, auch Laine und nicht zuletzt Keeper Connor Hellebuyck - Winnipeg besitzt durchaus die Qualität im Kader, um in einer sehr ausgeglichenen Division um die Play-off-Plätze, vielleicht sogar die Spitze mitzukämpfen. Doch wie sehr belasten die Wechselquerelen um Laine und Roslovic das interne Klima?

Tim Stützle

Erst Draft, dann U-20-WM, nun wohl NHL-Debüt: Tim Stützle bei den Senators. Getty Images

Ottawa Senators

Keineswegs nur aufgrund von Tim Stützle herrscht derzeit Aufbruchstimmung beim Klub aus der kanadischen Hauptstadt. Der im Draft 2020 an Nummer drei ausgewählte Deutsche ist zwar in der Tat die Galionsfigur der neuen Senators, erst recht befeuert durch die Wahl zum besten Stürmer der U-20-WM. Doch General Manager Pierre Dorion holte in den letzten Wochen und Monaten weitere Hilfe für eines der schwächsten Teams der letzten Jahre: Derek Stepan (30), Evgeni Dadonov (31), die beide zum Auftakt Reihenkollegen Stützles sein dürften, Austin Watson (28), Erik Gudbranson (29) oder die beiden frisch gebackenen Stanley-Cup-Sieger Cedric Paquette (27) und Braydon Coburn (35) - sie alle sind gestandene NHL-Kräfte, die die Qualität und Auswahl für Coach D.J. Smith im Vergleich zum Vorjahr dramatisch verbessern.

Und da ist ja auch noch Matt Murray (26), der im Tausch aus Pittsburgh kam, und bei den beiden Stanley-Cup-Siegen der Penguins 2016 und 2017 maßgeblich beteiligt gewesen war. Der Keeper soll in Ottawa zu seiner Meisterform zurückfinden. Für Alex Galchenyuk (26), einst 2012 von Montreal im Draft schon an dritter Stelle ausgewählt, bedeuten die Senators womöglich schon die letzte NHL-Option, um dem Ruf als wankelmütiges ewiges Talent doch noch zu entkommen.

kicker-Tipp: Der Senators-Kader hat in den letzten drei Monaten sein Gesicht um über 50 Prozent verändert - und dies zum Positiven. Den Senators gehört die Zukunft. Dennoch: Selbst wenn Stützle ein exzellentes Debütjahr gelingt, scheint ein Play-off-Einzug noch zu weit weg.

Joachim Meyer

Transfers: Neues Heim für Chara, Pietrangelo & Co.