Bundesliga

VfB Stuttgarts Kaminski: "Wir müssen denken wie der SC Freiburg"

Stuttgarts Innenverteidiger zieht seine ganz persönliche Saisonbilanz

Kaminski: "Wir müssen denken wie der SC Freiburg"

Stuttgarts Innenverteidiger Marcin Kaminski freut sich auf die Bundesliga mit dem VfB.

Stuttgarts Innenverteidiger Marcin Kaminski freut sich auf die Bundesliga mit dem VfB. imago images

Marcin Kaminski über...

...seine Rückkehr ins Team: Es lief besser, als ich gedacht hatte. Ich habe gespürt, dass Pellegrino Mattarazzo auf mich gewartet hat. Als ich noch nicht mit der Mannschaft trainieren konnte, hat er mich schon gefragt, wie ich mich fühle und gesagt, dass er mit mir plane. Das hat mir geholfen, noch mehr zu arbeiten, um in guter Verfassung zurückzukehren. Ich war ein bisschen sauer, dass, als ich kurz vor meinem Comeback stand, wegen Corona alles stillstand. Aber es war auch gut, weil ich noch mehr Zeit hatte, fit zu werden. Mein Knie war danach noch ein bisschen besser.

VfB Stuttgart - Vereinsdaten
VfB Stuttgart

Gründungsdatum

09.09.1893

Vereinsfarben

Weiß-Rot

Spielersteckbrief M. Kaminski
M. Kaminski

Kaminski Marcin

2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
Arminia Bielefeld Arminia Bielefeld
68
2
VfB Stuttgart VfB Stuttgart
58
3
1. FC Heidenheim 1. FC Heidenheim
55
VfB Stuttgart - Die letzten Spiele
Eintracht Frankfurt Frankfurt (A)
1
:
1
FC Schalke 04 Schalke (H)
5
:
1

...den ultimativen Belastungstest für sein Knie: Ich hatte wegen der Verletzung nie Blockaden im Kopf. Aber alle Freunde, die ebenfalls schon einen Kreuzbandriss hatten, haben mir erzählt, dass es einen richtigen Zweikampf brauche, um hundert Prozent zurück zu sein. Und dieser Zweikampf kam auch. Während eines Trainings habe ich den Ball erobert, musste dabei das Knie überstrecken. Das habe ich Tage später noch gespürt. Aber es blieb ohne Folgen. Es war das endgültige Zeichen, dass alles gut ist.

Damals haben wir pures Glück empfunden. Diesmal überwog eher die Erleichterung.

Marcin Kaminski

...den zweiten Aufstieg mit dem VfB: Diesmal war es schon anders. Ohne die Fans, die in Stuttgart wirklich der Wahnsinn sind. 2017 konnten wir mit allen im Stadion und danach in der Stadt feiern. Damals haben wir pures Glück empfunden. Diesmal überwog eher die Erleichterung. Die Freude war nur groß, als wir in Nürnberg gewonnen und mitbekommen haben, dass Hamburg in Heidenheim verloren hat.

...das Schneckenrennen um den Aufstieg: Unsere Ergebnisse waren schlecht. Wir haben viele Punkte liegengelassen. Einmal waren wir auf dem Aufstiegsplatz, einmal war es HSV. Die Nerven spielten eine große Rolle. Es hätte auch passieren können, dass wir uns heute in der Situation befänden, in der der HSV jetzt steckt. In die wir uns selbst manövriert hätten.

Stuttgarts turbulenter Weg zurück in die Bundesliga

...die Herausforderung Bundesliga: Ich hoffe, dass wir es jetzt ein bisschen ruhiger angehen, als nach dem Aufstieg 2017. Jeder weiß, dass in Stuttgart alle so viel wie möglich so schnell wie möglich wollen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass das der falsche Weg ist. Natürlich hat der Klub Potenzial, um langfristig um europäische Plätze zu kämpfen. Aber kurz- und mittelfristig müssen wir uns erst in der Bundesliga stabilisieren.

Erst wenn sie den Klassenerhalt sicher haben, denken sie weiter. Das muss bei uns ähnlich sein.

Marcin Kaminski

...überhöhte Ziele: Wir müssen denken, wie der SC Freiburg. Ihr Ziel vor jeder Saison ist der Klassenerhalt. Erst wenn sie diesen sicher haben, denken sie weiter. Das muss bei uns ähnlich sein. Nur so kann man etwas aufbauen. Für uns war es 2017 schlecht, dass wir schon in der ersten Saison knapp die Europa League verpasst haben. Alle haben gedacht, dass wir, weil wir Siebter geworden sind, als nächstes in den Europapokal müssten. Ein Fehler. Das hat der Mannschaft nicht geholfen.

...die vielen Personalwechsel: Nur ich und unser dritter Torwart Jens Grahl haben beide Aufstiege miterlebt. Das zeigt, wie viel und wie schnell sich hier alles ändert. In dreieinhalb Jahren kamen und gingen um die 24 Spieler. Ich habe auch ein paar Trainer erlebt. Aber Kontinuität ist sehr wichtig.

Es gab schon Signale vom VfB, verlängern zu wollen. Ich möchte gerne bleiben.

Marcin Kaminski

...seine Zukunft: Es gab schon Signale vom VfB, verlängern zu wollen. Aber es gibt noch kein konkretes Vertragsangebot. Ich möchte natürlich für mich und meine Familie gerne wissen, wie man plant. Ich bin sehr zufrieden, dass ich beim VfB spielen darf. Jetzt spielen wir Bundesliga und ich möchte gerne bleiben. Ich möchte aber nicht zu viel über den Vertrag nachdenken. Für mich ist jetzt wichtiger, mich gut auf die Saison vorzubereiten, um meinen Stammplatz zu behalten.

...die Nationalmannschaft: Trainer Jerzy Brzeczek hat mich angerufen nach dem Spiel gegen Bielefeld, als ich das erste Mal nach meiner Verletzung wieder im Kader stand. Er meinte, dass er mich beobachten würde. Das war ein wichtiges Signal für mich, weil es zeigt, dass ich immer noch von der Nationalmannschaft träumen darf.

...die EURO 2021: Für mich persönlich es ist gut, dass die Europameisterschaft um ein Jahr verschoben wurde. Ich habe die Chance, eine ganze Saison vor dem Turnier zu spielen. Nicht in 2. Liga, sondern in der Bundesliga. Aber damit ich diese Chance nutzen kann, muss ich regelmäßig und gut spielen.

Er hat immer Gas gegeben, hat sich nie hängen lassen, nur weil er eine große Karriere hatte.

Marcin Kaminski über Mario Gomez

...Mario Gomez: Er hat immer sehr viel gelächelt und war immer sehr hilfsbereit zu allen. Das ist bei erfahrenen Profis nicht immer der Fall. Er hat immer Gas gegeben, hat sich nie hängen lassen, nur weil er eine große Karriere hatte. In dieser Saison hat er eines Tages selbst gemerkt, dass er nicht so oft wie früher spielt und nicht mehr dieses innere Feuer hat. Nach der Corona-Pause hat er neuen Rückenwind verspürt und wollte nochmal spüren, wie es ist, ein Tor zu schießen. In die Kabine war er nicht immer laut, aber er war, ist und wird immer eine Ikone in Stuttgart bleiben.

...Benjamin Pavard: Sein Beispiel zeigt, wie schnell es im Fußball gehen kann. Sein erstes Jahr Bundesliga war purer Wahnsinn. Alles ist perfekt gelaufen. Er schaffte es in die Nationalmannschaft, spielte sich fest. Es fühlt sich eigenartig an, dass sich ein Spieler, der vor kurzem noch mit mir in der 2. Liga spielte, Weltmeister und Deutscher Meister nennen kann. Letztes Jahr ist er aus der Bundesliga abgestiegen, jetzt hat er das Double geholt und - wer weiß - vielleicht wird es sogar das Triple. Man konnte von Anfang an sehen, dass er über sehr großes Potenzial verfügt. Ich dachte aber nicht, dass er es so schnell zeigen würde.

Georgios Moissidis