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Jordaniens historische Chance

WM-Play-offs: Uruguay haushoher Favorit

Jordaniens historische Chance

Hossam Hassan

Will mit Jordanien zur WM: Hossam Hassan. Getty Images

Jordanien empfängt am Mittwoch Uruguay mit den Topstars Luis Suarez und Edinson Cavani. "Dieses Spiel ist eine historische Chance und zugleich eine nationale Aufgabe", sagt der König. Ohnehin kann sich die Nationalmannschaft seit jeher auf royale Unterstützung verlassen.

Prinz Ali bin al-Hussein ist nämlich der Präsident des jordanischen Fußball-Verbandes JFA und zugleich auch Vize-Präsident des Weltverbandes FIFA. "Mit Beharrlichkeit und Stolz, Herz und Aufopferung haben wir es weit gebracht. In meinem Herzen wohnt der Glaube, dass wir uns mit der Unterstützung eines jeden Jordaniers diesen WM-Traum erfüllen können", schrieb der 37-Jährige auf der Verbands-Website.

Im Fußball ist alles möglich!

Abdallah Salim

"Diese Mission ist schwierig, aber nicht unmöglich. Um den Traum aller Jordanier wahr werden zu lassen, müssen wir 200 Prozent Hingabe abrufen", sagte Nationaltrainer Hossam Hassan der französischen Nachrichtenagentur AFP: "Das Spiel ist sehr wichtig für diese Generation von Spielern. Es ist das erste Mal, dass Jordanien so nah dran ist, sich zu qualifizieren. Wir sollten den Mut und das Selbstvertrauen haben, unser Ziel zu erreichen". Der Ägypter selbst weiß, wie sich eine WM anfühlt, immerhin nahm er 1990 in Italien an der Endrunde teil. "Ich habe dort unvergessliche Augenblicke erlebt. Und das vermittle ich meinen Leuten", so der Coach auf der FIFA-Website: "Sie wollen unbedingt beim größten Fußball-Turnier der Welt dabei sein und damit das Ziel ihrer großen Mission erreichen."

Uruguay setzt auf Erfahrung und individuelle Klasse

Freilich, an eine gelungene Qualifikation glaubt auch in Jordanien kaum jemand ernsthaft - zu groß scheint die Übermacht des kommenden Gegners zu sein. Immerhin zählt der zweimalige Weltmeister Uruguay zu den Top-Nationen im Welt-Fußball, nicht zuletzt wegen seiner Stürmer. Diego Forlan, Edinson Cavani, der im Sommer für 64 Millionen Euro zu Paris St. Germain gewechselt ist, und Luis Suarez vom FC Liverpool. Gerade Suarez, der in der Südamerika-Qualifikation elf Tore geschossen hat, befindet sich derzeit in bestechender Form und hat schon acht Tore in sechs Spielen in der Premier League für die Reds erzielt.

Diego Forlan

Auch er will zur WM: Uruguays Diego Forlan. Getty Images

Die Südamerikaner haben auch deutlich mehr Erfahrung mit Relegationsspielen, immerhin haben sie schon viermal eine interkontinentale Ausscheidungsrunde bestritten. Für Uruguays Cristian Rodriquez kein Anlass zum Abheben: "Ich sage immer, dass Jordanien nicht ohne Grund so weit gekommen ist, und das dürfen wir nicht vergessen", warnt der Mittelfeldspieler: "Im Fußball gibt es schon lange keine Favoriten mehr."

Jordanien zwischen Personalsorgen und Hoffnung

Hinzu kommen noch Personalsorgen bei Jordanien: So fehlt Torhüter Amer Shafi, Held des Elfmeterschießens im Asien-Play-off-Rückspiel in Usbekistan (9:8), gesperrt. Andere Stammspieler sind verletzt, während Kapitän Amer Deeb vom Coach nicht nominiert wurde. Unterkriegen lässt sich der Underdog aber nicht. "Unser wichtigster Trumpf wird unsere Motivation gegen einen prestigeträchtigen Gegner sein, der ehemaliger Weltmeister ist und zu den besten Mannschaften der Welt gehört", erklärt Offensivakteur Abdallah Salim: "Wir müssen daran glauben, denn im Fußball ist alles möglich." Mittelfeldmann Baha Suleiman ergänzte: "Wir haben das Recht, zu träumen. Wir müssen uns mit Geduld wappnen, um unser Ziel zu erreichen. Sicher, sie haben eine reiche Geschichte und Stars, doch wir werden Mut zeigen müssen und dürfen keine Angst vor ihnen haben."

Im Fußball gibt es schon lange keine Favoriten mehr.

Cristian Rodriquez

An Unterstützung wird es dem Team jedenfalls nicht mangeln. Die 13.000 Tickets für das Hinspiel waren binnen 24 Stunden vergriffen - so schnell war noch nie ein öffentliches Ereignis in der Geschichte des Landes ausverkauft. Ein gutes Ergebnis zu Hause wäre für die Jordanier besonders wichtig, da sie auf fremdem Platz bisher nur selten zu überzeugen wussten. Experten zufolge lag das aber auch an den beschwerlichen Reisestrapazen. Aus diesem Grund gab es in dem Wüstenstaat jüngst eine Spenden-Gala, bei der zwei Millionen Euro zusammenkamen – allemal ausreichend für Erste-Klasse-Flüge zum entscheidenden Rückspiel in Montevideo am 21. November.

Egal, wie die Play-offs für das Königreich ausgehen – Jordanien kann jetzt schon auf einen riesigen Erfolg zurückblicken: Das Land ist auf dem Radar der Fußball-Welt aufgetaucht.