2. Bundesliga

HSV - Jansen: Nein zu Kühne, ja zu den Bossen

"Nicht umsetzbar" - HSV-Aufsichtsratsboss lehnt das 120-Millionen-Angebot ab

Jansen: Nein zu Kühne, ja zu den Bossen

Lehnt die Offerte von Klaus-Michael Kühne ab: Marcell Jansen.

Lehnt die Offerte von Klaus-Michael Kühne ab: Marcell Jansen. IMAGO/MIS

Der Milliardär hatte am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung, per Pressemitteilung an sämtlichen Vereinsgremien vorbei einen Vorschlag gemacht, in dem er der HSV-AG 120 Millionen Euro bot, dafür aber seine Anteile auf 39,9 Prozent aufstocken wollte, was per Satzung nicht möglich ist, und zudem zwei eigene Aufsichtsräte platzieren wollte.

Der kicker hatte den Vorstoß "ein unmoralisches Angebot" genannt, Jansen wählt moderate Töne, wird aber ebenfalls deutlich: "Es zeigt, wie sehr Herr Kühne mit dem HSV verbunden ist, dass er eine positive Entwicklung sehen möchte. Wir möchten im engen Dialog sein, aber das an uns herangetragene Angebot ist in dieser Form nicht umsetzbar."

"Wir haben beiden Vorständen klar unser Vertrauen ausgesprochen"

Als Hauptgrund nennt der Ex-Nationalspieler die Satzung. In dieser ist verankert, dass der HSV nur 24,9 Prozent seiner Anteile veräußern darf, für eine Veränderung wäre eine außerordentliche Mitgliederversammlung und auf dieser eine Dreiviertel-Mehrheit nötig. Die Tendenz unter der Anhängerschaft nach der Veröffentlichung des Angebots ging klar in die Richtung, dass es die nötige Mehrheit kaum gegeben hätte. "Zu dem Maßnahmenkatalog von Herrn Kühne ist zu sagen, dass wir als Präsidium den klaren Auftrag der Mitgliedschaft erhalten haben, die Grenzen für Anteilsverkäufe in unserer Satzung zu verankern."

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Kühne kommt also nicht mit frischen Millionen - und die Bosse bleiben. Obwohl sich im Gremium der Eindruck verfestigt hatte, dass der Streit zwischen Boldt und Wüstefeld eskaliert und nicht mehr zu lösen sei, hatte Jansen eine Abstimmung über die beiden Vorstände nicht forciert. Aus eigenem Antrieb, weil ein Nein gegen den von ihm in den Klub geholten Wüstefeld auch sein Aus im Aufsichtsrat eingeleitet hätte? Jansen nennt offiziell andere Beweggründe und versichert, beide hätten für ihren jeweiligen Verantwortungsbereich, Boldt für den Sport und Wüstefeld für die Finanzen, überzeugende Konzepte vorgelegt. Unter anderem hat der umstrittene Medizinunternehmer die Stadionsanierung auf den Weg gebracht. "Wir haben beiden Vorständen klar unser Vertrauen ausgesprochen und stehen hinter den jeweiligen Planungen und Zielsetzungen."

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Jansen ist tatsächlich willens, die Situation erst im Winter abschließend zu bewerten - dann allerdings stehen vertragsgemäß ohnehin Veränderungen bevor: Wüstefelds Vorstandsmandat endet am Jahresende. Wenn der Aufsichtsratschef sagt, "wir haben uns darauf verständigt, in der längeren Pause ab November in die Gespräche zu gehen", bedeutet das nichts anderes als: Er wartet fast bis zum letzten Tag. Und setzt auf die Ergebnisse auf dem Rasen. "Die Mannschaft ist nach kleinen Anlaufschwierigkeiten gut in die Saison gestartet, hat in Bielefeld das bisher beste Spiel gezeigt. Der Trainer erreicht die Jungs und die Fans identifizieren sich mit diesem Weg."

Der fromme Wunsch ist klar ablesbar: Sportlicher Erfolg soll die Wirkung von Kitt für die Risse haben.

Sebastian Wolff

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