Bundesliga

Werder Bremens "Jungprofi" Christian Groß und die Magie der Einfachheit

Werders Spätstarter mit einer beeindruckenden Bilanz

"Jungprofi" Groß und die Magie der Einfachheit

Gelassenheit ist eine der großen Vorzüge von Werder Bremens "Jungprofi" Christian Groß.

Gelassenheit ist eine der großen Vorzüge von Werder Bremens "Jungprofi" Christian Groß. imago images

Die kuriose Geschichte des Bremer Spätstarters ist seit vergangener Woche um ein weiteres Kapitel reicher. Groß wurde offiziell zum Lizenzspieler befördert, inklusive Vertragsverlängerung bis Sommer 2022 und zu leistungsgerecht verbesserten Bezügen. Den "Jungprofi" bringt das aber erwartungsgemäß nicht aus der Ruhe.

Gelassenheit war schließlich vom ersten Tag seines unverhofften Aufstiegs an ein wesentliches Merkmal. Im Zuge der Verletztenmisere wurde Groß im Sommer 2019 aus dem Regionalligateam nach oben gespült und sorgte für Überraschungen in Dauerschleife. Auch bei seinen Chefs, Trainer Florian Kohfeldt und Manager Frank Baumann. Erst als gleichwertiger Sparringspartner im Training und dann auch als ein im besten Sinne solider Bundesligaakteur.

Andere mögen über mehr Potenzial verfügen, doch Groß bringt sein Niveau konstant und zuverlässig, wann immer er gebraucht wird. "Ich spiele keinen Hurra-Fußball", sagt er selbst, "aber mich macht stark, dass ich einfach und mannschaftsdienlich spiele." Eine Einschätzung, die Vorgesetzte und außenstehende Beobachter gleichermaßen teilen. Wobei hinzugefügt sei: Die simple Selbstverständlichkeit, mit der Groß sich und sein Team fußballerisch aus brenzligen Situationen befreit, verströmt mitunter sogar etwas Magisches. Und das nach gerade mal 19 Bundesliga-Partien.

"Jeder Bundesliga-Minute ist noch etwas total Besonderes"

Seit seinem Debüt im Oberhaus am 3. Spieltag der Vorsaison gegen Augsburg (3:2) kam Groß damit in exakt der Hälfte der Bremer Ligaspiele zum Einsatz. Mit ihm gelangen sieben Siege und acht Remis bei nur vier Niederlagen. Ohne Groß unterlag Werder dagegen 14 Mal, spielte zweimal unentschieden und feierte lediglich drei "Dreier". In Punkten ausgedrückt: Mit Groß wurden im Schnitt 1,53 Zähler pro Begegnung eingefahren, ohne ihn nur 0,58. Umso bemerkenswerter, dass der Erfolgsgarant, der zuletzt in Frankfurt und gegen Hoffenheim (jeweils 1:1) gemeinsam mit Maxi Eggestein die Doppelsechs bildete, aus dieser Bilanz keine Ansprüche ableiten will: "Das sollte man nicht zu hoch hängen. Ich hatte halt auch das Glück, dann zu spielen, wenn wir gewonnen haben." Überhaupt: Kampfansagen bezüglich eines Stammplatzes liegen dem Defensiv-Allrounder fern: "Jede Bundesliga-Minute ist noch etwas total Besonderes für mich. Ich genieße den Moment - und versuche ihn durch harte Arbeit noch möglichst lange auszudehnen." Gerade dieses von Anfang an kultivierte Bewusstsein, nichts zu verlieren zu haben, scheint Groß seine erstaunliche Souveränität zu verleihen. Auf dem Rasen wie außerhalb.

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