Bundesliga

Rune Jarstein nach 468 Tagen zurück: "Ein geiles Gefühl"

Herthas norwegischer Keeper mit seinem Comeback

Jarstein nach 468 Tagen zurück: "Ein geiles Gefühl"

Die Hertha-Fans applaudierten Rune Jarstein beim Test gegen Babelsberg.

Die Hertha-Fans applaudierten Rune Jarstein beim Test gegen Babelsberg. IMAGO/Matthias Koch

Immer wieder skandierten die Hertha-Fans hinter ihm seinen Namen, gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit des Testspiels im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg und mittendrin auch. "Rune Jarstein", riefen sie, und ihr Held hatte am Samstagnachmittag nach seiner Einwechslung zur Pause tatsächlich wieder jenen Platz eingenommen, der 468 quälend lange Tage nicht seiner war: den Platz im Tor.

Als dann Dienstschluss war an diesem Samstag, der für Jarstein kein gewöhnlicher Samstag war, ganz und gar nicht, da war der 1:0-Sieg für Hertha beim Nordost-Regionalligisten SV Babelsberg 03 durch ein Tor von Rechtsaußen Marco Richter eher eine Randnotiz. Die Geschichte des Tages schrieb Jarstein. "Anfang der Woche war klar, dass ich spiele", sagte der Norweger. "Ich habe mich gestern und heute sehr gefreut und ein bisschen Spannung gemerkt. Es war ein geiles Gefühl."

Guter Eindruck bei den Trainern

Er hat sehr lange auf dieses Gefühl warten müssen, und zwischendrin in diesen 468 Tagen beschlichen manche Zweifel, ob es der Altmeister nochmal packt. "Es war eine lange Zeit", bilanzierte Jarstein am Samstag, "es hat lange gedauert." Seinen vor dem Samstag letzten Einsatz für Hertha hatte der Keeper am 21. März 2021 absolviert, unter Trainer Pal Dardai, beim 3:0-Sieg in der Bundesliga gegen Bayer Leverkusen.

Es folgten eine Coronavirus-Infektion mit einem vergleichsweise schweren Verlauf und der Aufenthalt in der Berliner Charité, eine Herzmuskelentzündung inklusive zweimonatigem Sportverbot und Anfang Dezember eine Knie-Operation. "Das Knie ist wieder gut", alles ist wieder gut, endlich: "Meine Fitness finde ich sehr gut. Es ist noch ein bisschen ungewohnt, auf dem Platz zu sein. Ich fühle mich gut, ich nutze jeden Tag gut, ich trainiere gut." Das ist auch der Eindruck, den Torwarttrainer Andreas Menger und Chefcoach Sandro Schwarz in der Trainingslager-Woche in Kienbaum gewonnen haben.

"Haben eine gute Torwartgruppe"

Jarstein, der wegen des Sportverbots vor einem Jahr die komplette Saisonvorbereitung verpasst hatte, ist auf einem Weg, der ihn wieder zu einem Faktor im Teamgefüge werden lassen könnte. Die ersten Wochen der Vorbereitung sollten Aufschluss liefern, ob mit dem 71-fachen norwegischen Nationalspieler wieder zu rechnen ist - als Haudegen in einem sonst jungen Torwart-Quartett.

Oliver Christensen (23), der in den Relegationsspielen gegen den HSV seine ersten Profieinsätze für Hertha bestritt, ist fortan als Nummer eins eingeplant. Hinter ihm sollen sich die Talente Tjark Ernst (19) und Robert Kwasigroch (18) ihre Sporen verdienen, in Kienbaum war auch U-17-Nationaltorhüter Tim Goller (17) dabei. Jarstein nennt das Verhältnis mit Christensen "sehr gut, wir sprechen viel miteinander, auch wenn Dänisch eine komische Sprache ist", wie der Norweger am Samstag sagte, ehe er losprustete. "Wir haben eine gute Torwartgruppe." Die deutlich jüngeren Kollegen lenken und dabei selbst wieder vollends in die Spur kommen - das will Jarstein, und darauf hofft Hertha.

Noch nicht fertig bei Hertha

Eine Geschichte wie am Samstag - ein Comeback nach mehr als 15 Monaten - berührt auch den Trainer "total". Er selbst, sagte Sandro Schwarz auf dem Rasen des Karl-Liebknecht-Stadions, sei "als Spieler auch lange verletzt gewesen". Er kann sich einfühlen in die Gedanken von Jarstein, in den Aufwand, in die Hoffnungen, auch in die Rückschläge: "Wenn ein Spieler lange raus war, dann berührt es einen. Zweites Testspiel, gutes Publikum, enges Stadion: Das ist dann wirklich auch eine gute Atmosphäre, um nach so langer Zeit wieder auf dem Platz zu stehen." Fand Schwarz. Fand auch Jarstein.

Den freien Sonntag nach der intensiven Woche in Kienbaum will der Torwart, der endlich wieder Torwart ist, genießen. Am Montag geht es mit zwei Einheiten auf dem Trainingsplatz weiter. "Jedes Testspiel, das jetzt kommt, wird schwerer", sagte Jarstein. "Wir freuen uns drauf." Er sich ganz besonders. Vor achteinhalb Jahren kam er von Viking Stavanger, sein Vertrag in Berlin läuft bis 2023. Jarstein klingt ganz so, als sei er noch nicht fertig bei Hertha BSC: "Ich habe noch ein Jahr. Ich gebe Gas. Wenn der Trainer mich braucht, bin ich bereit." Bei manchen klingt so ein Satz wie eine Floskel, bei Jarstein nicht. Dafür hat er ihn viel zu lange nicht sagen können.

Steffen Rohr

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