Int. Fußball

Italien, Nations League: Talent Wilfried Gnonto verzückt

Bei Inter ausgebildet, in Zürich zum Profi gereift

"Jetzt wollen ihn alle": Der ins Rampenlicht getretene Gnonto verzückt Italien

Auf einen Schlag im Fußball bestens bekannt: Italiens Jung-Nationalspieler Wilfried Gnonto.

Auf einen Schlag im Fußball bestens bekannt: Italiens Jung-Nationalspieler Wilfried Gnonto. IMAGO/Sportimage

Die Inter-Jahre und der Durchbruch

Der mit der Piemont-Kirsche? Ob Wilfried Gnonto auf die roten Früchte abfährt, ist nicht bekannt. Was aber schon immer bekannt ist: Der positiv Fußballverrückte kommt aus dem Piemont aus der Gemeinde Verbania, hat ivorische Wurzeln und ist im Jahr 2012 mit nicht einmal zehn Jahren in Inter Mailands Jugendakademie gekommen.

Dort hat es dem nur 1,70 Meter großen Offensivmann mit dem niedrigen Körperschwerpunkt und dem bulligen Körper sehr gut gefallen - oder anders formuliert: Von dort hat sich Gnonto für viele Jahre nicht mehr verdrängen lassen.

Weil aber die Durchlässigkeit beim FC Internazionale, der sich in den letzten Jahren wieder mit vielen Stars zurück an die Serie-A-Spitze gearbeitet hat (Meister 2021, Vizemeister 2022), nicht so gegeben ist, hat sich das Kraftpaket für einen "Umweg" entschieden. Seine Wahl im Sommer 2020: der FC Zürich. Am 24. Oktober jenen Jahres hat Gnonto dann direkt beim 4:1-Auswärtssieg gegen Vaduz sein Debüt für die erste Mannschaft gegeben. Inzwischen darf sich der Stürmer elfmaliger Torschütze für den FCZ nennen, hat in etwas mehr als 60 Pflichtspielen zudem acht Vorlagen gegeben - und ist jüngst sogar Schweizer Meister mit dem Traditionsklub geworden.

"Gnonto vertändelt keine Bälle"

Kurzum: Beim FC Zürich ist das hochveranlagte Talent, das dribbelstark ist, schnelle Haken schlagen und kraftvoll abziehen kann, zum gestandenen Profi avanciert - und deswegen nicht allzu überraschend plötzlich auch eingeplant als Teil beim nächsten italienischen Neuaufbau unter dem nach der verpassten WM (Drama gegen Nordmazedonien) gebliebenen Nationaltrainer Roberto Mancini.

Jener Mancini hat Gnonto zuletzt in der Nations League beim 1:1 in Deutschland erstmals gebracht - und als Joker hat der Angreifer direkt für Betrieb gesorgt, gute Aktionen gezeigt und so Schlagzeilen produziert. "Gnonto beweist Dribbling-Fähigkeiten und vertändelt keine Bälle. Er hat Mut und Widerstandsfähigkeit", lobt etwa der "Corriere dello Sport". Coach Mancini hält sich bezüglich seines Juwels, bei dem er es langsam angehen will, zwar noch bedeckt und lobt vielmehr seine Truppe als Ganzes ("Das neue Italien ist eine junge Mannschaft - es braucht Zeit, um ein Team zu werden, das sind wir noch nicht, aber der Geist stimmt"), eines aber ist offensichtlich: Gnonto ist ganz aktuell eines der frischen Azzurri-Gesichter.

Gnonto heiß begehrt

Lorenzo Pellegrini (re.) bedankt sich bei Wilfried Gnonto.

Tolle Geste: Lorenzo Pellegrini (re.) bedankt sich beim 2:1 in der Nations League gegen Ungarn bei Wilfried Gnonto (li.). IMAGO/LaPresse

Das hat auch sein zweites Länderspiel für die Squadra Azzurra gezeigt, das 2:1 über Ungarn am Dienstagabend. Zunächst einmal hat Gnonto hier erstmals in der Startformation gestanden, ist zudem über die vollen 90 Minuten auf dem Feld geblieben und hat neben einigen guten Dribblings und versuchten Abschlüssen (oft geblockt) vor allem beim zwischenzeitlichen 2:0 sein Können bewiesen.

Nach einem scharfen Querpass von Matteo Politano (Napoli) hätte der Jungspund selbst aus schwieriger Lage abziehen können, hat stattdessen aber nur angetäuscht, den Ball anschließend absichtlich passieren lassen - und so das Tor von Lorenzo Pellegrini (AS Rom) ermöglicht. Der Dank des gebürtigen Römers ist noch auf dem Feld ausgiebig erfolgt.

Kein Wunder, dass nach dieser steilen Karriere gerade jetzt in der aufkommenden heißen Transferphase Gerüchte sprudeln. So einige größere Klubs sollen den nur noch bis 2023 in Zürich gebundenen Stürmer, der vom englischen "Guardian" auch schon als eines der größten Talente seines Jahrgangs (2003) gekürt worden ist, auf dem Zettel haben. "Jetzt wollen alle Gnonto", schreibt etwa der "Corriere dello Sport". "Vom Maskottchen zum Star" hat ihn "La Repubblica" gemacht - und der "Corriere della Sera" schwärmt gar von einem "Auserwählten".

Schon vor dem Italien-Debüt hat Zürichs Boss Ancillo Canepa gegenüber dem "Blick" mitgeteilt, Gnonto mit einem zweistelligen Millionen-Preisschild versehen zu haben. "Wenn ein Topklub kommt, sind wir vielleicht gesprächsbereit", so Canepa schmunzelnd. "Sonst aber nicht."

Breitenreiter sieht ein "Supertalent"

Sein Trainer beim FCZ, der fortan für die TSG 1899 Hoffenheim aktive André Breitenreiter, hat Gnonto dabei immer behutsam aufbauen wollen, ihn oft nur als Joker gebracht. Denn: "Ich habe Willy erklärt, dass wir ihn langsam aufbauen wollen. Schritt für Schritt." Er wolle ihn nicht verbrennen, "denn Supertalente wie er eines ist, werden eigentlich von allen Seiten nur gelobt".

Bleibt nur noch zu klären, was Gnonto, dem die Züricher Fans sogar ein Lied in Schweizerdeutsch gewidmet haben (Willy Gnonto Song), selbst nun zu tun gedenkt. Welches Ziel ist sein nächstes? Dahingehend hat sein Vater etwas mitzuteilen: "Er ist ein Inter-Fan und träumt davon, zu den Nerazzurri zurückzukehren", so Boris Noel bei "Rai Radio1". Vom 18-jährigen Sohnemann selbst ist bislang nur das zu entnehmen gewesen - Freude über die jüngst rasante Zeit: "Es ist alles sehr schnell gegangen. Ich genieße diesen Moment und jedes Training. Hier (bei der italienischen Nationalmannschaft; Anm. d. Red.) zu sein, ist ein Privileg."

mag

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