Bundesliga

Kahn über Lewandowski: "Eine Jahrhundertleistung - vielleicht für die Ewigkeit"

Bayers Vorstandsvorsitzender zur Wahl des Fußballer des Jahres

Kahn über Lewandowski: "Eine Jahrhundertleistung - vielleicht für die Ewigkeit"

Oliver Kahn zollt Robert Lewandowski viel Anerkennung.

Oliver Kahn zollt Robert Lewandowski viel Anerkennung. Getty Images

Oliver Kahn (52) fällt gleich eine passende Schlagzeile ein, als er das Ergebnis der Wahl zum Fußballer des Jahres 2021 hört. Zuvor entwischt ihm noch ein anerkennendes Lächeln, dann sagt der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG: "Ich würde dieses Votum unter die Überschrift stellen: Wer sonst?" 356 Stimmen gingen an Robert Lewandowski (32), 41 an den Zweitplatzierten Thomas Müller (31), ergibt einen Vorsprung von 315 für den Titelverteidiger. Schon 2020 hatte der Mittelstürmer des FC Bayern das Votum für sich entschieden.

"Einfach unglaublich" findet Kahn, "was Robert Lewandowski 2020/21 geleistet hat." Der dreimalige Welttorhüter Kahn, von 1994 bis 2008 Torhüter in München und zuvor ab dem sechsten Lebensjahr beim Karlsruher SC, erinnert sich an diese frühen Jahre. "Als junger Kerl habe ich schon gehört, dass es einen Spieler gab, der den Bundesliga-Rekord mit 40 Toren aufgestellt hat", in der Saison 1971/72, als Kahn knapp drei Jahre jung war. "Und kein Mensch hat daran gedacht, dass es möglich sein würde, da nur annähernd ranzukommen", sagt Kahn, "meine ganze Karriere über stand diese Bestmarke." Bis in der abgelaufenen Lewandowski kam. "Er hat es geschafft, diese Topquote einzustellen und noch zu übertreffen", obendrein in lediglich 29 Spielen. "Das könnte eine Jahrhundertleistung gewesen sein", meint Kahn. "Vielleicht ist es für die Ewigkeit."

Er hat eine exzellente Mannschaft, die für ihn Situationen schafft, in denen er vollstrecken kann. Das weiß er auch.

Oliver Kahn über Robert Lewandowski

Frage an den früheren Weltklasse-Keeper Kahn: Was macht diesen Stürmer Lewandowski aus? Kahn atmet kurz tief durch und erklärt aus dem Blickwinkel eines Torhüters: "Robert ist jemand, der nur ganz wenige Chancen braucht. Allein dieses Wissen ist schon ein psychologischer Vorteil für den Stürmer. Du weißt als Torwart, wenn er die Chance bekommt, wird er den Ball mit einer ganz hohen Wahrscheinlichkeit reinmachen. Er ist unglaublich präzise im Abschluss, man spricht ja von diesem Killerinstinkt. Da bist du einfach chancenlos als Tormann. Er hat ein unglaublich gutes Gefühl für das, was der Torwart macht. Das ist für einen Stürmer extrem wichtig. Und er hat die Nase dafür, dort zu stehen, wo man als Stürmer stehen muss." Dazu kommt, Kahn fügt es mit Nachdruck an: "Er hat eine exzellente Mannschaft, die für ihn Situationen schafft, in denen er vollstrecken kann. Das weiß er auch."

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Nun zählt Kahn die individuellen Qualitäten Lewandowskis auf: "Er ist unglaublich schnell, beweglich. Dass er ein Athlet ist, versteht sich von selbst, dass er ähnlich wie Cristiano Ronaldo tagtäglich an sich arbeitet. Er wollte sich permanent weiterentwickeln. Und das ist ihm über die Jahre super gelungen. Er war nie satt. Er wollte mit Bayern München unbedingt die Champions League gewinnen und jeden Rekord einstellen." Zusammengefasst: "Robert Lewandowski ist eigentlich der perfekte Bayern-Spieler."

Kahn begeistert sich an der "Qualität einer echten 9, die Fußball spielen und Tore machen kann, die vorne im Zentrum anspielbar ist - diese Qualität gibt es kaum noch". Kahn denkt kurz nach, überlegt. "Absolute Weltklasse ist auf dieser Position wenig zu sehen." Lewandowski verkörpert sie - auch zum Glück für den FC Bayern, der von den Treffern Lewandowskis profitiert, in seinen Pflichtspielen addierter er 294 in sieben Jahren. Zusätzlich steigert ein solcher Spieler das Image und die Attraktivität des Vereins. "Die Spieler sehen, dass sie bei uns wirklich alles gewinnen können", sagt Kahn. "Deswegen hat es uns so gefreut, dass er Weltfußballer 2020 wurde, dass er diese Phalanx aufgebrochen und gezeigt hat, dass solche Titel auch mit Bayern München möglich sind."

Leistung im höheren Fußballer-Alter? Chiellini und Bonucci als Beispiele

Solche individuellen Auszeichnungen beziehen sich immer auch auf das Kollektiv, auf die Mannschaft, so Kahn. "Man freut sich über diese Titel natürlich ganz besonders", sagt er, "aber ich habe sie immer auch den Mitspielern gewidmet." Kahn wurde 2000 und 2001 Deutschlands Fußballer des Jahres. Dreimal in Serie gewann diese vom kicker seit 1960 organisierte Wahl bislang kein Profi. Kahn verweist auf die Lebensjahre der italienischen Europameister Giorgio Chiellini (36) und Leonardo Bonucci (34). Beide Routiniers hätten eindrucksvoll widerlegt, dass ein gewisses Alter die Leistungsfähigkeit ganz selbstverständlich beeinträchtige. "Es gibt immer wieder Spieler, die aufgrund ihrer Disziplin fähig sind, auch mit zunehmendem Alter Topleistungen zu bringen", sagt Kahn, Cristiano Ronaldo (36) oder eben Lewandowski, der am 21. August 33 Jahre alt wird. "Ich sehe keinen Grund, warum sich an Roberts Leistungen irgendetwas ändern soll", merkt Kahn noch an. Also sei selbst der Hattrick in diesem alljährlichen Ranking für Lewandowski "absolut" möglich.

Karlheinz Wild

Die Fußballer des Jahres seit 1960