Bundesliga

Kahns deutliche Warnung: "Bei uns gibt es Grenzen"

"Der FC Bayern ist sehr gefräßig"

Kahns deutliche Warnung: "Bei uns gibt es Grenzen"

Hat große Ziele mit Bayern - trotz Corona: Oliver Kahn.

Hat große Ziele mit Bayern - trotz Corona: Oliver Kahn. picture alliance

Auch unter der neuen Führung sind die Ziele klar beim FC Bayern - es sind wie immer die höchsten. Also schickte Präsident Herbert Hainer (67) den neuen Vorstandsvorsitzenden und früheren Torhüter Oliver Kahn (52) mit einem Steilpass in die Zukunft des Klubs, als er sagte: "Oliver Kahn hat als Fußballer Geschichte geschrieben, er wird es jetzt auch als Manager."

Hainer und Kahn wissen selbstverständlich, dass sie in der Nachfolge des Duos Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge in große Fußstapfen treten. "Klar", merkte Kahn dazu an, "aber man muss nicht unbedingt in diesen Fußstapfen weiterlaufen, wenn sie so groß sind. Man kann ja auch andere Wege gehen." Unterm Strich bleibt aber "eine große Herausforderung", weil der FC Bayern unter Hoeneß-Rummenigge eben zu "einem der weltbesten Vereine der Welt gemacht" wurde.

Und da ist dieser Auftrag jetzt unter den neuen, von Corona erheblich erschwerten Bedingungen zu meistern. Kahn sprach von einer "ziemlich veränderten Fußball-Landschaft". Als erste Aufgabe will er die Zuschauer "Stück für Stück" zurückholen. Hainer geht davon aus, dass es schon zum Bundesligastart "deutlich mehr" werden als die bei den anstehenden Freundschaftsspielen genehmigten 1500.

150 Millionen Euro Umsatzverlust? "Die Ambitionen sind deswegen nicht kleiner"

Nach - bis zum Bundesligastart am 13. August gerechnet - anderthalb Jahren Pandemie hat sich beim Rekordmeister ein Umsatzverlust von 150 Millionen Euro angehäuft. Trotz dieser enormen Einbußen wird der FC Bayern seine sportlichen Ansprüche nicht reduzieren, wie der Präsident auf kicker-Nachfrage betonte: "Die Ambitionen sind bei uns deswegen nicht kleiner geworden, wir wollen definitiv den zehnten deutschen Meistertitel hintereinander holen."

Kahn nahm diesen Querpass auf und bezeichnete es als "etwas Außergewöhnliches", eine derartige Serie, die es so in einer Topliga noch nie gab, zu setzen. Zusätzlich will es der FC Bayern "immer wieder schaffen, die Champions League zu gewinnen". Und zusammengefasst sei es "natürlich weiterhin" das Bestreben, "absoluten Weltklasse-Fußball zu zeigen" und "ein Weltklasse-Fanerlebnis zu bieten", so Kahn. Das Modell mit jüngeren, im Verein geformten Spielern plus etablierten internationalen Topstars solle dafür die Basis bilden. "Der Campus", also die Ausbildung von Talenten, da sind sich Hainer und Kahn einig, werde "ein ganz wichtiger Faktor".

Geld braucht es dafür dennoch, viel Geld. Kahn baut auf das vorhandene unternehmerische Denken, ihm ist aber klar, dass das "keine einfache Geschichte" wird. Dennoch sieht er diesem Mandat, das Hainer ausdrücklich auch auf die Frauenmannschaft bezog, "Verteidigung des Meistertitels und in der europäischen Spitze mitzuspielen", positiv entgegen. Für den künftigen Trainer Julian Nagelsmann hatte Kahn zudem eine logische Willkommensbotschaft bereit. "Beim FC Bayern muss der Erfolg sehr schnell kommen, der FC Bayern ist sehr gefräßig, was seine Titelambitionen anbelangt."

Allerdings erhält der künftige Coach von der Vereinsführung viel Vertrauen auf Vorschuss, wie Kahn herausstellte: "Wir sind voll überzeugt, dass wir mit ihm eine neue Ära angehen können." Der Kader für Großtaten, so glauben beide FCB-Führungskräfte, sei derzeit schon vorhanden. "Die Mannschaft hat eine unheimliche Qualität", befand Hainer. "Wir sind total überzeugt von diesem Kader", sagte Kahn. Zudem werde von Nagelsmann eine Weiterentwicklung junger Spieler erwartet, die dann eben den Umweg über eine Ausleihe gehen müssten, weil der direkte Aufstieg aus dem Jugendbereich in den Profibereich eher nicht möglich sei.

Aber bleibt diese Münchner Belegschaft in dieser Konstellation zusammen? Mit Leon Goretzka, Kingsley Coman, Joshua Kimmich, Serge Gnabry und Niklas Süle wurde bislang keine Vertragsverlängerung erreicht. Die Balance zwischen sportlichem Erfolg und wirtschaftlicher Stabilität habe der FC Bayern in den vergangenen Jahrzehnten "unheimlich gut hinbekommen", so Hainers berechtigter Hinweis. "Diesen Weg wird der FC Bayern weitergehen."

Bayern kein Verkäuferverein? Das relativiert Kahn

Kahn ist dabei nicht bange. Mit der aktuellen Belegschaft sei das große Ziel in der Champions League "absolut zu erreichen", behauptete er, um dann grundsätzlich auszuführen: "Absolute Topspieler wollen entsprechend bezahlt werden. Da sind wir nicht naiv." Aber wie der Fall David Alaba belegt, "war der FC Bayern ab einem gewissen Punkt nicht mehr bereit, weiter zu gehen". Mit Goretzka und Coman liefen "sehr gute Gespräche". Kahn machte aber eine klare Ansage, indem er diese unmissverständliche Warnung formulierte: "Man muss als Klub eine Philosophie haben und irgendwann Entscheidungen treffen. Bei uns gibt es eine Grenze. Wir haben unsere Grenzen definiert."

Die von Rummenigge oftmals getätigte Aussage, der FC Bayern sei kein Verkaufsverein, relativierte Kahn unter dem Corona-Eindruck: "Ich wäre vorsichtig, dass Maximen, die möglicherweise in der Vergangenheit gegolten haben, ewig Bestand haben." Hainer verwies zudem auf die Namen Thiago oder Douglas Costa, beide Spieler sind verkauft worden. Man müsse als Verein auf Entwicklungen "entsprechend reagieren".

Es kann also weitere solcher Fälle geben.

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Karlheinz Wild