Bundesliga

Jamal Musiala: Pendler zwischen den Welten

Münchner löst Santa Cruz als jüngster Bundesligatorschütze ab

Jamal Musiala: Pendler zwischen den Welten

Jamal Musiala

Eindrucksvoller Auftritt: Jamal Musiala traf gegen Schalke. imago images

Alter schützt bei Roque Santa Cruz vor Toren nicht. 39 Jahre zählt der Stürmer aus Paraguay mittlerweile, für den Erstligisten Olimpia Asuncion hat er in diesem Kalenderjahr zehn Tore geschossen. Einen Rekord ist er seit vergangenen Freitag allerdings los: den des jüngsten Bundesliga-Torschützen in der Geschichte des FC Bayern. Jamal Musiala ist durch seinen Treffer zum 8:0 gegen Schalke neuer Inhaber dieser Bestmarke.

Blickt man auf den alten Rekord, liest sich diese Story wie aus einer anderen Zeit. Am 1. Spieltag der Saison 1999/2000 durfte Santa Cruz noch nicht eingesetzt werden, weil er als Ausländer keine 18 Jahre alt war. Dem Debüt am 2. Spieltag beim 0:2 in Leverkusen folgte ein Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching, die in jener Saison eine entscheidende Rolle für den FC Bayern im Titelkampf spielen sollte, Stichwort 2:0 gegen Leverkusen am letzten Spieltag. Viele Monate zuvor erwirkte der FC Bayern zwölf Tage nach Santa Cruz' 18. Geburtstag ein 1:0, das Tor erzielte der damalige Teenie-Schwarm. Lothar Matthäus dirigierte die Abwehr, der heutige FCB-Sportvorstand Hasan Salihamidzic saß auf der Ersatzbank.

Musiala stammt aus der Chelsea-Jugend

21 Jahre hielt die Bestmarke. Logisch, dass sie in einer Zeit gebrochen worden ist, in der die Spieler immer jünger werden, ein Blick zum großen Rivalen Borussia Dortmund genügt. Jamal Musiala ist am 26. Februar dieses Jahres gerade einmal 17 geworden. Im Sommer 2019 verpflichtete der FC Bayern den Offensivspieler aus der Jugend des FC Chelsea, für den er seit seinem achten Lebensjahr aufgelaufen war. Damals zog die Familie nach England, geboren ist das Talent in Stuttgart.

Ein Pendler zwischen den Welten, für England lief er international von der U 15 bis zur U 17 auf, aber auch für die deutsche U 16 sind zwei Einsätze verbucht. Noch kann sich Musiala aussuchen, für welches Land er später auflaufen möchte, falls die Karriere so steil wie erhofft verläuft. "Er hat klare Vorstellungen. Ich würde mich auf jeden Fall um ihn bemühen", sagt Bayerns Trainer Hansi Flick.

Beim Rekordmeister diente sich Musiala schnell über die U 17 in die A-Jugend hoch, nach der Corona-Pause machte er in der 2. Mannschaft in der 3. Liga mit zwei Toren in acht Einsätzen auf sich aufmerksam. Einen Tag nach seinem historischen Tor in der Bundesliga kam beim 2:2 gegen Türkgücü München der neunte hinzu. Flick gönnte Musiala beim 3:1 gegen den SC Freiburg am 33. Spieltag der Vorsaison ab der 88. Minute sein Bundesliga-Debüt, aktuell ist er hinter Leroy Sané, Serge Gnabry und Kingsley Coman als vierter offensiver Flügel eingeplant.

Flick prophezeit noch einen "weiten Weg"

"Er hat im Training schon des Öfteren bewiesen, was er draufhat", lobte Flick nach dem 8:0, schränkt jedoch ein: "Es ist ein weiter Weg." Kein Geheimnis ist, dass sich Flick einen zusätzlichen Flügelstürmer wünscht. Offen, ob er diesen in Corona-Zeiten bekommt. Irgendwann soll sich die Investition in die Bayern-Jugend am Campus zudem auszahlen, Musiala gilt als einer der Kandidaten, die den Sprung schaffen können. "Wir erhoffen uns von ihm, dass er weiter so trainiert, wie er es bisher andeutet. Er ist ein ausgezeichneter Spieler, nimmt Tempo auf, wenn er in Ballbesitz ist", sagt Flick. Die auf 1,81 Meter verteilten 65 Kilo lassen den feinen Techniker noch etwas schmächtig erscheinen.

Seit frühester Kindheit gilt Musiala als Ausnahmetalent. Der nächste Schritt muss sein, sich als permanente Alternative bei den Profis anzubieten, das wird schwierig genug. Ob er wie Santa Cruz auch mit 39 Jahren noch auf Torejagd gehen wird, steht einstweilen in den Sternen.

Frank Linkesch

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