Int. Fußball

Juan Jesus: "Ich habe mich wie ein Gentleman verhalten"

Nach Acerbis Freispruch: Brasilianer äußert sich ausführlich

Juan Jesus: "Ich habe mich wie ein Gentleman verhalten"

Unmittelbar nach dem Vorfall: Juan Jesus (li.) im Gespräch mit Schiedsrichter Federico La Penna.

Unmittelbar nach dem Vorfall: Juan Jesus (li.) im Gespräch mit Schiedsrichter Federico La Penna. IMAGO/Gribaudi/ImagePhoto

Kurz zusammengefasst: Während des Serie-A-Spiels zwischen Inter Mailand und der SSC Neapel soll Napolis Abwehrspieler Juan Jesus rassistisch von Inter-Akteur Francesco Acerbi beleidigt worden sein. Als erste Konsequenz wurde der Mailänder vom Länderspiel-Lehrgang der italienischen Nationalmannschaft ausgeschlossen und verpasste damit beide Tests (2:1 gegen Venezuela und 2:0 gegen Ecuador) und der Squadra Azzurra nur wenige Monate vor der Europameisterschaft.

Nachdem sich beide Profis mehrmals über Social Media an die Öffentlichkeit gewandt hatten und dabei nicht auf einen Nenner kamen, urteilte am Dienstag ein Sportrichter der italienischen Liga über den Sachverhalt. Das Ergebnis: Aus Mangel an Beweisen sprach das Gericht Acerbi frei und verhängte somit auch keine Strafe, dem 36-Jährigen hätte im Falle einer Verurteilung eine Sperre gedroht.

"Große Enttäuschung" über das Urteil

Im Zuge dessen haben sich Juan Jesus und dessen Rechtsvertreter nun in einem ausführlichen Statement geäußert, welches über die Vereinswebsite der SSC Napoli veröffentlicht wurde. "Ich habe mehrmals und mit großer Enttäuschung die Entscheidung des Sportgerichts gelesen, das der Meinung war, dass es keine Beweise dafür gibt, dass ich während des Spiels zwischen Inter und Napoli am 17. März Opfer einer rassistischen Beleidigung geworden bin."

Zwar respektiere der 32-jährige Brasilianer die Entscheidung, trotzdem sei sie nur "schwer nachvollziehbar und hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack". Weiter beschreibt der Innenverteidiger seine Gefühlslage und spricht davon, "über einen so schwerwiegenden Vorfall niedergeschlagen" zu sein. "Mein einziger Fehler bestand darin, dass ich mich wie ein Gentleman verhalten habe, indem ich beschloss, ein wichtiges Spiel nicht zu unterbrechen, mit all den Unannehmlichkeiten, die dies für die Zuschauer bedeutet hätte".

Juan Jesus fühle sich "in keiner Weise durch eine Entscheidung geschützt, in der einerseits eingeräumt wird, dass 'die Beleidung zweifellos vorhanden war', andererseits aber behauptet wird, es sei nicht sicher, dass es sich um eine diskriminierende Beleidung handelte, die nur ich 'in gutem Glauben' wahrgenommen habe".

Jesus kann Acerbis Sinneswandel nicht nachvollziehen

Laut dem Napoli-Akteur hat Acerbi ihn aufgrund seiner Hautfarbe aufs übelste beleidigt und dabei nicht nur das italienische Äquivalent zum "N-Wort" verwendet, sondern Juan Jesus auch noch herabgewürdigt. Wie dies als "sicher beleidigend, aber nicht als diskriminierend angesehen werden kann" versteht der 32-Jährige "wirklich nicht". Acerbi selbst entschuldigte sich angeblich noch auf dem Spielfeld. "Es ist mir unbegreiflich, warum Acerbi erst am nächsten Tag, als er mit der Nationalmannschaft unterwegs war, seine Version der Ereignisse änderte, anstatt sie sofort nach dem Spiel zu leugnen als sie tatsächlich passiert waren".

Juan Jesus befürchtet zudem, "dass dies ein schwerwiegender Präzedenzfall für die Rechtfertigung bestimmter Verhaltensweisen im Nachhinein sein könnte". Abschließend hofft er, "dass diese (für mich) traurige Angelegenheit der Welt des Fußballs helfen kann, über ein ernstes und dringendes Problem nachzudenken".

hob