Bundesliga

Kommentar zum Bundesliga-Neustart im Mai: Ja zu Geisterspielen - aber mit Vorgaben

Ein Kommentar von kicker-Chefreporter Karlheinz Wild

Ja zu Geisterspielen - aber mit klaren Vorgaben

Nur ohne Zuschauer wird es in der Bundesliga vorerst gehen: Gladbach und Köln hatten schon die Erfahrung.

Nur ohne Zuschauer wird es in der Bundesliga vorerst gehen: Gladbach und Köln hatten schon die Erfahrung. picture alliance

Die Freude ist groß bei den Profis des FC Bayern. An diesem Montag dürfen sie in vier Kleinstgruppen mit vier plus einer mit fünf Spielern wieder auf den Fußballplatz, zum Training im Freien. Es ist ein erster kleiner Schritt, der an anderen Bundesliga-Standorten - wenn dort die gleiche Regelung in Kraft tritt - genauso erleichtert begrüßt wird. Unklar bleibt allerdings weiterhin, wann definitiv zum ersten Mal wieder Fußball gespielt werden kann: Anfang Mai, Mitte Mai, später? In jedem Fall würden die Paarungen ohne Publikum ausgetragen. Aus rein medizinischer Sicht wären so genannte Geisterspiele "machbar", sagte am Samstag der Virologe Alexander Kekulé im ZDF-Sportstudio. Es müssten eben umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, dann wäre das Problem "rein virologisch lösbar".

Doch darf es für den professionellen Fußball eine derartige Sonderstellung geben? Welche Außenwirkung hätte eine solche Ausnahmeregelung? Gäbe es einen Imageschaden?

Fußball lebte vielfältig Solidarität vor

Der Fußball hat in dieser aktuellen Covid-19-Krise gezeigt, dass er sich seiner gesellschaftlichen Verantwortung bewusst ist, mit diversen sozialen Aktionen oder dem unerlässlichen Gehaltsverzicht. Als abgehobener Mittelpunkt der Welt begriff er sich - wie zuvor in manchen Ausartungen durchaus - nun nicht mehr, sondern präsentierte sich geerdet und lebte vielfältig Solidarität vor. Genauso wies DFL-Chef Christian Seifert früh auf die wirtschaftliche Bedrohung durch Corona hin. Wie in der klassischen Wirtschaft, wo Arbeitsplätze und Existenzen in Gefahr sind, zittern auch in den Fußballvereinen viele Beschäftigte um ihren Job, rund 56000.

Atmosphärische Aspekte sind wesentlich

Wesentlich ist außerdem der atmosphärische Aspekt. Tricks, Tore oder Tabellen - über ihre Aussagekraft und Bedeutung mag jede(r) in dieser surrealen Saison 2019/20 selbst befinden - würden zumindest für etwas Abwechslung sorgen in Zeiten, da Corona das öffentliche Bewusstsein und die Gespräche dominiert und eintrübt. Der Fußball bietet Entertainment und lockert die so angespannte Psyche etwas auf. Er würde uns zumindest kurzzeitig ein paar andere Themen setzen und andere Gedanken befördern, auch wenn wir uns die permanente Auseinandersetzung mit diesem Virus damit nicht ersparen können und dürfen.

Ablenkung für die breite Masse

Der Fußball und seine Protagonisten müssten eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs klug, bescheiden und nachvollziehbar der Öffentlichkeit vermitteln. Es ginge da - neben den existenzsichernden ökonomischen Momenten - vor allem um die Ablenkung für die breite Masse, seien sie innige Freunde und Fans dieses Spiels, seien sie nur Beobachter am Rande. Gewiss, es gibt noch viele andere tolle Sportarten, es gibt Opernhäuser und Theater, die unser Leben bereichern und vorerst geschlossen bleiben müssen. Doch es heißt eben auch, der Fußball sei die schönste Nebensache der Welt. Und zur Hauptsache wird er sowieso nicht in absehbarer Zeit, Sars-CoV-2 wird unser Denken und Tun noch für längere Zeit bestimmen. Deshalb müssen die Zuschauer den Stadien - und zwar innen wie im Außenbereich - fern bleiben und per TV einigermaßen umfassend versorgt werden; deshalb müssen sämtliche gerade gültigen Anordnungen rundum eingehalten werden. Dafür tragen dann alle Verantwortung - wie bei der Einhaltung der jetzigen Regeln und Verhaltensvorschriften.

Sollten Medizin und Politik, die virologischen Experten wie die zuständigen Behörden, auf der Basis ihrer Kompetenzen und Verantwortlichkeit ihr Ja zu Spielen ohne Zuschauer erteilen, sollte der Ball wieder rollen. Zu unser aller Freude und Unterhaltung. Und, klar, ebenso zur Aufrechterhaltung des Spielbetriebs 2019/20 sowie zum perspektivischen Erhalt des im Großen und Ganzen bewährten Systems.

Das Zuschauer-Ranking der Bundesliga - Sonderfall Gladbach