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Radprofi Lennard Kämna: "Ich hätte 50 Meter später attackieren sollen"

24-Jähriger verpasst hauchdünn seinen ersten Tagessieg bei der Tour

Kämna: "Ich hätte 50 Meter später attackieren sollen"

Lennard Kämna fährt knapp geschlagen ins Ziel ein.

Lennard Kämna fährt knapp geschlagen ins Ziel ein. picture alliance

Kämna haderte zwischen den Bergriesen des Zentralmassivs nur kurz über die verpasste "Riesenchance", dann hatte er seine Angriffslaune wiedergefunden. "Wir haben gezeigt, dass wir super stark sind. Wir werden es jeden Tag versuchen. Das gibt uns einen Riesen-Motivationsboost für die nächsten Tage", sagte Kämna dem ZDF, nachdem er zwei Tage nach seinem 24. Geburtstag in 1589 Metern Höhe nur hauchdünn an seinem ersten Etappensieg bei der Tour de France vorbeigefahren war.

Kämna belegte auf der 13. Etappe am Freitag nach 191,5 Kilometern und insgesamt sieben Bergwertungen den zweiten Platz hinter Daniel Martinez, direkt dahinter folgte Teamkollege Maximilian Schachmann. Doch der Kolumbianer ließ sich von der Doppelspitze aus dem Bora-hansgrohe-Team nicht austricksen. Die Etappe hatten die beiden deutschen Radstars verloren, den Mut aber keineswegs. "Es wäre schön gewesen, hätten wir den Sieg nach Hause gefahren, aber die Tour ist nicht vorbei", kündigte Schachmann an, der 27 Tage nach seinem Schlüsselbeinbruch wieder Kämpferherz bewies.

Es lief alles wie am Schnürchen. Ich hätte 50 Meter später attackieren sollen.

Lennard Kämna

Dabei war der Schachzug voll aufgegangen. Martinez musste die ganze Arbeit leisten, um Schachmann, der 20 Kilometer vor dem Ziel alleine losgezogen war, wieder einzuholen. Als der Berliner ("Der Tag war für mich 1,3 Kilometer zu lang") dann auf den steilen Rampen des Puy Mary eingeholt und überholt wurde, gingen Kämna und Martinez ins Finish. Der junge Norddeutsche taktierte, attackierte und hatte den Sieg bereits dicht vor Augen - doch am Ende rollte das Riesentalent mit hängendem Kopf über den Zielstrich.

"Es lief alles wie am Schnürchen. Ich hätte 50 Meter später attackieren sollen", haderte Kämna im Nachhinein. So konnte der clevere Martinez noch kontern und "einen besonderen Tag in seinem Leben" feiern. Simon Geschke komplettierte als Siebter das gute deutsche Ergebnis. Dennoch wurden alle Mühen wie schon am Vortag nicht belohnt. Der erste deutsche Etappensieg seit John Degenkolb 2018 lässt weiter auf sich warten. Dabei lief alles nach Plan.

Womöglich findet sich Kämna in den nächsten Jahren auch in der Gruppe der Sieganwärter wieder. Am Freitag deutete der Youngster wieder sein großes Potenzial an. Vergessen und verdaut waren die drei Stürze zu Beginn der Rundfahrt. Vielmehr knüpfte er an die starke Vorstellung bei der Dauphiné-Rundfahrt an, als er die Etappe nach Megève gewann.

Etappensiege im Blick

Damals wie heute bekam Kämna freie Fahrt. "So einen richtigen Leader haben wir nicht mehr, außer den Peter (Sagan) für die Flachetappen", meinte Kämna mit Blick auf den in der Gesamtwertung abgeschlagenen Vorjahresvierten Emanuel Buchmann und fügte hinzu: "Wir werden jeden Tag versuchen, in die Gruppe zu gehen und um den Etappensieg mitzukämpfen. Da bekommt jeder seine Chance."

dpa

Bilder zur Tour: Hoher Besuch, Schotter, Sieg und Niederlage