Eishockey

Kalifornischer Albtraum: Sharks, Kings und Ducks müssen zuschauen

Die Ausgeschiedenen der Western Conference

Kalifornischer Albtraum: Sharks, Kings und Ducks müssen zuschauen

Böses Erwachen im Haifischbecken: Erik Karlsson und die San Jose Sharks sind Letzter in der Western Conference.

Böses Erwachen im Haifischbecken: Erik Karlsson und die San Jose Sharks sind Letzter in der Western Conference. Getty Images

San Jose Sharks: Erst viele Sorgen, dann viele Fragezeichen

Dass Kings und Ducks nur Außenseiterchancen auf die Play-offs haben würden, war vorauszusehen. Doch dass ausgerechnet die Sharks als schlechtestes Team der Western Conference (29-36-5, 45,0 Prozent Punktequote) krachend scheitern würden, war dagegen eine faustdicke Überraschung und herbe Enttäuschung. Der personelle Aderlass im Sommer, als Leistungsträger wie Kapitän Joe Pavelski (Dallas Stars), Joonas Donskoi (Colorado Avalanche), Gustav Nyquist (Columbus Blue Jackets) oder Justin Braun (Philadelphia Flyers) abgegeben wurden, erwies sich als Hypothek. Die Hoffnung, dass wie schon in der Vergangenheit junge Talente vom AHL-Farmteam San Jose Barracuda einspringen und sofort auf NHL-Niveau überzeugen würden, erfüllte sich nicht. Zudem blieb auch Stammtorwart Martin Jones (3,0 Gegentore/Spiel, 89,6 Prozent Fangquote) weit unter seinen Möglichkeiten und wurde zum Gesicht der Krise.

Anaheim Ducks - Vereinsdaten
Anaheim Ducks

Gründungsdatum

15.06.1993

Vereinsfarben

Schwarz-Gold-Orange

Los Angeles Kings - Vereinsdaten
Los Angeles Kings

Gründungsdatum

09.02.1966

Vereinsfarben

Schwarz-Weiß-Grau

San Jose Sharks - Vereinsdaten
San Jose Sharks

Gründungsdatum

09.05.1990

Vereinsfarben

Türkis-Schwarz-Orange-Weiß

Wirklich in Schwung kam San Jose in der Saison 2019/20 nie: Vier Niederlagen zum Auftakt sowie elf Niederlagen in den ersten 15 Spielen bedeuteten einen Fehlstart. Als im Dezember fünf Spiele verloren wurden, wurde Peter DeBoer als Trainer entlassen. Bob Boughner übernahm als Interimslösung, doch musste dieser mit enormen Verletzungspech umgehen: Mit Kapitän Logan Couture (gebrochener Knöchel), Stürmer Tomas Hertl (Kreuz- und Innenbandriss im Knie) und Offensivverteidiger Erik Karlsson (Daumen-OP) fielen drei ultimative Schlüsselspieler lange aus und verpassten zusammengerechnet 60 Spiele. Zu viel: Erstmals seit 2015 und zum siebten Mal in ihrer Geschichte verpassten die Sharks die Play-offs.

Nun steht San Jose nicht nur vor einer langen, sondern auch vor einer herausfordernden Sommerpause: Trotz des schlechten Abschneidens dürfen die Sharks nicht in der 1. Runde draften, denn das entsprechende Pick wurde damals für Erik Karlsson an die Ottawa Senators getauscht. Zudem verließen vor der Trade-Deadline mit Brenden Dillon (Washington Capitals), Barclay Goodrow (Tampa Bay Lightning) und Patrick Marleau (Pittsburgh Penguins) gleich drei verdiente Spieler das sinkende Schiff. Spannend wird sein, ob San Jose einen neuen Goalie akquiriert. In der Gerüchteküche taucht etwa Caps-Keeper Braden Holtby auf, der Free Agent wird. Auch die Trainerfrage ist noch nicht geklärt: Wird Boughner zum Chefcoach befördert oder angeln sich die Sharks aktuell vereinslose Top-Trainer wie Peter Laviolette oder Gerard Gallant, die perfekt zur Hockey-DNA von Team Teal passen würden?

Los Angeles Kings: Sturms Plädoyer für Stützle?

Marco Sturm

Verlängerte als Co-Trainer bei den Los Angeles Kings: Marco Sturm. Getty Images

Lange sah es so aus, als würden die Kings wie schon im Vorjahr als Schlusslicht der Western Conference abschließen. In den letzten Wochen vor dem Corona-bedingten Abbruch der regulären Saison aber drehte Los Angeles noch einmal richtig auf: L.A. gewann die letzten sieben Spiele allesamt und holte 17 von 20 möglichen Punkten aus den letzten zehn Partien (8-1-1). Das späte Aufbäumen aber sorgte lediglich dafür, dass die Rote Laterne noch an den Rivalen nach San Jose weitergegeben wurde. Unterm Strich steht dennoch eine ernüchternde Saison und der vorletzte Platz im Westen (29-35-6, 45,7 Prozent Punktequote). Die größte Baustelle der Kings bleibt die Offensive, die mit 2,53 Toren die zweitschlechteste in der gesamten Liga war.

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Nun will sich Los Angeles für eine erfolgreichere Zukunft aufstellen. Nach den Abgängen von Ilya Kovalchuk (Montreal Canadiens), Jack Campbell, Kyle Clifford (beide Toronto Maple Leafs), Tyler Toffoli (Vancouver Canucks), Alec Martinez (Vegas Golden Knights) und Derek Forbort (Calgary Flames) gab L.A. eine Menge Qualität im Austausch für Talente und Draft-Picks ab. Die Draft-Lotterie ergab, dass die Kings im Draft 2020 an zweiter Stelle ziehen dürfen. Gut möglich, dass das deutsche Top-Talent Tim Stützle (Adler Mannheim) ausgewählt wird. Ein gewaltiger Fürsprecher dürfte dem 18-jährigen Stürmer sicher sein: Landsmann Marco Sturm. Der Co-Trainer, dessen Vertrag per Option um ein Jahr verlängert wurde, soll beim Umbruch mit anpacken und kann die Verantwortlichen sicher von Stützles Vorzügen überzeugen.

Anaheim Ducks: Keine Konstanz und zu wenig Offensivkraft

Troy Terry

Wichtiges Zeichen: Talent Troy Terry verlängerte bei den Anaheim Ducks bis 2023. Getty Images

Im Umbruch befinden sich auch weiterhin die Ducks, die die Teilnahme an der Stanley Cup Qualifikationsrunde ebenfalls deutlich verpassten (29-33-9, 47,2 Prozent Punktequote). Wirklich in Fahrt kam Anaheim in dieser Spielzeit nicht. Es fehlte flächendeckend an Konstanz. Vor allem in der Offensive drückte der Schuh, was durchschnittlich 2,56 Tore pro Spiel (29.) sowie eine Powerplay-Erfolgsquote von 14,7 Prozent (30.) unterstreichen. Und auch hinten muss sich das Team aus Orange County steigern: Mit 3,17 Gegentoren pro Partie (25.) sowie einer Unterzahl-Quote von 77,0 Prozent (26.) landeten die Ducks ligaweit ebenfalls im unteren Drittel.

Die Jagd nach dem Stanley Cup 2020

Man darf gespannt sein, wie Anaheim den Kader bis zur neuen Saison umbauen wird. Talent ist mit Spielern wie Jacob Larsson (23), Max Jones (22), Sam Steel (22) oder Troy Terry (22), der jüngst um drei Jahre bis 2023 verlängerte, vorhanden, doch scheint das Grundgerüst zu wackelig zu sein: Hinter Leistungsträgern wie Adam Henrique, Rickard Rakell, Ryan Getzlaf und Jakob Silfverberg klafft eine Lücke. Zumal durch die Abgänge von Ondrej Kase, Nick Ritchie (beide Boston Bruins), Derek Grant (Philadelphia Flyers), Devin Shore (Columbus Blue Jackets) und dem Deutschen Verteidiger Korbinian Holzer (Nashville Predators) eine Menge Tiefe verloren ging. Die Ducks müssen also aufrüsten - vor allem in der Offensive. Vielleicht bringt das sechste Pick im Draft 2020 neuen Schwung.

Christian Rupp

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