3. Liga

Itter und die doppelte Chance

Neuer Anlauf beim VfL Osnabrück

Itter und die doppelte Chance

Zurück auf dem Platz: Davide Itter.

Zurück auf dem Platz: Davide Itter. IMAGO/osnapix

Es war der doppelte Albtraum eines Jungprofis, den Davide Itter im Sommer 2021 erlebte. Vor der Abfahrt ins Trainingslager mit dem VfL Osnabrück wurde ihm mitgeteilt, dass Trainer Daniel Scherning ohne ihn plane, trotz eines bis Juni 2023 datierten Vertrags. "Das war ein Tiefschlag, aber dann kam der absolute Schock", erinnert sich der 23-Jährige an die Diagnose des Teamarztes: Erklärung für schlechte Blutwerte, extreme Müdigkeit und heftige Kopfschmerzen war die Ansteckung mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber.

Statt sich also wie geplant in der Vorbereitung nach einer Saison mit 18 Einsätzen (sechs in der Startelf) in den Kampf um einen Stammplatz zu stürzen, war Itter von einem Tag auf den anderen zur Untätigkeit verdammt. Die Krankheit raubt dem Körper die Belastbarkeit und versetzt ihn in einen Erschöpfungszustand. "Anfangs bestanden meine Tage nur aus Schlafen, Essen und Ruhen. Ich war froh, als ich nach drei, vier Wochen die ersten kleinen Spaziergänge machen konnte, ohne danach völlig ausgepowert zu sein", sagt Itter, der nach dem doppelten Albtraum nun seine Chance sucht. Nach einem steilen Karrierestart und dem Neubeginn beim VfL ist es nun für ihn eine doppelte Chance.

Comeback nach 181 Tagen

Es ging voran, wenn auch langsam. An das Comeback im Training im September erinnert sich Itter nicht nur, weil ihn die Kollegen mit einem Sonderapplaus begrüßten, sondern auch wegen der niedrigen Belastungsgrenze. Nach wochenlangen Einzel-Einheiten mit Athletikcoach Mathis Beckmann stieg er ins Mannschaftstraining ein und verbuchte bereits die Kader-Nominierung im Spiel gegen den TSV 1860 München am 15. Oktober als nächsten Meilenstein.

In vier weiteren Partien saß Itter auf der Bank, ehe im letzten Spiel des Jahres das Comeback in der 3. Liga folgte: 181 Tage nach seinem letzten Einsatz im Saisonfinale 2021/22 gegen Magdeburg wurde er beim 3:0 in Meppen in der 78. Minute eingewechselt. "Das war ein ganz besonderer Moment", sagt der beim VfL als Rechtsverteidiger eingeplante Profi.

Mit dem Zwillingsbruder in Florida

Eine Woche Einzeltraining hängte Itter danach noch an, jetzt freut er sich auf die Vorbereitung. Vorher gönnte er sich mit seinem Zwillingsbruder Luca noch eine besondere Belohnung: Bei einem Urlaub in Florida, wo sie ihre Leidenschaft für den US-Sport mit Besuchen von NBA- und NFL-Spielen stillten.

Die Zwillinge hatten ihre Karriere über den FC Cleeberg und Eintracht Frankfurt von 2004 bis 2019 im Gleichschritt absolviert, ehe sich die Wege nach vier gemeinsamen Jahren beim VfL Wolfsburg trennten. Luca kam über den SC Freiburg zur SpVgg Fürth, Davide wechselte 2021 nach Osnabrück. Auch die enge Verbindung der Zwillinge half Davide in der schwersten Zeit hinweg über negative Gedanken.

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