Basketball

Julius Randle und warum die New York Knicks plötzlich so stark sind

Die große Liebe der New Yorker erblüht endlich wieder

Julius Randle und warum die Knicks plötzlich so stark sind

Alles hört auf mein Kommando: Julius Randle (#30) zeigt den anderen Knicks den Weg.

Alles hört auf mein Kommando: Julius Randle (#30) zeigt den anderen Knicks den Weg. Getty Images

Es war in der jüngeren Vergangenheit manchmal ziemlich grausam, was die Knicks in Manhattan aufs Parkett legten. So grausam, dass es Fans gab, die nur inkognito da sein wollten und ihre Köpfe in Papiertüten steckten. Diese Zeiten scheinen in diesem Frühjahr vorbei. Wie die Bäume im Central Park erblüht auch die alte Liebe der New Yorker Basketballfans zu ihrem Team (was wohlgemerkt nicht die ambitionierte Startruppe der Brooklyn Nets ist).

Das Ende einer Durststrecke scheint ebenso nah, wie die Länge der Siegesserie dieser Mannschaft noch schwer zu begreifen. Tom Thibodeau hat die ganze Angelegenheit in den Griff bekommen. Und während dieses nun acht Spiele währenden Laufes seines Teams erstrahlt ein Stern auf dem Court, den man in der Vergangenheit am NBA-Firmament nicht immer mit dem bloßen Auge erkennen konnte. Julius Randle ist die zentrale Figur der Knicks, um die sich aktuell alles dreht.

Wo kommen die Dreier her?

Der wuchtige Texaner erfüllt die Hoffnungen im Big Apple, die der verletzungsanfällige Kristaps Porzingis nicht erfüllen konnte, ehe er nach Dallas abwanderte. Von eben dort stammt Randle, der vor seiner siebten NBA-Saison (die erste endete nach 14 Minuten im Lakers-Dress mit einem Schienbeinbruch) sein Spiel verändert hat. Denn laut Statistik-Experte Justin Kubatko ist Randle der erste Profi in der Geschichte der Liga, der eine Dreier-Trefferquote von unter 30 Prozent im darauffolgenden Spieljahr auf über 40 klettern lässt. "Das ist das große Ding, dass er den Dreier in sein Repertoire aufgenommen hat", sagt Thibodeau, "das hat alles andere verändert."

Alles bei Randle, aber auch alles bei den Knicks. "Ju bestimmt das Tempo, er macht Druck auf den Ring, Druck auf die gegnerische Defense - und wir versuchen nur, um ihn herumzuspielen", beschreibt Derrick Rose die Situation. Der einstige MVP kam im Februar von den Detroit Pistons und damit aus dem Keller, um die Bank zu verstärken. Jetzt erlebt auch er Randles wundersame Wandlung hautnah, die ihn in dieser Pandemie-Saison erstmals zum All-Star machte.

Stark wie Bird

Randle in Dallas

JR in Dallas - Randle beim Sieg der Knicks in seiner Heimatstadt. Getty Images

Randle spielt wie der Steph Curry der Eastern Conference. Er legt vielseitig Zahlen auf wie einst Celtics-Legende Larry Bird oder aktuell nur MVP-Anwärter Nikola Jokic von den Denver Nuggets. Knapp 24 Punkte im Schnitt, über zehn Rebounds und sechs Assists - dazu die 41 Prozent seiner Dreierversuche, die sitzen.

Dass damit nicht zu rechnen war, unterstreicht die Tatsache, dass die Knicks vor der Saison im Draft Obi Toppin für genau die Randle-Rolle des physisch starken Flügelspielers aus dem College holten. Und dass Thibodeau eigentlich gerne Gordon Hayward aus dem Free-Agent-Pool gefischt hätte, der den Bossen aber zu teuer war und nun in Charlotte wirft.

Aus prognostizierten 25 Siegen in der verkürzten Saison sind im Sog von Randles Glanztaten nun schon 33 geworden. Und Platz vier im Osten vor den deutlich höher gehandelten Heat, Pacers, Raptors oder Wizards.

Kandidat für den MIP

Randle, heißester Anwärter auf den Titel des Most Improved Players, lässt das alles nicht kalt. Schon im März spiegelten Aussagen des 27-Jährigen in einem Essay für "The Players' Tribune", was ihm das Tragen des New Yorker Trikots bedeutet: "Ich bin verdammt stolz, ein Knick zu sein." Auch die vielen Fans werden diesen Satz zurzeit gerne tätigen. Wenn die Play-offs erstmals seit 2013 wieder in Manhattan Einzug halten, dann sicher ohne Brown Bag über dem Kopf.

Andi Holzmann