Bundesliga

Zlatko Junuzovic & Co.: Kampf dem Teufelskreis

Bremen wartet weiter auf den ersten Saisonsieg

Junuzovic & Co.: Kampf dem Teufelskreis

Betonte die positiven Aspekte im Werder-Spiel: Zlatko Junuzovic.

Betonte die positiven Aspekte im Werder-Spiel: Zlatko Junuzovic. imago

Darüber, dass Werder beim 0:0 in Hamburg zum wiederholten Mal in dieser Saison die Lösungen bei eigenem Ballbesitz fehlten, sind sich alle einig. Über die Ursachen wird unterdessen fleißig diskutiert, auch im Lager der Grün-Weißen. Ist die fehlende spielerische Qualität nun eine unerwünschte Nebenwirkung der betont auf Sicherheit ausgerichteten Taktik von Trainer Alexander Nouri? Oder vor allem der Tatsache geschuldet, dass mehrere Schlüsselspieler ausfallen? Oder eben die Folge mangelnden Selbstvertrauens nach einem - gemessen an den Resultaten - eindeutig verpatzten Saisonstart? Die einzig treffende Antwort lautet wohl: Von allem etwas - was die Situation nicht leichter macht.

Das Kardinalproblem im Nordderby: Zwischen dem Sturmtandem Fin Bartels/Ishak Belfodil und dem Mittelfeld klaffte regelmäßig ein viel zu großer Abstand. Die Folge: Gelang es den beiden Angreifern überhaupt einmal in Ballbesitz zu bleiben, waren sie auf sich alleine gestellt. Verloren sie ihre Duelle oder versuchten sie, die Kugel abzulegen, landeten die sprichwörtlichen "zweiten Bälle" in (un-)schöner Regelmäßigkeit bei den Hamburgern. "Jetzt haben wir mit Ishak einen Stürmer, der vorne Bälle behauptet, aber dann ist niemand da, der ihm hilft", stellt Verteidiger Niklas Moisander richtig fest und urteilt: "It's a shame" - was sich dramatisch mit "es ist eine Schande" übersetzen ließe oder auch, weniger spektakulär, mit "das ist wirklich schade". Beide Formulierungen wären der Bedeutung im Englischen nach korrekt. Die Konsequenz ist so oder so die gleiche: "Wenn wir den Ball haben, müssen wir etwas mehr riskieren", fordert Moisander.

Spielersteckbrief Junuzovic
Junuzovic

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Spielersteckbrief Moisander
Moisander

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Trainersteckbrief Nouri
Nouri

Nouri Alexander

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Wir haben verschiedene Lösungsmöglichkeiten, das Pressing zu umspielen. Aber dazu musst du dann auch das nötige Selbstvertrauen haben, die Aktion komplett durchzuspielen.

Trainer Alexander Nouri
Frank Baumann

Werder-Geschäftsführer Frank Baumann mit dem kicker-Sonderheft "Europas Top-Ligen"

Das sah Trainer Alexander Nouri am Wochenende ganz genauso. Dass seine Profis gegen das Hamburger Pressing fast ausschließlich auf lange Bälle setzten, wertet der Fußballlehrer so: "Da wurde oft die einfachste Lösung gewählt." Für seinen Geschmack zu oft: "Wir haben verschiedene Lösungsmöglichkeiten, das Pressing zu umspielen. Aber dazu musst du dann auch das nötige Selbstvertrauen haben, die Aktion komplett durchzuspielen." Dies fehlt den Grün-Weißen aktuell ganz offensichtlich. Dazu kam dann, so Nouri: "Bei den langen Bällen hatten wir nicht die richtige Staffelung, wir hätten schneller nachrücken müssen." Hier fehlte es schlichtweg an der nötigen Organisation im Mittelfeld, obwohl dort in Person von Thomas Delaney und Philipp Bargfrede zwei nominelle Führungskräfte auf dem Platz standen. Aber selbst solche Routiniers sind derzeit offenbar verunsichert und fallen somit als echte Leader ihrer Kollegen aus.

Junuzovic übernimmt das Kommando

In diese Rolle schlüpfte dagegen der eingewechselte Zlatko Junuzovic trotz langer Verletzungspause auf Anhieb. Der Österreicher wiederum fand die langen Bälle aus der Abwehr "aus meiner Sicht sinnvoll gegen das HSV-Pressing. Es ist richtig, da möglichst wenig Risiko einzugehen. Jeder weiß, was bei einem Ballverlust in der gefährlichen Zone los ist."

(Selbst-)kritische Ansätze

Überhaupt: Während etwa Moisander ("wir waren nicht gut genug, um hier zu gewinnen") oder Youngster Milos Veljkovic ("mit dem Unentschieden können wir nichts anfangen") betont (selbst-)kritische Ansätze wählten, war der Kapitän darauf bedacht, die ebenfalls vorhandenen positiven Aspekte zu betonen. Das Gefährlichste an Werders aktueller Situation scheint schließlich dies: Eine Eigendynamik der sich gegenseitig verstärkenden Faktoren ausbleibende Erfolgserlebnisse und schwindendes Selbstvertrauen. Hier droht ein Teufelskreis, den gerade die Führungsspieler des Kaders erst gar nicht entstehen lassen sollten.

Thiemo Müller